Aufsatz 
Analyse des Platonischen Protagoras / Waldeck
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Herr Profeſſor Deuſchle in Berlin hat zuerſt ſeiner Ausgabe des PlatoniſchenGorgias als Anhang einelogiſche Analyſe des Dialogs beigegeben, um als Grundlage für die ſachliche Erklärung der Schrift in der Prima zu dienen. Daß dieſer Gedanke aus einem wirklichen practiſchen Bedürfniß hervorgegangen iſt, davon habe ich mich ſelbſt durch die Erfahrung bei der Lectüre des Gorgias in der Claſſe überzeugt: das Verſtändniß einer philoſophiſchen Schrift wie die erwähnte gehört wirklich zu dem Schwierigſten, was einem Primaner zugemuthet wird. Bei ſeiner entſchiedenen Vorliebe und viel größeren Empfänglichkeit für alles Individuelle und Concrete findet ſich der jugendliche Geiſt in dem abſtracten, rein begrifflichen Denken nur ſchwer zurecht, und namentlich iſt für ein klares Erfaſſen längerer und complicirterer dialectiſcher Er⸗ örterungen in ihrem Zuſammenhange und Zweck die geiſtige Kraft noch zu wenig geübt. Dazu kommt, daß die dialogiſche Form des Plato Manches mit ſich führt, was dem einfachen Fort⸗ ſchritt der philoſophiſchen Entwickelung gegenüber nur als ein formelles Beiwerk erſcheint, den Faden des Gedankens ſcheinbar zerreißt und ſtörend und verwirrend auf den Schüler einwirkt. Daher iſt unzweifelhaft eine logiſche Analyſe des Inhalts, ein Anwenden der erſt durch Ariſto⸗ teles theoretiſch feſtgeſtellten Geſetze und Functionen des Denkens, gleichſam ein Umgießen des Stoffes in die uns gewohnten Formen des Denkens für das Verſtändniß des Schülers von größter Wichtigkeit, ja ſie mußeinen der weſentlichſten Beſtandtheile der Erklärung Platoniſcher Schriften ausmachen.

Wenn ich nun ſo im Princip mit dem Herrn Bearbeiter desGorgias vollſtändig einver⸗ ſtanden bin, ſo hätte ich doch die Ausführung etwas anders gewünſcht. Die Logik als ſelbſtän⸗ dige Diſciplin iſt, ſoviel ich weiß, auf allen Gymnaſien beſeitigt; es ſind auch wohl ſämmtliche Schulmänner darüber einverſtanden, daß ſie einen wirklichen Werth für das wiſſenſchaftliche Denken nur in ihren Grundzügen hat, daß dagegen die Spielereien, in welche dieſe Wiſſenſchaft im Mißverſtändniß des Ariſtoteles in früheren Jahrhunderten verfiel, namentlich was die ver⸗ ſchiedenen Arten von Schlußfiguren, Kettenſchlüſſen u. ſ. w. betrifft, nur noch eine gewiſſe hiſto⸗ riſche Bedeutung haben. Wenn man alſo von der Logik nur das Wichtigſte, und dies nur als Beſtandtheil anderer Diſciplinen dem Schüler mittheilt, ſo muß man ſich auch bei der dialektiſchen Crörterung Platoniſcher Schriften hierauf beſchränken. In der logiſchen Analyſe des Gorgias