Aufsatz 
Die ersten 25 Jahre des Kaiser Wilhelms Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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ſinn ſein Recht gelaſſen wird. Großen Wert hat unſere Schule ſtets darauf gelegt, daß die Eltern ſich über Wahl und Wechſel der Penſionen mit ihr ins Einvernehmen ſetzen. Wenn die Schule auch nicht in der Lage iſt, die unmittel⸗ bare Aufſicht über das häusliche Leben der Schüler zu führen, ſo iſt ſie doch nach Kräften darauf bedacht, durch ihre Anordnungen und eine gewiſſe Kontrolle das Leben der Zöglinge auch außerhalb der Schule zu über⸗ wachen. Zur Ausſtattung der Anſtalt mit Lehr⸗ mitteln wurden von Anfang an ausreichende Summen bewilligt. So iſt namentlich die Lehrer⸗ und Schülerbibliothek ganz anſehnlich ausgeſtattet. Auch für den Unterricht in der Geſchichte und Geographie ſowie in den Naturviſſenſchaften ſteht jährlich zur Anſchaffung der nötigen Lehr⸗ mittel eine ausreichende Summe zur Verfügung.

Im Jahre 1888 erhielt das Gymnaſium von einem ſeiner Abiturienten, Herrn Profeſſor Führer, dem damaligen Direktor des britiſchen Nationalmuſeums in Lucknow(Oſtindien), eine äußerſt wertvolle Schmetterlingsſammlung, die im Senkenbergiſchen Inſtitute zu Frankfurt a. M. unter der Leitung des Herrn Oberſtlieutenants a. D. Saalmüller aufs ſorgfältigſte in 20 großen Glaskäſten gegen Überlaſſung der Du⸗ bletten aufgeſpannt wurde. Dazu ſandte der edle Geber auch eine Reihe prächtiger Vogel⸗ bälge und ausgeſtopfter Tiere da⸗ runter eine Rieſenſchildkröte ſowie 16 pracht⸗ volle Terrakotten, eine Lucknower Spezialität, freie Handarbeit, die durch ihre ſorgfältige Aus⸗ führung die Bewunderung der Sachkenner erregen.

Die Lage des Schulhauſes iſt nach allen Seiten frei und ſchön. Freilich entſprachen ſeine Räume lange Zeit den Zwecken der Schule nur mangelhaft. Es war nänlich bei der

Gründung des Progymnaſiums das 1838 erbaute Elementarſchulhaus für die neue Schule im Innern umgebaut und mit den zunächſt notwen⸗ digen Räumen ausgeſtattet worden. Es fehlten aber der Schule noch verſchiedene wichtige Zimmer:

ein Verſammlungsſaal für die ganze Anſtalt, ein Zeichenſaal, ein Lehrzimmer für den natur⸗ wiſſenſchaftlichen Unterricht ſowie der nötige Raum für unſere koſtbaren Sammlungen. Die ſeit dem Jahre 1884 geplante Erweiterung durch den Aufbau eines zweiten Stockwerkes, wofür ſchon lange ausgearbeitete Pläne vorlagen, kam hauptſächlich wegen Mangels an Geldmitteln nicht zur Ausführung. Endlich gelang es im Herbſt 1894 dem perſönlichen Eingreifen des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Paehler nach einer Beſprechung mit dem Kuratorium und den ſtädtiſchen Behörden, den Beſchluß zu erwirken, daß zu dem Umbau des alten Gebäudes und dem Neubau eines Flügels 45000 Mark von der Stadtgemeinde bewilligt wurden. Nach dem im Miniſterium zu Berlin ausgearbeiteten Bau⸗ plane enthält das neue Flügelgebäude zwei größere und vier mittelgroße Lehrſäle ſowie einen ausgedehnten Raum für die Sammlungen, während ſich in dem umgebauten alten Flügel das Amtszimmer des Direktors, ein Archivzimmer, das Konferenzzimmer, ein Zimmer für die Lehrer⸗ bibliothek, drei Klaſſenzimmer und dazu als neu gewonnen eine ſtattliche Aula, ein geräumiger Zeichenſaal ſowie ein Lehrzimmer für den natur⸗ wiſſenſchaftlichen Unterricht befinden. Der Bau wurde im Frühjahr 1895 begonnen und ohne erhebliche Störung des Unterrichts im Oktober 1896 fertiggeſtellt. So iſt jetzt der früher oft bitter empfundene Raummangel gehoben. Da gleichzeitig die einzelnen Räume eine neue Aus⸗ ſtattung erhielten und namentlich für die Klaſſen neue Schulbänke aus der Fabrik von Fuhrmann u. Hauß zu Frankenthal beſchafft wurden, ſo macht jetzt unſer Schulhaus in ſeinem Innern einen recht freundlichen Eindruck. Dazu hat es in dieſem Jahre auch noch feſtliche Beleuchtung durch Einführung elektriſchen Lichtes erhalten.

Was lange währt, wird endlich gut.