Aufsatz 
Die ersten 25 Jahre des Kaiser Wilhelms Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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wiederholt durch unzweideutige Beweiſe kund, daß ſie noch immer mit ganzer Seele an unſerer Schule hangen. Unter den früheren Lehrern der Schule, die das Jubelfeſt durch ihre Be⸗ teiligung verſchönten, befand ſich auch der erſte Direktor des Gymnaſiums, der jetzige Provinzial⸗ Schulrat Dr. Paehler zu Caſſel, deſſen An⸗ weſenheit den Feſtfeiernden ganz beſonders will⸗ kommen war. Bei dem Schlußkommers am Abend des Feſttages wurde der Gedanke an⸗ geregt, zum Andenken an die ſchöne Feier durch freiwillige Beiträge der früheren Schüler des Gymnaſiums eine wohlthätige Stiftung zur Unterſtützung braver und talentvoller, aber armer Schüler der Anſtalt ins Leben zu rufen und ihr zur dankbaren Erinnerung an den früheren Direktor Dr. Werneke, unter deſſen Leitung 473 Primaner mit dem Zeugnis der Reife ent⸗ laſſen ſind, den NamenWerneke⸗Stiftung zu verleihen. Dem Vernehmen nach iſt bereits eine beträchtliche Geldſumme zu dieſem ſchönen Zwecke eingegangen.

Innere Geſchichte des Gymnaſiums.

Das innere Leben der Anſtalt iſt ziemlich gleichmäßig ſtill und glücklich dahingefloſſen. Zwar war die Arbeit in der Schule in dem verfloſſenen Zeitraume aus verſchiedenen Gründen nicht leicht. Die Einordnung der alten naſſauiſchen Schule in den feſten Organismus der preußiſchen höheren Unterrichts⸗Anſtalten, die zweimalige Umlegung des Schuljahres, die Umgeſtaltung der Lehrpläne nach den 1882 und 1892 vom Miniſter erlaſſenen Beſtimmungen erſchwerten die an und für ſich mühevolle Arbeit der Schule in hohem Grade und machten wiederholt in ein⸗ gehenden Beratungen die Umarbeitung der Lehr⸗ penſa für die einzelnen Fächer und Klaſſen er⸗ forderlich. Es war aber ein nicht zu unter⸗ ſchätzender Vorteil für die Anſtalt, daß von vornherein durch ein junges, arbeitsfähiges Kollegium ein friſcher Zug durch alle Verhält⸗ niſſe der Schule ging, daß ferner der einträchtige kollegialiſche Sinn im Lehrerkollegium, der au

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unſerer Anſtalt ſtets herrſchte, die Schwierig⸗ keiten auf allen Gebieten der Arbeit leicht über wand und durchgängig erfreuliche Erfolge in der Erziehung und im Unterrichte aufweiſen konnte. Die Disziplin der Anſtalt war recht zu⸗ friedenſtellend, und wenn einzelne von auswärts herkommende Elemente zuweilen die Ordnung ſtören wollten, ſo wurde dieſe durch ſtrenge Maß⸗ regeln bald wieder hergeſtellt. Eine erfreuliche Unterſtützung findet das Lehrerkollegium in dem ſtaatlich anerkannten Biſchöflichen Konvikt, in dem durehſchnittlich über 100 Schüler unter treuer und gewiſſenhafter Leitung zu Fleiß und Sittſamkeit erzogen werden. So wird den Lehrern die Handhabung einer guten Zucht außerordentlich erleichtert, und das dort herrſchende arbeitsfreudige Streben übt auch auf die übrigen Schüler einen guten Einfluß aus. Der Erfolg des Unterrichts zeigte ſich ſtets in dem guten Vorwärtskommen der Schüler in den einzelnen Klaſſen, namentlich aber auch in der großen Anzahl der Primaner, 490 an der Zahl, die die Reifeprüfung beſtanden. Auch die Reviſionen der vorgeſetzten Behörden, ſo die des Geheimen Regierungsrats Dr. Stauder aus Berlin am 16. Dezember 1875, des Provinzial⸗ Schulrats Dr. Rumpel am 11., 12. und 14. Mai 1877, des Provinzial⸗Schulrats Dr. Lah⸗ meyer am 2., 3. und 4. Dezember 1891 und des Provinzial⸗Schulrats Dr. Paehler am 15. 16., 17. und 18. Oktober 1895 haben ebenſo

die Gewiſſenhaftigkeit und Pflichttreue der Lehrer wie den guten Stand der Schule be⸗ kundet.

Die für jede Anſtalt wichtige Pflege des Geſamtlebens zeigte ſich in dem gemeinſamen Gottesdienſt, in der Feier der vaterländiſchen Feſte, die durch den Geſangchor und in den letzten Jahren auch durch eine Schülerkapelle weſentlich verſchönt wurden, ſowie in den all⸗ jährlichen Schülerausflügen in die ſchönſten Punkte des Weſterwaldes, des Lahnthals und der Rhein⸗

und Moſelgegend, wo neben dem Ernſt, den das

Studium erheiſcht, auch dem jugendl ichen Froh⸗