Aufsatz 
Die ersten 25 Jahre des Kaiser Wilhelms Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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Die Zahl der Lehrerſtellen war dahin ver⸗ mehrt worden, daß außer dem Direktor 2 Ober⸗ lehrer, 4 ordentliche Lehrer, ein wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer und ein techniſcher Lehrer an der Anſtalt wirkten. Den evangeliſchen Religions⸗ Unterricht erteilte der Pfarrer der hieſigen evangeliſchen Gemeinde.

Die Oberprima wurde zu Oſtern 1872 er⸗ richtet, und ſo konnte am Ende des Schuljahres 1872/73 die erſte Reifeprüfung abgelegt werden. Seit dem Ausbau der Schule zu einem Gym naſium hatte aber die Schülerzahl derart zu⸗ genommen, daß ſie im erſten Jahre, wo ſämt⸗ liche neun Klaſſen vorhanden waren, 227 betrug und bald auf 240 ſtieg. So war natürlich eine ſolche Überfüllung der kombinierten Tertia und kombinierten Sekunda eingetreten, daß ihre

Trennung in je zwei Abteilungen zu Oſtern

1874 vorgenommen werden mußte. Deshalb wurden vorläufig zwei neue Hilfslehrer ange⸗ ſtellt, deren Gehalt aus der Schulgeld⸗ Mehreinnahme bezahlt wurde. Das Schuljahr war unterdeſſen in der Art umgelegt worden, daß ſein Schluß, anſtatt wie früher auf Oſtern, von jetzt ab auf den Herbſt fiel. Es wurde nämlich 1873 ſchon zu Weihnachten geſchloſſen, und das neue Schuljahr erſtreckte ſich von Neu jahr bis Herbſt 1874. So war es den tüchtigen und fleißigen Schülern der 6 unteren Klaſſen ermöglicht, 2 Jahreskurſe in 3 Semeſtern durch⸗ zumachen, während die Rückſicht auf die Be⸗ ſtimmungen der Reifeprüfung dies den Schülern der drei oberen Klaſſen unmöglich machte.

Die Verhältniſſe der Anſtalt waren ſomit wohl geordnet; da erging an ihren bisherigen Diri⸗ genten Dr. Paehler, deſſen energiſcher und um⸗ ſichtiger Leitung die Schule ihren glücklichen Ausbau in erſter Linie zu verdanken hat, der ehrenvolle Ruf zur Übernahme des Direktorats

an dem Königlichen Gymnaſium zu Wiesbaden. An ſeine Stelle trat zu Herbſt 1874 der bis⸗ herige Oberlehrer am Gymnaſium zu Paderborn

Dr. Werneke.

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Da die Schülerzahl noch immer ſtieg, ſo wurden aus den vorläufig errichteten Hilfs⸗ lehrerſtellen drei feſte Lehrerſtellen geſchaffen, ſo daß von 1878 ab außer dem Direktor vier Oberlehrer und fünf ordentliche Lehrer neben dem evangeliſchen Religionslehrer, einem wiſſen⸗ ſchaftlichen Hilfslehrer und einem techniſchen Lehrer an der Schule thätig waren. Durch miniſterielle Verfügung wurde von 1882 ab der Schluß des Schuljahres wieder auf Oſtern ver⸗ legt und zwar in der Weiſe, daß das Winter⸗ ſemeſter 1881/82 für einen ganzen Jahres⸗ kurſus gerechnet wurde. Deshalb ſchloß zu Herbſt 1881 der Unterricht nicht wie ſonſt am 2. September, ſondern 14 Tage früher und be⸗ gann wieder am 26. September.

Eine lange Reihe von Jahren floß nun für unſere Schule dahin, ohne daß in ihrer äußeren Geſchichte etwas Bemerkenswertes zu verzeichnen wäre. Von Herbſt 1894 ab wurde, um für die Stetigkeit des evangeliſchen Religions⸗Unter⸗ richtes, den der Pfarrer der hieſigen evangeliſchen Gemeinde niedergelegt hatte,eine geeignete Ge⸗ währ zu gewinnen, eine zweite wiſſenſchaftliche Hilfslehrerſtelle errichtet. Die Beträge zur Remunerierung dieſer Stelle wurden größtentheils aus denjenigen Etats⸗Poſitionen gewonnen, die bislang für die Erteilung des evangeliſchen Religionsunterrichts und des Turnunterrichts verwendet worden waren.

Mit Ende des Schuljahres 1895/96 legte Direktor Dr. Werneke die Leitung der Anſtalt, die er 21 ½ Jahre mit ſegensreichem Erfolge geführt hatte, in ſeinem 71. Lebensjahre nieder, um iu den wohlverdienten Ruheſtand zu treten, und ſtatt ſeiner wurde der Unterzeichnete zum Direktor des Gymnaſiums ernannt. Angeregt durch viele Anfragen früherer Schüler, feierte die Anſtalt am 12. und 13. Auguſt 1896 ihr 25⸗jähriges Beſtehen durch eine Feier, die in der würdigſten Weiſe verlief. Abgeſehen von den Beamten und Bürgern der Stadt, die durch ihre Teil⸗ nahme das Feſt verherrlichten, hatten ſich mehr als 200 frühere Schüler eingefunden und gaben