Realſchule“ ins Leben zu rufen, deren Organiſation durch das Herzogliche Edikt vom 5. November 1861 feſtgeſetzt wurde. Sie war hauptſächlich dazu beſtimmt, die Söhne des Bürgerſtandes in den Kenntniſſen für das praktiſche Leben zu unterweiſen, und unter mannigfaltigen Schwierig⸗ keiten und großen Schwankungen in der Schüler⸗ zahl— die geringſte betrug 22, die höchſte 102, die letzte im Jahre 1867 63— hat ſie im ganzen ihren Zweck erfüllt.
Als aber 1866 Naſſau in Preußen aufging, wurde von ſeiten der Stadtvertretung der An⸗ trag geſtellt, daß ihrer höheren Schule die Be⸗ fugnis zur Ausſtellung gültiger Berechtigungs⸗ ſcheine für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt verliehen werde. Die preußiſche Regierung ver⸗ langte die Einordnung der Realſchule in eine höhere preußiſche Schule; die ſtädtiſchen Behörden ſprachen ſich 1867 für Errichtung eines Pro⸗ gymnaſiums aus, und das von ihnen entworfene Statut wurde am 29. Februar 1868 vom Unter⸗ richts⸗Miniſter beſtätigt. Nach der Wahl des Rektors und der übrigen Lehrer durch ein neu gebildetes Kuratorium eröffnete Provinzial⸗Schul⸗ rat Dr. Rumpel aus Caſſel am 5. Oktober das Progymnaſium und führte den Rektor und die Lehrer in ihr neues Amt ein.
Progymnaſium (Herbſt 1868— 1871.)
Die neue Anſtalt begann mit einer Gym⸗ naſial⸗Sexta, Quinta, Quarta, Tertia, auf denen 95 Schüler ſaßen; dazu kam eine Real⸗Tertia von 17 Schülern, während auf Quarta und Quinta die früheren Realſchüler verblieben, denen es frei geſtellt wurde, ob ſie an dem Unterricht in den klaſſiſchen Sprachen teilnehmen oder anderweitig beſchäftigt werden wollten. Die Realabteilungen der Quinta und Quarta gingen Oſtern 1869 ein; dagegen wurde eine Gymnaſial⸗ und Realſekunda neu eingerichtet; die Schüler der Realſekunda erhielten ausnahmsweiſe die Ver⸗ günſtigung, durch eine Abgangsprüfung ſich die Be⸗ rechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt
zu erwerben. Zu Oſtern 1870 wurde an die Gymnaſial⸗Unterſekunda eine mit ihr vereinigte Oberſekunda angeſetzt und nach einer eingehenden Reviſion durch den Provinzial⸗Schulrat Dr. Rumpel laut Miniſterial⸗Verfügung vom 4. Juli 1870 das Progymnaſium als ein ſtaatlich be⸗ rechtigtes anerkannt. So war die ſchwierige Aufgabe der Umwandlung der naſſauiſchen Real⸗ ſchule in ein preußiſches Progymnaſium in kürzeſter Zeit mit Erfolg gelöſt. Die Zahl der Schüler betrug bereits 136.
Sofort faßte nun die Stadt-Vertretung die Erweiterung des Progymnaſiums zu einem vollſtändigen Gymnaſium ins Auge. Die Auf⸗ löſung der Realſekunda erfolgte zu Oſtern 1871 nach abgelegtem Examen der Realſchüler. Da⸗ durch wurde eine Lehrkraft frei und durch Anſtellung einer weiteren war die Ein⸗ richtung der Prima möglich. Da nun der Gemeinderat am 16. Juli 1870 beſchloß, die Mehrkoſten, die durch Eröffnung der Prima entſtünden, auf die ſtädtiſche Kaſſe zu über⸗ nehmen, ſo wurde durch Miniſterial⸗Verfügung vom 11. März 1871 die Errichtung der Prima zu Oſtern 1871 genehmigt. Unter dem 29. Juli 1871 erhielt die Wahl des bisherigen Rektors Dr. Paehler zum Gymnaſial⸗Direktor die Aller⸗ höchſte Beſtätigung, und durch Erlaß des Miniſters vom 14. Auguſt desſelben Jahres wurde die An⸗ ſtalt als vollſtändiges Gymnaſium an⸗ erkannt, obwohl ihr die Oberprima noch fehlte.
Gymnaſium. (14. Auguſt 1871—1896.)
Eine große Auszeichnung wurde dem jungen Gymnaſium bald nach ſeiner Gründung zu teil. Unſer ruhmreicher Kaiſer und König Wilhelm I. geruhte in Veranlaſſung einer Huldigungsfahrt der Lehrer und Schüler der Anſtalt am 17. Juli 1871 nach dem benachbarten Ems durch Kabinets⸗ Ordre vom 11. Oktober 1871 der Schule den Ehrennamen
„Kaiſer Wilhelms Gymnaſium“ Allergnädigſt zu verleihen.


