Aufsatz 
Die ersten 25 Jahre des Kaiser Wilhelms Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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Die erſten 25 Jahre des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums

zu Montabaur.

Das Gymnaſium zu Montabaur feierte am 12. und 13. Auguſt 1896 ſein 25jähriges Be⸗ ſtehen durch ein Feſt, zu dem die Behörden und Bürger der Stadt, alle Freunde der Schule ſowie namentlich die Lehrer und Schüler, die ihr an⸗ gehört haben, Einladungen erhielten. Es lag damals in meiner Abſicht, als Feſtſchrift einen kurzen geſchichtlichen Rückblick auf die von der feiernden Anſtalt zurückgelegten Jahre zu ver⸗ öffentlichen. Durch Hinderniſſe zurückgehalten, erſcheint die kleine Arbeit erſt jetzt als Beilage des diesjährigen Jahresberichts.

Vorgeſchichte.*)

Es ſteht urkundlich feſt, daß in Montabaur ſchon vor dem Jahre 1740 eine höhere Schule mit 5 Lehrern beſtand. Wann ſie aber die in der Bittſchrift des Stadtrats vom Jahre 1803 gebrauchte BezeichnungGymnaſium ange⸗ nommen, läßt ſich ebenſowenig mehr ermitteln als das Jahr, in dem ihr das 1715 erbaute, der katholiſchen Kirche gegenüberliegende, jetzige Elementarſchulhaus überlaſſen wurde. Als durch den Reichsdeputationshauptſchluß 1803 Montabaur an den Fürſten von Naſſau⸗Weilburg fiel, ſollte die Schule, die zuletzt vielleicht infolge der politiſchen Wirren am Ende des vorigen Jahr⸗

*) S. Programm des Progymnaſiums zu Montabaur Oſtern 1870: 1.Zur Geſchichte des alten Gymnaſiums zu Montabaur, 2.Die Gründung des Progymnaſiums und ſeine bisherige Entwickelung, von dem Rektor Dr.

Paehler.

hunderts nur wenige Klaſſen und Schüler hatte, zu einer Hauptlandesſchule ausgebaut werden und trat als ſolche am 30. Mai 1806 ins Leben. Sie blüte raſch auf und zählte im Jahre 1812 ſchon 125 Schüler. In den Frei⸗ heitsjahren lichteten ſich freilich die Reihen der Gymnaſiaſten, die in großen Scharen zur Befrei⸗ ung des Vaterlandes unter die Fahnen eilten. Zwar hob ſich nach dem Friedensſchluſſe das Gymnaſium wieder, aber nur für kurze Zeit.

Der im Jahre 1816 zur Regierung der vereinigten naſſauiſchen Länder gelangte Herzog Wilhelm von Naſſau nahm eine durchgreifende Organiſation des höheren Unterrichtsweſens vor. In Weilburg ſollte das einzige Landesgymnaſium ſein, alle übrigen Gymnaſien dort, wo ihr Fort⸗ beſtehen rätlich ſchien, in Pädagogien oder Pro⸗ gymnaſien umgewandelt werden. Gleichzeitig hatte in dem Stadtrate zu Montabaur eine bedauernswerte Gleichgültigkeit gegenüber dem Beſtehen der Anſtalt Platz gegriffen. Man hatte ſich ſchon lange hartnäckig geweigert, die von der Regierung geforderten nötigen Geldmittel zum Bau eines neuen Schullokals flüſſig zu machen. So verfügte 1817 die Herzogliche Regierung die Auflöſung der Anſtalt; die nicht unbedeutende Bibliothek der Schule wanderte nach Hadamar.

23 Jahre mußte dann Montabaur jeder höheren Anſtalt entbehren. Erſt 1840 gelang es den ſtädtiſchen Behörden, mit Genehmigung der landesherrlichen Regierung eineNaſſauiſche