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auf Mitte Oktober verſchoben. Bei gutem Wanderwetter zog die Prima zur Dornburg, einem Berge bei Frickhofen, der durch ſeine Eisbildung im Sommer berühmt iſt; die Rückfahrt erfolgte über Hadamar und Limburg. Die Secunda machte einen Ausflug nach Stolzenfels, die Tertia nach der Schaumburg an der Lahn, die Quarta nach Oranienſtein, die beiden unteren Klaſſen machten einen weiteren Spaziergang durch den Montabaurer Wald.
Am 10. Auguſt wurde unter dem Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Lahmeyer, die mündliche Abiturientenprüfung abgehalten; alle 4 Examinanden erhielten das Zeugnis der Reife.
Die Herbſtferien dauerten fünf Wochen, vom 15. Auguſt bis zum 19. September. Beim Beginn des Winterſemeſters wurden achtzehn Schüler neu aufgenommen.
Die Weihnachtsferien dauerten 14 Tage, vom 23. Dezember bis zum 6. Januar.
Das ſchriftliche Abiturienten⸗Examen begann am 25. Januar; das mündliche wurde am 17. und 18. Februar abgehalten. Da der Herr Provinzial⸗Schulrat am Erſcheinen verhindert war, ſo führte der Unterzeichnete den Vorſitz. Sämtliche 18 Examinanden erhielten das Zeugnis der Reife, 8 von denſelben wurden von der mündlichen Prüfung dispenſiert.
Am 29. Januar erhielt das Gymnaſium einen„ſeltenen Beſuch“: ein Reh, das in den vor der Stadt liegenden Gärten Nahrung ſuchte, wurde dort von Knaben aufgeſcheucht und rannte, ſtatt feldeinwärts, bei hellem Mittag in die Stadt und zwar in das eben offenſtehende Gymnaſium hinein. Als einer der Herrn Kollegen hineinging und hinter ſich die Thür ſchloß, ſprang es mit einem Satz durch eine Fenſterſcheibe wieder auf den Vorplatz und floh dem Walde zu.
Die öſterlichen Klaſſenprüfungen begannen am 7. März mit der Prüfung der Sexta und Quinta. Weiterhin wurde wöchentlich in je 2 Klaſſen Prüfung abgehalten.
Am 22. März wurde in feſtlicher Weiſe das Geburtsfeſt Sr. Majeſtät des Kaiſers im reich geſchmückten Rathausſaale mit Geſang und Deklamation gefeiert. Die Feſtrede hielt Herr Dr. Knögel. Schon vor dem Feſtactus hatte der Direktor namens der Lehrer und Schüler telegraphiſch Glückwünſche für S. Majeſtät den Kaiſer, den erlauchten Namenspatron unſeres Gymnaſiums, an das Kaiſerl. Oberhofmarſchallamt in Berlin geſandt. An dieſe Feier ſchloß ſich die Entlaſſung der Abiturienten; namens der Scheidenden hielt der Abiturient Fiſchbach die Abſchiedsrede.
Mit dem Schluſſe des Schuljahrs verläßt einer der Herrn Kollegen, Dr. Knögel, die Anſtalt, indem er einem Rufe an das Gymnaſium zu Frankfurt a. M. folgt. Unſer Kollegium, dem er fünf Jahre angehörte, nachdem er früher Schüler des hieſigen Gymnaſiums geweſen, verliert an ihm einen ebenſo tüchtigen als gewiſſenhaften Mitarbeiter. Unſere beſten Wünſche begleiten ihn in ſeine neue Stellung. Zu ſeinem Nachfolger hat das Kuratorium den bisherigen Hülfslehrer Wurm gewählt und zum Erſatz dieſes den cand. prob. Schlitt z. Z. in Hanau als Hülfslehrer.
Der Geſundheitszuſtand war im allgemeinen bei Lehrern und Schülern ein befriedigender. Indeß machte ſich die lange Dauer des Winterſemeſters und die ungewöhnliche Strenge des Winters ſchließlich doch bei manchen Schülern in unliebſamer Weiſe geltend, ſo daß ihnen die Kraft verſagte. Einzelne mußten auf ärztlichen Rath noch vor Jahresſchluß nach Hauſe entlaſſen werden.
Schließlich wird in Betreff des Lektionsplans noch bemerkt, daß es nicht möglich war, ſämtliche Stunden durch die an der Anſtalt wirkenden Lehrer zu beſetzen. In Folge deſſen wurde mit Genehmigung des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums der z. Z. hier wohnende penſionirte Elementar⸗ lehrer Schuſter, der früher an verſchiedenen Gymnaſien in Elſaß thätig geweſen war, mit der Er⸗ teilung des franzöſiſchen Unterrichts in Quinta und des Zeichnens in Sexta beauftragt. Als Herr Schuſter am 1. November v. J. von hier verzog, wurden dieſe Stunden anderweitig verteilt. (Franzöſiſch in Quinta an Bloemer, Zeichnen in Sexta an Seck) und der Kandidat Schedtler erhielt 4 Stunden Geſchichte und Geographie in Quarta und 3 Stunden Deutſch in Sexta.


