Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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16.

hatte den Neid und die Eiferſucht vieler Großen in Auſter geweckt, und dieſe waren es, welche ihn ſtürzten. Vielleicht war auch die Anhänglichkeit an den alten Königsſtamm noch nicht ſo ſehr erloſchen, daß man ſchon jetzt ein Abweichen von demſelben für zuläſſig gehalten hätte. Wohl mochte auch manche einflußreiche Familie lieber die ſchwachen Merovinger auf dem Throne ſitzen ſehen als ein thatkräftiges Geſchlecht, deſſen Sturz ihr vielleicht die erſte Stelle im Reiche in Ausſicht brachte. Der Adel Auſters erhob ſelber die Waffen gegen den Uſurpator. Grimoald wurde mit ſeinem Sohne ergriffen, dem neuſtriſchen König Chlodwig ausgeliefert, in den Kerker geworfen und hingerichtet.*) Der erſte förmliche Verſuch der Pippiniden, ihrem Hauſe den Thron zu verſchaffen, war mißlungen; das durch langjährige Bemühungen gewonnene Anſehen der Familie in Frage geſtellt, vielleicht für immer vernichtet; in der nächſt folgenden Zeit verſchwindet ſie ganz vom Schauplatz der Geſchichte. Doch mittlerweile traten Begebenheiten ein, welche ſich ſo günſtig für das ins Dunkel getretene Geſchlecht geſtalteten, daß ein Geſchichtſchreiber jener Zeit mit vollem Recht behaupten darf, der Himmel ſelber habe es beſchloſſen, die Frankenkrone den Nachkommen Arnulfs und Pippins zu übermitteln.**)

Mit dem Sturz Grimoalds wurde Auſter noch einmal mit Neuſter und Burgund unter der Regierung Klothars vereinigt. Sein Majordomus war ſeit dem Tod des kraftvollen Aega Erchinoald, ein Mann ohne Uebermuth, voller Güte, demüthig und leutſelig gegen alle, wie ihn uns Fredegar ſchildert.***) Er war unſtreitig der erſte, der als Majordomus über alle drei Reiche herrſchte, aber ſeine Regierung war ſchwach und nur von kurzer Dauer. Zu ſeinem Nach⸗ folger erwählten die Franken den Ebruin, den einflußreichſten unter den Vornehmen der Neuſtrier.

Die Hauptquelle für dieſen Abſchnitt, die vita Leodegarii,****) wirft ihm Habſucht, Geiz und Grauſamkeit vor; man muß aber den geiſtlichen Verfaſſern von Biographien ihrer Biſchöfe und Heiligen gegenüber einige Vorſicht anwenden, wenn ſie über einen Mann berichten, der ihrem Heiligen als ſeinem politiſchen Gegner mit allen Mitteln und Waffen der damaligen Zeit entgegengetreten iſt. Klug, energiſch und tapfer uͤbernahm Ebruin ſein Amt mit dem feſten Vorſatz, die Vereinigung der drei Reiche feſtzuhalten und ſeinem König und ſich ſelbſt Gehorſam und Achtung zu verſchaffen. Neben ihm führte die Vormundſchaft über den unmündigen Klothar Chlodwig war 656 geſtorben deſſen Mutter Balthild. Aber den ſchwierigen Verhältniſſen der damaligen Zeit war kaum die Energie eines Ebruin gewachſen. Zunächſt empörten ſich die Auſtraſier. Ihre Abneigung gegen die neuſtriſche Herrſchaft duldete es nicht, daß ſie ſich länger einer fremden Regierung unterordneten, und um den Frieden zu erhalten, ſah man ſich genöthigt, ihnen einen eigenen König in der Perſon Childerichs, des zweiten Sohnes Chlodwigs, zu geben.*er)

*) Gesta Francorum 43.

**) Paulus Warnefridi de gestis Langobard. lib. VI. c. 16, und Bonnell: die Anfänge ꝛc. p. 113.

***) Fredegar chronic. 84. 4

) Vita s. Leodegarii auctore anonymo c. 2. cef. Spe: Der M jarbame Ebruin. Pro⸗ gramm des Friedrich⸗Gilhelms⸗Gymnaſium zu Köln 1874.

922) Vita s. Balthildis c. 5; gesta Franc. 45.