Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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Unter ſolchen Verhältniſſen mußte freilich die Macht des Königthums immer mehr in Schatten treten hinter der ſeines erſten Beamten, wenn dieſer ſich auch auf die Macht der Opti⸗ maten ſtützen konnte. Zudem verlieh das lange und ruhmreiche Wirken Pippins dem Amte und noch mehr ſeinem Geſchlechte neuen Glanz, und nach ihm war der Majordomus nicht ſo ſehr der erſte Miniſter der Krone, ſondern im vollen Sinne des Wortes Reichsverweſer, zumal da in den nächſten 50 Jahren ſieben Könige ſämmtlich als Kinder zur Herrſchaft gelangten und der ſchon längſt kränkelnde Stamm der Merovinger immer mehr verdorrte. Wohl hatte ſchon dieſer erſte Pippin das Erbleichen des merovingiſchen Geſtirns vorausgeſehen und ſeinen Nachkommen die ſichere Bahn vorgezeichnet, auf der ſie auf Koſten des beſtehenden Königshauſes allmählich zur Herrſchaft gelangen mußten. Mit Klugheit und Umſicht hatte er ſich und ſeinem Hauſe ein ungewöhnliches Anſehen in Auſter verſchafft. Mit Liebe und zugleich mit Stolz mußte ganz Auſter zu ihm emporſehen. Neben ihm genoß ſein Freund Arnulf, der allgemein als heilig verehrte Biſchof, die höchſte Achtung. Die Banden dieſer ſchon früher verbundenen Familien wurden noch enger und feſter geſchloſſen durch den Ehebund, welchen eine Tochter Pippins mit Anſegiſil, dem Sohne Arnulfs einging, ſo daß von jetzt an beide Familien zu einem Geſchlechte dem karo⸗ lingiſchen zuſammenwuchſen.

Nach Pippins Tode verſuchte ein gewiſſer Otto, der, vermuthlich unter Pippins Aufſicht*), bei der Erziehung des jungen Sigbert thätig geweſen, die Würde des Majordomus an ſich zu reißen. Aber Pippins Sohn Grimoald in Verbindung mit Kunibert von Köln trat als ſein Gegner auf und ſtürzte ihn.**) Einen geſetzlichen Grund für ſein Verfahren hatte er nicht, aber geſtützt auf den vom Vater ererbten Einfluß nahm er die Würde des Vaters gleichſam als ein Erbtheil für ſich in Anſpruch und wurde von den Vornehmen hierin unterſtützt.**) Kräftig und beglückend führte er die Regierung im Namen des kränklichen Sigbert. Selbſt als dieſer mündig geworden, handhabte er die Führung der Reichsgeſchäfte in derſelben Ausdehnung, als während der Minderjährigkeit desſelben. Der kränkelnde Sigbert ſtarb bald, nachdem er auf ſeinem Sterbe⸗ bette dem Grimoald die Vormundſchaft über ſeinen kleinen Sohn Dagobert übertragen hatte. Jetzt hielt der Majordomus die Gelegenheit für gekommen, das ſchwache Geſchlecht der Merovinger zu beſeitigen und ſeinem eigenen Hauſe den Thron zu verſchaffen. Er wollte durch einen Ge⸗ waltſtreich dem Werke, an dem ſein Geſchlecht ſchon einige Jahrzehnte gearbeitet, die Krone auf⸗ ſetzen. Deshalb ließ er den unmündigen König, der ſeiner Obhut anvertraut war, in ein iriſches Kloſter ſchaffen und ſetzte ſeinen eigenen Sohn auf den Thron.**r) Aber er hatte ſich in ſeinen Berechnungen getäuſcht. Freilich hatte er einen anſehnlichen Theil der Geiſtlichkeit durch reichliche Schenkungen für ſich gewonnen; freilich ragte das Anſehen ſeines Geſchlechtes vor dem der übrigen Großen des Landes bedeutend hervor. Aber gerade die raſch ſich ſteigernde Macht ſeines Hauſes

*) Bonnell: Die Anfänge der Karolinger p. 107.

**) Fredegar chronic. 86 u. 88.

***) Fredegar chronicon 85 u. 86.. *) gesta Francorum 43.