Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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ſchaft des Biſchofs Kunibert von Köln und des Herzogs Anſegiſil, der ein Sohn Arnulfs und Pippins Tochtermann war, zum Könige zu geben.*) Erſt nach dem Tode Dagoberts durfte Pippin nach Auſter zurückkehren und trat mit Kunibert wieder an die Spitze der Regierung.**) Noch ein Jahr lang führte er dieſelbe, bis er 639 zum großen Schmerz ſeiner Landsleute ſtarb.**)

Ueber Pippins Pläne und Thaten ſind die verſchiedenartigſten Behauptungen aufgeſtellt, aber darin kommen alle überein, daß mit ihm das Majordomus⸗Amt eine größere Machtſtellung als früher erhalten habe. Werfen wir nur einen Rückblick auf das vorher Erzählte. Pippin und ſein Freund Arnulf waren die Führer der auſtraſiſchen Großen. In den blutigen Bürger⸗ kriegen der unmittelbar vorhergehenden Zeit war in ſämmtlichen Reichen die Macht und der Ein⸗ fluß der Ariſtokratie gewachſen; es beweiſt uns dies hinlänglich ſchon der Umſtand, daß die Opti⸗ maten die Wahl des einflußreichſten Beamten, des Majordomus, an ſich reißen konnten.**s) Gerade dieſer wachſende Einfluß der Großen, zumeiſt in Auſter, hatte Brunhild geſtürzt und den Thron des Reiches Klothar übertragen, nicht ſo ſehr, um ein einiges Frankenreich wieder herzu⸗ ſtellen, ſondern um Zucht und Ordnung im Reiche zu begründen. Zu dieſem Zweck hatten ſie auch König Klothar genöthigt, ihnen einen eigenen König in der Perſon ſeines Sohnes Dagobert zu geben, damit Auſter von den Wirren der andern Reiche nicht in Mitleidenſchaft gezogen werde und auf ſich ſelbſt geſtützt Ruhe und Ordnung leichter herſtellen könne. Es war alſo zweifelsohne ein Sieg der Vornehmen Auſters über das Königthum errungen. Das Haupt dieſer Vornehmen, Pippin, regierte im Namen des Königs, leitete und erzog denſelben. Um ſeiner Stellung auch eine geſetzliche Form zu geben, ließ er ſich das einflußreichſte Amt des Majordomus übertragen; doch ſeine eigentliche Macht beruhte auf der Führerſchaft der Ariſtokratie. Es fällt das leicht in die Augen. Arnulf, Pippins Freund, übte denſelben Einfluß auf die Regierungsgeſchäfte aus, ohne je Majordomus geweſen zu ſein, einfach weil er mit jenem die Führerſchaft der Vornehmen theilte. Als er aber ſeinen Lieblingsplan, den Reſt ſeiner Tage im Kloſter zu verleben, zur Ausführung brachte, nahm Pippin den Biſchof Kunibert von Köln in die erledigte Stelle auf und theilte mit ihm die Regierung, offenbar weil er in der Führerſchaft der Großen die Stütze des geiſtlichen Anſehens nicht entbehren wollte.**ern) Und die Zukunft ſollte zeigen, wie weiſe er darin gehandelt hatte. Auch iſt ſchon oben erwähnt, daß Pippin ſelbſt den Majordomus⸗Titel erſt erhielt, als er ſchon geraume Zeit die Verwaltung in Auſter beſorgte. Als aber nach dem Tode Klothars König Dagobert den Sitz ſeiner Regierung von Auſter nach Paris in Neuſter verlegte, war es auch bald mit dem Einfluß Pippins zu Ende; er hatte mit ſeinem Heimatland gewiſſermaßen den feſten Boden verloren, auf den ſich ſeine Bedeutung ſtützte. Die Großen von Neuſter folgten dem Auſtraſier nicht.

*) Fredegar chronicon 57.

**) Anſegifil hat wahrſcheinlich freiwillig dem bippin ſeinen Blatz geräumt. ***) Fredegar 85.

***r) Fredegar 54 u. 39.

**) Fredegar 58.