Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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des anderen auf ſeine Seite zu ziehen. Lockungen und Verfprechungen jeder Art wurden ange⸗ wandt, um zum Abfall und Verrath zu gewinnen. Unter ſolchen Wirren mußte das köͤnigliche Haus ſein Anſehen verlieren; die Großen trieben mit der Treue, die ſie beſchworen, ihr Spiel und waren nur darauf bedacht, ihre eigene Macht zu vergrößern. In Auſter waren es die Führer der Vornehmen, Arnulf und der erſte Pippin, welche gegen Brunhild und den von ihr aufgeſtellten König die Fahne der Empöͤrung aufgeſteckt und den neuſtriſchen König Klothar zur Uebernahme der Regierung in Auſter aufgefordert hatten.*) Freilich ſchien ihnen Klothar ihre Dienſte ſchlecht zu belohnen; denn er ſetzte einen gewiſſen Rado zum Majordomus über das gewonnene Auſter. Aber gerade dieſer Umſtand beweiſt uns ſchlagend die Macht und Bedeutung der dortigen Adelspartei. Von Rado iſt nirgends mehr die Rede, Arnulf und Pippin aber ſehen wir den größten Einfluß auf die Regierungsgeſchäfte ausüben. Ihr Streben aber ging nach Vereinigung des Frankenreichs unter Klothar darauf hinaus, in ihrem eigenen Lande Ordnung und Zucht wiederherzuſtellen. Nun hatten aber bei dem allgemeinen Verfall der Sitten im Frankenreich die Auſtraſier ihre frühere Einfachheit und ihr rein deutſches Weſen am wenigſten verloren; zudem war ihre Abneigung vor einer engeren Verbindung mit den übrigen Reichs⸗ theilen ſo groß, daß Pippin und Arnulf ihren Plan für leichter auszuführen halten mußten, wenn Auſter vom übrigen Reiche getrenut und auf ſich ſelbſt angewieſen war. Sie ſtanden deshalb zweifelsohne dem Entſchluß Klothars nicht fern, daß er ſeinen Sohn Dagobert als König nach Auſter ſchickte und ſie ſelber zu Erziehern desſelben und Reichsverweſern einſetzte.**) Jetzt wird Pippin zum erſtenmal Majordomus genannt.**) Unter ihrer weiſen und kräftigen Regierung kehrte Ordnung und Zucht in alle Verhältniſſe wieder zurück, der König erhielt eine gute Er⸗ ziehung, der Wohlſtand des Landes nahm täglich zu, und bei einer feierlichen Verſammlung der beiden Könige zu Clichy bei Paris ließ ſich Clothar durch den Einfluß Arnulfs und Pippins be⸗ ſtimmen, auch den letzten Reſt von Auſter(die Champagne) herauszugeben.**)

Nach Clothars Tode ſchlug Dagobert ſeine Reſidenz in Neuſter auf. Pippin folgte ſeinem Gebieter dorthin; aber der König wurde bald eine Beute der leichtfertigen und unruhigen Großen Neuſters, die Pippins Stellung zu erſchüttern ſuchten. Drei Königinnen und unzählige Buhlerinnen vergeudeten bald den Schatz des Königs und trieben ihn dem habſüchtigen Aega in die Hände, der die Mittel zu ſeiner Verſchwendung herbeiſchaffen mußte. Pippins Einfluß am Hofe war gebrochen; kaum konnte er ſich vor den Nachſtellungen ſeiner Feinde ſchützen, die ſeinen Tod beſchloſſen hatten. Dagobert entſetzte ihn freilich nicht ſeiner Würde, aber er behielt ihn bei ſich, weil er es nicht wagen durfte, ihn nach Auſter ziehen zu laſſen. Doch zu laut murrten die Auſtraſier, ſo daß ſich der König genöthigt ſah, ihnen ſeinen Sohn Sigbert unter der Vormund⸗

*) Fredegar chronicon 40. Der Majordomus Warnachar verließ erſt ſpäter die Partei ſeiner Königin, als er ſein Leben von ihren Ränken bedroht ſah. cf. Pezpund 1. c. 1 **) Fredegar chronioon 47. Aern) idem 58. 1**) idem 53.