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hild gab ihrem Majordomus Warnachar den Auftrag, dem Clothar mit einem Heere entgegenzu⸗ ziehen; aber bald trante ſie ihrem eigenen Majordomus nicht mehr und ſchickte einem der Vor⸗ nehmen im Heere den ſchriftlichen Befehl, den Warnachar aus dem Wege zu räumen. Der Brief fiel aber dem Majordomus in die Hände, der ſofort alle Anſtalten zum Abfall traf. Auf der Ebene von Chalons, wo die Heere von Neuſter und Auſter auf einander ſtießen, ſah ſich Brun⸗ hild mit ihrem Urenkel wie auf ein gegebenes Zeichen verrathen und verlaſſen; kurze Zeit darauf wurde ſie unter den ſchrecklichſten Martern zu Tode geſchleift.*)
Clothar II. vereinigte ohne Schwertſtreich das geſammte Frankenreich und ſchritt ſofort zur Ordnuug der Angelegenheiten in ſeinen neuen Erwerbungen. Warnachar, der letzte Major⸗ domus Brunhilds, wurde zum Lohn für ſeinen Uebertritt als Majordomus für Burgund beſtellt, und Clothar mußte ſich durch einen Eid verpflichten, ihn nie ſeiner Würde zu entſetzen.**) Auſter und Neuſter erhielten ihre eigenen Majoresdomus. So bildete jedes der drei Reiche fort⸗ während ein eigenes Ganze unter ſeinem beſonderen Majordomus. Dieſer Umſtand mußte die Bedeutung unſeres Amtes noch gewaltig erhöhen. Der König konnte ſich jedesmal nur in einem der drei Reiche aufhalten, und ſo hatten denn die Majoresdomus in den beiden andern Reichs⸗ theilen ſelbſtſtändige Macht und faſt königliche Stellung. Hauptſächlich mußten ſie ihre Macht gegen die übrigen Großen ihres Gebiets richten, die ſie niederzuhalten bemüht waren, um ihre eigene Stellung zu ſichern und zu ſtärken. Aus dieſem Beſtreben erklärt ſich auch das Verlangen der Burgunder nach dem Tode Warnachars, nicht mehr unter einem Majordomus, ſondern direct unter dem Könige zu ſtehen.**) Die Unabhängigkeit der Großen Burgunds war ſo weniger gefährdet. Aber trotzdem daß die Verhältniſſe für die Ausdehnung der Machtbefugniſſe des Majordomus in dieſer Zeit ſo außerordentlich günſtig lagen, konnten weder die übrigen Inhaber des Amts, noch auch Warnachar mit ſeiner lebenslänglichen Dauer desſelben etwas Bemerkens⸗ werthes erreichen. Die Träger des Amts, wie ein Rado, Chucus, Gundeland, Gundoald, waren zu unbedeutend, als daß ſie der jetzt ſchon höchſten Würde neuen und erhöhten Glanz zu geben vermocht hätten. Naturgemäß muß man erwarten, daß der Majordomus von Neuſter, wo der König meiſtens ſeine Reſidenz aufſchlug, ſeinen Einfluß auch über die übrigen Theile auszudehnen verſucht war, und in der That werden wir noch von Beſtrebungen dieſer Art weiter unten zu ſprechen haben. Allein es ſollte von ganz andrer Seite und unter eigenthümlichen Verhältniſſen unſerm Amt eine erhöhte Bedeutung und eine geſteigerte Machtfülle erwachſen, die es bald ſelbſt über das Königthum erheben mußte.
Der Sturz Brunhilds war ein Sieg der Optimaten über das Königthum und zeigt uns, wie bedrohlich für den König die Macht des Adels gewachſen war.**) Während der gräu⸗ lichen Bürgerkriege der einzelnen Könige untereinander hatte ſich ein jeder bemüht, die Vaſallen
*) Fredegar chronicon 39, 40 u. 41.
**) Fredegar chronicon 42.
***) Fredegar ohroniton 64.—
) Löbell: Giegor von Tours und ſeine Zeit 184 aud 232 und Schöne P. 71.


