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Richtungen auseinander, und es iſt das um ſo weniger zu verwundern, weil es angeſichts der vorhandenen Geſchichtsquellen höchſt ſchwierig iſt, von den Einrichtungen des merovingiſchen Reiches ein nach allen Seiten hin klares Bild zu entwerfen. Unſere Quellenſchriften für dieſe Periode ſind nur dürftig, vielfach nur mit äußerſter Vorſicht aufzunehmen; die damaligen Zuſtände über⸗ haupt waren vielfach dunkel und unklar, namentlich das Gebilde von Aemtern in jener Zeit höchſt eigenthümlicher Art. Das deutſche Schwert hatte freilich die Macht der römiſchen Legionen nieder⸗ geworfen, aber die römiſche Bildung überwog doch zu ſehr die der Eroberer, als daß ſie ſich nicht Geltung hätte verſchaffen können. Faſt alle germaniſchen Stämme, die ſich auf den Trümmern des Römerreiches Herrſchaften gegründet, zollten den Einrichtungen des beſiegten Volkes Aner⸗ kennung und Bewunderung und ſuchten davon zu erhalten, was möglich war; und man kann es wol als erwieſen vorausſetzen, daß auch die Politik der Merovinger darauf hinausging, die volks⸗ thümlichen Einrichtungen der Franken mit den Staatsformen, welche ſie bei ihren römiſchen Unter⸗ thanen vorfanden, zu vereinigen und zu einem Ganzen zu verſchmelzen. So haben germaniſche und romaniſche Elemente an der Entſtehung und Ausbildung der merovingiſchen Aemter faſt gleichen Antheil. Es konnten natürlich dieſe neuen Aemter nicht auf einmal geſchaffen und ihnen ein beſtimmter Wirkungskreis zuertheilt werden; das geſchah erſt im Lauf der Zeit und nach viel⸗ fachen Schwankungen und Aenderungen, und darin, daß die ſpäteren Geſchichtſchreiber die völlig entwickelte Geſtalt der Aemter vielfach auch in die Entſtehungszeit derſelben übertragen, liegt die Schwierigkeit der Forſchung. Vielfach in denſelben Fehler ſind auch unſere neueren Forſcher ge⸗ fallen und haben dem Amt des Majordomus von Anfang an Befugniſſe zuerkannt, die dasſelbe erſt in ſeiner Blüthezeit an ſich geriſſen hat.
Schon über den Urſprung und die Bedeutung des Titels hat man ganz verſchiedene An⸗ ſichten aufgeſtellt.
Pertz in ſeiner„Geſchichte der Merovingiſchen Hausmeier“(p. 147 und 148) ſchreibt in Uebereinſtimmung mit Adelungs deutſchem Wörterbuch darüber folgendes:„Meier und Meiſter bezeichnen denſelben Begriff und ſind abgeleitet vom Komparativ und Superlativ des Wortes meh, mei, meiſt. Man darf alſo nicht Meyer ſchreiben. Im ganzen Mittelalter hieß ſo ein jeder der über eine Sache die Aufſicht hatte, und Meierin die Perſon, unter welcher das weibliche Ge⸗ ſinde ſtand, mochte ſie des Meiers Frau ſein oder nicht.“ Der Titel Majordomus wäre demnach von einem deutſchen Wort latiniſirt*). Man betrachtet jetzt umgekehrt das im deutſchen einge⸗ bürgerte Meier als entſtanden aus dem lateiniſchen major cf. Graff ahd. Sprachſchatz II. 843 und Wackernagel ahd. Leſebuch p. CCCLXXVII.(S. Schöne: die Amtsgewalt der fränkiſchen Majoresdomus p. 2.)
Schöne:(I. c.) will es aus dem keltiſchen maer pl. meiri die Knechte herleiten, glaubt aber, daß der Titel des königlichen Majordomus nicht denſelben Urſprung habe, weil man in dieſer Zeit mit der Bezeichnung major ſtets den Begriff des Alters verbinde, den das keltiſche
*) S. die ausführliche Widerkegung bei Schöne: Die Amtsgewalt der fränkiſchen Majoresdomus p. 1 u. 2. Daß das Wort„Meiſter“ aus dem lateiniſchen magister zuſammengezogen, iſt wol allgemein angenommen.


