Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
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ſondern ſelbſt für die Intereſſen des höheren Gewerb- und Handelsſtandes, der mit Vertrauen ihm die Bildung ſeiner Söhne überläſſt und durch den Erfolg derſelben ſich befriedigt zeigt. Freilich ſtehen auch für neuere Sprachen und Naturwiſſenſchaften ſo großartige Mittel und Kräfte zu Gebote, wie dies nur ſelten in andern Gymnaſien der Fall zu ſein pflegt, in letzterer Beziehung namentlich reiche Sammlungen und Apparate, ein chemiſches Laboratorium und eine beſondere Stiftung für einen Lehrer der Natur wiſſenſchaften. Der Zudrang von Schülern aus allen Ständen iſt darum ſo groß geworden, daß die beiden unterſten Claſſen bereits in Parallelclaſſen zerlegt werden muſſten. Weitere Anſtellungen für neuere Sprachen und Naturwiſſenſchaften nebſt Er weiterung der Localitäten durch einen Neubau ſind für die nächſte Zukunft in Ausſicht geſtellt. Darum aber nicht minder wird daran feſtgehalten, daß dies Alles geſchehe unbeſchadet des gymnaſialen auf antik ſprachlich-hiſtoriſcher Cultur beruhenden Princips, wie dies nicht bloß die heutige Feſtfeier, ſondern auch die ſeit einigen Jahren erſcheinen⸗ den Programme beweiſen, in denen gelehrte Abhandlungen geliefert worden ſind von Klein über die römiſchen Legionen am Rhein, von Becker über Terentius, von Gredy über die Kaiſerchronick(ſ. A. S.⸗Z. 1854, Nr. 103), von Schöller über Cäſar's Leben und einige Stellen ſeiner Schriften. Locale Beziehung und Wichtigkeit erhalten dieſe Studien auch für das Gymnaſium durch den Umſtand, daß die Geſſhichte von Mainz ſo zu ſagen ein Stück Weltgeſchichte in ſich ſchließt, daß bei jedem Schritte die Erinnerungen an die Römer, an Bonifacius, an Ritterthum und Bürgerthum, an Gutenberg und Leibnitz und an viele andere Geſtaltungen einer großartigen Vergangen⸗ heit hervortreten. Wer die in den untern Räumen des Schloſſes aufgeſtellten Denkmäler durchmuſtert und ihre Inſchriften lieſt in einer Sammlung, die dieſſeit der Alpen die bedeutendſte ihrer Art iſt, der wähnt ſich in eine Metropole verſetzt, in welcher unter der Aegide von Rom's Weltherrſchaft Menſchen aller Nationen vom Euphrat und Tigris bis zum Tajo miteinander im Leben verkehren und nebeneinander im Tode ruhen. Beſondere Anerkennung verdienen darum auch die geſchichtlichen Forſchungen in Mainz, welche weſentlich durch das Gymnaſium gefördert werden, namentlich in den Schriften von Klein, Hennes und Lindenſchmit, und wie früher in der Darmſtädter Zeitung über das Prachtſchwert des Tiberius und deſſen Erklärung durch Klein und Becker (jetzt Prof. in Frankfurt) berichtet wurde, ſo möge auch jetzt wieder die in dem gegen wärtigen Jahre von dieſen beiden Gelehrten gelieferte Bearbeitung der lat. Inſchriften des Herzogthums Naſſau erwähnt werden, die auch auf einige jetzt in Wiesbaden befind⸗ liche Denkmäler von Caſtel, Mainz, Zahlbach, Bretzenheim, Marienborn und Worms ſich erſtreckt. Eine ähnliche Bearbeitung aller dem Großherzogthum Heſſen angehörigen Inſchriften iſt ſchon ſeit längerer Zeit vorbereitet worden, und ſelbſt Darmſtadt hat in den letzten Wochen noch unbeachtete ſchätzbare Beiträge dazu geliefert. Wir haben alle Urſache zu hoffen, daß das Mainzer Gymnaſium, das ſeine Reſtauration dem heſſiſchen Staate verdankt und ſeine Verpflichtung im treuen Dienſte ſeines Fürſten erkennt, auch forthin eine Perle in dem Kranze ſeiner Bildungsanſtalten verbleiben werde. (Aus der Darmſtädter Zeitung abgedruckt in dem Anzeiger für Rheinheſſen, den Bei⸗ blättern des Mainzer Journals, dem M. Wochenblatt und der allgemeinen Schulzeitung).

Das Königreich Preußen zahlt aus der Staakskaſſe als Beitrag für die Unter⸗ haltung ſeiner Gymnaſien die Summe von 231,859 Thalern.

Im Königreichreich Sachſen kommt von 11 Gymnaſien eins auf eine Bevölkerung von 170,000 Menſchen, im Großherzogthum Heſſen von 6 Gymnaſien eins auf 142,000, oder von 7 eins auf 122,000, wenn nämlich die Real⸗ und höhere Gewerbſchule zu Darmſtadt in ihrer Eigenſchaft als Realgymnaſium mitgezählt wird.