Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
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Uebungen der einzelnen Claſſen eingefunden, um mit Rath und That den gedeihlichen Fortgang dieſes noch zu wenig gewürdigten Unterrichtszweiges nach der immer mehr anerkannten Methode des Herrn Aſſeſſor Spieß in Darmſtadt ſeinerſeits zu unterſtützen, wofür wir ihm zu dem aufrichtigſten Danke verpflichtet ſind. Möchten nur alle Schüler unſerer Anſtalt die dargebotene Gelegenheit, ihren Körper zu kräftigen und zu bilden, mit Eifer ergreifen, eingedenk jenes alten und bewährten Wortesmens sana in corpore sano! Namentlich wünſchen wir, daß die Schüler der oberen Claſſen ihren jüngeren Genoſſen mit dem Beiſpiele würdiger und edler Haltung auch im äußer⸗ lichen Benehmen voranleuchten, wie jene*οααeμάε der helleniſchen Jugend, welche ſich durch Kraft und Gewandtheit in der Ringſchule befähigten, die von Geſchlecht zu Geſchlecht gefeierten Schlachten von Marathon, Thermopylä und Salamis zu ſchlagen. Aus den Turnplätzen, die noch nicht zu Tummelplätzen demagogiſcher Wühler mißbraucht worden waren, gingen jene rüſtigen Knaben und Jünglinge der Befreiungskriege hervor, welche die ſieggewohnten Heere des gewaltigſten Eroberers vor ſich niederwarfen. Es iſt daher ſehr zu beklagen, daß manche Eltern aus allzugroßer Aengſtlichkeit ihre Söhne von dieſen heilſamen Uebungen zurückhalten und nicht vielmehr Alles aufbieten, die Luſt an jeder Art körperlicher Anſtrengung ſo lange als möglich zu erhalten. Es ſtünde gewiß beſſer mit unſerer deutſchen Jugend, wenn dieſelbe den unbefangenen Sinn jugendlicher Luſt ſich länger erhielte, ſtatt den Genüſſen des reiferen Alters voy der Zeit entgegen⸗ zueilen. Der erquickende Waldgeruch und der Staub des Turnplatzes iſt jedenfalls der Entwicklung des jugendlichen Körpers zuträglicher, als der erſtickende Qualm einer Bier⸗ ſtube oder die Gluthhitze des Tanzſaales, und wir dürften wohl die Engländer um die Sitte beneiden, nach welcher ſich Knaben, Jünglinge und Männer zu ſtärkenden Spielen jeder Art im Grünen zuſammenfinden.(Mannheimer Lycealprogromme von 1853 und 1854).

Aus Würtemberg wird berichtet: Endlich hat der Studienrath mit Genehmigung des Cultminiſteriums im vorigen Sommer zwei ſachkundige Lehrer an höheren Schulen nach Darmſtadt geſchickt, um die intereſſante und verdienſtliche ⸗Thätigkeit des Aſſeſſors Spieß im Gebiete des Turnens zu beobachten und zu prüfen. Als Ergebniß davon darf die maßgebende Anſicht betrachtet werden, daß das Turnen immer mehr von der eigentlich erziehenden Seite aufgefaſſt und zu dieſem Zwecke weit enger als bisher in den Organismus der Schule aufgenommen werden ſoll. Was die Technik der Uebungen betrifft, ſo ſollen die gemeinſchaftlichen Vorübungen nach Commandowort und Tact mehr hervorgehoben werden, da ſie nicht nur für die Gewöhnung an Aufmerkſamkeit, Ordnung und raſchen Gehorſam ſehr wichtig ſind, ſondern zugleich erfahrungsmäßig auch viel Anregendes und Belebendes für die Knabenwelt haben. Es ſoll mehr Gewicht auf Gewandtheit, Anſtand und Schönheit der Uebungen gelegt werden, als auf die bekannten Kunſt⸗ und Schauſtücke an Reck und Barren u. ſ. w. Dieſe Rückſichten ſollen der Beachtung ſämmtlicher Turnplätze empfohlen werden.(Mützell Zeitſchr. für Gymnaſial⸗ weſen April 1855, S. 364).

Hr. Director Schmid in Ulm und Profeſſor Adam in Heilbronn haben über die Spieß'ſche Turnmethode an ihre Staatsregierung einen Bericht erſtattet, aus welchem folgende Mittheilungen gemacht werden.

Die neue Methode wird nach ihrem Urheber die Spieß'ſche genannt; es wird nicht unpaſſend ſein, wenn wir Einiges über ihn ſelbſt vorausſchicken.

Spieß iſt ein hochgewachſener, ſchlanker Mann, wie geſchaffen zum Turnmeiſter, zu allen körperlichen Uebungen kräftig und gewandt, wie wohl nur Wenige im deutſchen Lande. Er iſt Heſſe von Geburt, Sohn eines Geiſtlichen, welcher lange Zeit ein Erziehungsinſtitut geleitet und ſich auch als pädagogiſcher Schriftſteller einen Namen gemacht hat. Er ſtudirte Theologie, wurde, nachdem er abſolvirt hatte, Hofmeiſter bei