Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
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Anleitung erhalten, die Spiele der Jugend zu organiſiren und ihrerſeits dazu beizutragen, daß dieſe ſich als die Jugend eines wehrhaften und tapfern Volkes fühlen und den entſprechenden Tugenden deſſelben nacheifern lerne. Die Fortbildung des Turnens zu militäriſchen Uebungen und Manövern nach Schweizer Art wird empfohlen in der Zeitung der pädagogiſchen Revue März 1855, S. 99.

Das großherzogliche Lyceum zu Mannheim erſtattet über den Turnunterricht nach Spieß'ſcher Methode folgenden Bericht: Nicht minder beſtrebten wir uns, die innere und äußere Bildung unſerer Schüler durch das Turnen zu befördern. Bei den häufigen, in neuerer Zeit wieder geäußerten Anſichten über die bei demſelben zu befol⸗ genden Methoden glaubten wir uns zur Gewinuung eines glücklichen Reſultates am ſicherſten an den eben ſo beſonnenen als eifrigen und begeiſterten Meiſter dieſer Kunſt, Herrn A. Spieß in Darmſtadt, anſchließen und ihn als unſeren Führer in ſeinen Schriften wählen zu müſſen. Unſer Vorhaben wurde weſentlich dadurch unterſtützt und erleichtert, daß Herr Waßmannsdorff, Turn⸗- und Lyceal⸗Lehrer in Heidelberg, ein Freund und früherer College des Herrn Spieß zur Zeit ſeines Aufenthaltes in Baſel, unſerem Wunſche willfahrend, alle 14 Tage je zwei Stunden, abwechſelnd in den ver ſchiedenen Claſſen, ſelbſt Unterricht ertheilte und auf die weſentlichen Punkte aufmerkſam machte, welche zur Grundlage bei dieſen körperlichen und geiſtigen Uebungen dienten. Denn es ſollte zwar hauptſächlich durch das Turnen der Körper geſtärkt und befeſtigt, auch die Geſundheit erhalten werden; doch muſſte vorerſt der Turnplatz überhaupt als eine Schule der Zucht und des freudigen Willens angeſehen werden und ſo ſeine eigent liche Geltung und Werth erlangen. Durch die angeſtellten Frei⸗ und Ordnungs⸗ übungen namentlich überzeugten wir uns, daß in allen Bewegungen des Körpers, in dem ſchnelleren und langſameren Gange, ſowie in den Wendungen, zugleich gute Sitte und Anſtand vorherrſchend ſei, daß ferner die Aufmerkſamkeit geübt und rege erhalten werde. Eben ſo ſollen fröhliche Jugendſpiele als Mittel gegen Verweichlichung und Erſchlaffung von geiſtiger Arbeit dienen und ein Schutzmittel ſein gegen ſittliche Ver kehrtheit und Verirrung.

In dieſer Abſicht wurde die Eintheilung der Stunden nach den Claſſen des allgemeinen Lyceal⸗Unterrichtes vorgezogen, und der Turnunterricht ſelbſt meiſtentheils unmittelbar dem Schluſſe der Lehrſtunden angereiht. Würden zugleich die betreffenden Hauptlehrer dieſen Unterricht übernehmen, was wohl theilweiſe möͤglich wäre, wenn man jene gegen andere Lehrſtunden vertauſcht, ſo iſt einem ſehr wichtigen pädagogiſchen Be⸗ dürfniſſe abgeholfen. So nämlich würde man die Schüler auch von einer anderen Seite kennen lernen und auf ſie noch mehr einwirken, beſonders wenn noch von Zeit zu Zeit kürzere oder weitere Ausflüge, was auch einigemal der Fall war, unternommen werden.

Herr Oberſtudienraths-Aſſeſſor Spieß beehrte uns ſelbſt mit ſeinem Beſuche, und in ſeiner Liebe für dieſen ſo wichtigen Zweig der Erziehung verſprach uns der edle Menſchenfreund ſeine volle Theilnahme, wie ſie uns bereits Herr Waßmannsdorff mit Aufwand ſeiner Zeit und Kräfte unentgeldlich mit ſeltener Gefälligkeit bewährt hat.

Wenn aber, und dieſes ſei uns noch zu bemerken vergönnt, das Turnen in dieſem Sinne, als Erziehungsmittel von einem tüchtigen Manne gleichmäßig und allent⸗ halben bis in die Volksſchulen geleitet und aus Liebe zur Jugend von jungen und eifrigen, nach obigen Grundſätzen gebildeten Lehrern mit Conſequenz durchgeführt würde, ſo müſſte der Einfluß nicht nur auf körperliche Ausbildung, ſondern auch auf den Geiſt, auf die Schaͤrfe des Nachdenkens und Hebung des Willens, ſowie auf die Gewöhnung an ſtetige Aufmerkſamkeit, von der größten Bedeutung ſein.

Mit großer Bereitwilligkeit hat ſich auch in dieſem Sommer Herr Turn- und Lyceumslehrer Waßmannsdorff von Heidelberg regelmäßig alle 14 Tage bei den