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Wir fühlen recht in uns es tagen, Was Ihr uns einſt geweſen ſeid,
Daß wir, wie heute, innig ſagen: Dank ſei Euch, ew'ger Dank geweiht!
Für das Jahr 1856 werden folgende Preisaufgaben geſtellt:
1) Homer als Redner und Staatsmann.
2) Achilleus und der hürne Siegfried, Parallele.
3) Bericht über Leſſing's Laokoon, nebſt metriſcher Ueberſetzung von Virg. Aen. 2, 199—231.
4) Die Propheten des alten Teſtaments verglichen mit den Sehern und Weiſſagern der Griechen und Römer.
5) Jeremias auf den Trümmern von Jeruſalem(ob mit Beziehung auf das Gemälde von Bendemann, ob in geſchichtlicher, oratoriſcher, oder poetiſcher Ausführung, ob dem Propheten ſelbſt die Rede in den Mund legend, bleibt dem eigenen Belieben überlaſſen).
6) Die Geſchichte des Harmodios und Ariſtogiton aus Thucyd. 6, 54— 57 in's Lateiniſche und des Kalliſtratos Skolion auf Harmodios(in Boßler's Metrik S. 245) in's Deutſche nach dem griechiſchen Versmaß zu überſetzen, beide ſprachlich zu erklären und nach ihrem Inhalt zu beurtheilen.
7) Lob der Poeſie mit Einflechtung der dieſen Gegenſtand betreffenden Horaziſchen Stellen, lateiniſche Rede.
8) Was mag Ariſtius Fuſcus für ein Mann geweſen ſein?(Wahrheit und Dichtung, aber in Einklang mit Hor. Od. 1, 22. Epist. 1, 10., welche Stücke in metriſcher Ueberſetzung oder freier Nachbildung wiederzugeben ſind, und Hor. Sat. 1, 9, 61. 1, 10, 83). Oder dieſelbe Aufgabe in Beziehung auf Manlius Torquatus Ior. Od. 4, 7. Epist. 1, 5.
9) Entwickelung der Schönheiten von Shakeſpeare's Hamlet.
10) Wie groß iſt die Wahrſcheinlichkeit des Anſtoßes eines Kometen an die Erde, und welche Gefahren ſind für dieſe dabei zu befürchten?
11) Zuſammenſtellung und Beurtheilung der verſchiedenen Hypotheſen über die Stern— ſchnuppen.
12) Eine Zeichnung(das Nähere mündlich).
Der Gedanke, daß das Volk ſeine Jugend erziehen und insbeſondere zu dieſem Zweck bei jeder den nationalen Talenten und Verdienſten geweihten Erinnerung ihr eine angemeſſene Theilnahme einräumen ſollte, wird durch die conventionelle Umſchränkung ſocialer Beſonderheiten in der modernen Welt großentheils vereitelt. Um ſo lieber wird die Schule jeden ihr gebotenen Anlaß dazu benutzen. Lediglich aus dieſem Geſichts⸗ punkte iſt die Mozartfeier zu nehmen, welche unſer Gymnaſium am 26. Januar d. J. veranſtaltet hat, nicht um ein Seitenſtück zu den großartigen in Darmſtadt wie ander— wärts dem genialen Tonkünſtler gewidmeten Feſtlichkeiten zu liefern, ſondern um ſeinen Manen das Scherflein der Wittwe als Opfer darzubringen und ſich ſelbſt dadurch einen auf Geſinnung und Gemüth der Jugend heilſam einwirkenden Tag des Genuſſes und der Freude zu bereiten. Die aufopfernde Hingebung und der ſinnreiche Fleiß der Schüler unter Leitung unſeres Geſanglehrers, des Hrn. Hofmuſikdirecoor Mangold, hatten dieſe Feſtfeier möglich gemacht, die in anſpruchloſer Einfachheit um ſo mehr einen befriedigen⸗


