Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
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wenn mein Gefühl mich jetzo drängt, an die mich zu wenden, die bisher die Führer und Bildner unſers Geiſtes geweſen ſind. Denn Hoffnung war es, die Sie, verehrte Lehrer, belebte in der Ausübung ihres ſchweren Berufes. Sie wirkten auf uns in der Hoffnung, in uns jenen höheren Sinn zu wecken, der aus den Autoren nicht bloß Gelehrſamkeit, ſondern wahre ächte Bildung des Geiſtes wie des Herzens ſchöpfe. Sie brachten zu Ihrer Pflicht, die an ſich kalt läſſt, ein warmes Herz mit, das uns nicht bloß zu künftigen Bürgern des Staates, ſondern vielmehr zu Menſchen erziehen wollte. Darum ſchilderten Sie uns in ergreifenden Zügen die großartigen Charaktere des Alterthums, daß wir die Erhabenheit ihres Geiſtes erfaſſten; darum ließen Sie uns lauſchen auf die Sprache der Geſchichte, daß wir ſichere Warnungen und Mahnungen vernähmen, einen Blick gewännen in die Zukunft und vor Allem den Faden der Vorſehung in ihr erkennen lernten. Darum, weil Sie die warme Sprache des Herzens führten, muſſte ſie wieder zu Herzen dringen. Und ſo wird, wie Sie hofften, gar manches Samenkorn auf furcht⸗ baren Boden gefallen ſein und dereinſt Früchte tragen für die Menſchheit. Wohl keines wird ohne Ertrag bleiben, denn wo Sie ſteinigen Boden fanden, da pflegten Sie ſein mit unermüdlicher Geduld, denn die Hoffnung, daß auch auf ihm einſt zu ernten wäre, ließ Sie nicht raſten. Und ſo haben Sie uns herangebildet, um uns zu entlaſſen zu einem Zeitpunkte unſers Lebens, der um ſo gefahrvoller, je reizender und lockender er iſt. Wohl moͤchten Sie manchen Befürchtungen Raum geben, doch Sie hoffen, daß wir rüſtig beſtehen die Kämpfe der Jugend. Und wahrlich, ſie werden uns leichter werden, weil Sie ſelber uns die Waffen reichten. Denn für uns ſtreiten die Erinnerungen, die ſich an die unter Ihrer Leitung verſloſſenen Jahre knüpfen. Wenn wir uns Ihrer liebevollen Ermahnungen, weiſen Lehren und Ausſprüche eines durch Erfahrung erprobten Lebens erinnern, ſollten wir da noch zweifelhaft ſein, ſie zu nützen? Zwar werden ſie allein uns nicht durch das Leben führen, denn ſelbſt kämpfen muß der Mann, auf daß er ſich feſten Boden erringe, aber wie freundliche Sterne werden ſie unſern Pfad überglänzen. Heil uns für die Erinnerungen, Und Dank Euch, die ihr ſie uns gabt; Sind jene Töne auch verklungen, Erinnerung uns doch noch labt. Die Jahre, die uns hier entſchwanden, Sie bleiben immer uns verklärt, Was wir hier ſuchten und hier fanden, Es bleibt für uns von ew'gem Werth. Ihr habet unſern Geiſt befeuert, In uns erwärmet das Gemüth, Und viel enthüllt uns, was verſchleiert, Daß frei der Geiſt es überſieht. Und was ihr wirktet unter Sorgen, Für uns erſtrebtet im Verein, Das wird, in unſrer Bruſt geborgen, Nach Jahren nicht vergeſſen ſein. Wie oft in ſonnenheitrer Stunde, Wenn ſtill die Fläche weit und breit, Der Fiſcher ſchaut im Meeresgrunde Verſunkner Städte Herrlichkeit: So ſehn, glänzt der Erinnerung Sonne, Im Schbooße der Vergangenheit Wir einſt zu unſres Herzens Wonne Verklärt die hier verſtrömte Zeit. Da fühlen neu wir Eure Worte In uuſerm Innern auferſtehn, Es iſt, als ob an heil'gem Orte r Wir uns inbrünſtig ſtill ergehn.

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