Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

die freilich mehr als ähnliche Arbeiten uns auf den Standpunkt zurückweiſt, den wir bei ihrer Würdigung einzunehmen haben. Wäre die Aufgabe von einem Predigerſeminar geſtellt und von einem ſeiner Zöglinge nach erlangter homiletiſcher Durchbildung alſo gelöſt worden, ſo würde ſie einer Kritik unterliegen, welche auf jene Vorausſetzungen geſtützt mit vollem Rechte Manches tadeln dürfte. Aber unr die Faſſung und Fügung iſt es, die davon berührt wird, die Länge und Breite, Sichtung und Füllung, der Wechſel von Höhe und Tiefe, von Licht und Schatten, alſo lauter Aeußerlichkeiten, deren Dimenſionen nach kunſtgerechtem Maßſtab zu bemeſſen der Vf. noch nicht vermochte. Das aber kann er noch lernen zu ſeiner Zeit, und es wird ihm dabei zu ſtatten kommen, daß es leichter iſt, das Ueberſchüſſige zu beſchneiden, als das Fehlende zu ergänzen. Nur Eins darf nicht fehlen, was allein Bürgſchaft leiſtet für alles künftige Gedeihen, der religiöſe Ernſt, die echte Geſinnung, ein für das Hohe und Heilige empfängliches Gemüth. Das iſt es aber, was nebſt einer auch ſonſt und auch heute bewährten Anlage zu oratoriſcher Darſtellung der Verf. nicht vermiſſen läſſt, und was uns bewegt, ihm den Preis zu ertheilen. Es iſt nochmals Guſtav Scriba aus Meſſeel.

9) England und die Engländer, nach dem sketch book von Washington Irving.

10) Lobrede auf den Pflug, als Einleitung zur Feier eines landwirthſchaftlichen Feſtes.

11) Mathematiſche Begründung des Grundrentenablöſungsgeſetzes im Groß. Heſſen.

12) Eine Zeichnung.

Weiſe, wie der alte Dichter*) ſagt, hat künftiger Zeiten Ausgang in dunkle Nacht die Gottheit gehüllt; aber nicht minder weiſe hat ſie auch den Anblick dieſer Nacht den menſchlichen Blicken entzogen. Der Lebensraum, der zwiſchen uns und dieſer Nacht in der Mitte liegt, wird von der Hoffnung erleuchtet, und nirgends entfaltet er ſich weiter und ſchöner vor dem Blicke des Menſchen, als da, wo dieſer glaubt, erſt ungefähr den vierten Theil ſeiner Lebensreiſe zurückgelegt zu haben. Auf dieſem Standpunkte ſteht der Jüngling, welcher die Schule verläſſt; wie von einem waldigen Berggipfel ſchaut er hin auf fern erglänzende Zinnen, die er dereinſt noch im Leben zu erklimmen gedenkt, und ausgebreitet liegt es vor ihm in roſigem Lichte, in heiterer Klarheit ſcwimmend. Wer möchte nicht gern die Erinnerung an ſolche Momente aus der eignen Jugendzeit erneuern? wer nicht den Jünglingen ſeine Theilnahme ſchenken, die jetzt an demſelben Erlebniß angelangt ſind? Niemand von Ihnen, V. A., die uns heute mit Ihrem Beſuche erfreut haben, kann dieſer Theilnahme fern ſtehen, denn ſie iſt es, die ihn hierher geführt hat. Aber auch Niemand wird ſie in höherem Grade zukommen, als uns, die wir auf den letzten in unſerm Gymnaſium zurückgelegten Lebensſtationen dieſer Jünglinge ihre Führer und Leiter geweſen ſind. War doch die Cultur ihrer Geiſtes- und Seelenkräfte das Werk unſeres Berufes, war doch unſere Bemühung unabläſſig darauf gerichtet, ihre angebornen Talente zu entwickeln, ihre Naturgaben und Fertigkeiten zu erhöhen, auf deren Stärkung und Kräftigung die wahre Humanität als das wünſchenswertheſte Gut beruht. Sie ſollten zunächſt dadurch angeleitet werden, die äußeren Vortheile und Nutzbarkeiten des Lebens dereinſt zu gewinnen und auch Andern ſodann durch dienſtfertige Beihülfe die Mittel und Wege ihrer Gewinnung zu beſchaffen. Sie ſollten aber nicht minder dadurch in den Stand geſetzt werden, dem Hauſe und der Familie, welcher jeder ſein Daſein verdankt, dem Vaterlande, in dem er geboren iſt, der bürgerlichen Geſellſchaft, dem Staate, dem Volke, welchem er angehört, nach Kraften nützlich zu werden, weil die Er⸗ füllung menſchlicher Pflichten nur dann einen günſtigen Erfolg haben kann, wenn ſie bei denen den Anfang macht, mit welchen die Natur ſelbſt durch die engſten Bande uns

*) Horaz Oden 3, 29, 30.