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ausführliche Arbeit hindurch den Leſer anſprechen, und in denen ohne Zweifel das Innere des Verf. ſich abſpiegelt. Auch der andere hat ſeine Blicke haupſächlich gerichtet auf Kepler's Ergebung in die Armſeligkeit ſeiner Lebensſchickſale, auf ſein kindliches, zu jeder Aufopferung bereites Gemüth und wird durch ſie zu warmer Begeiſterung hingeriſſen, die ſich ſelbſt in einem kleinen poetiſchen Verſuche Luft zu machen ſucht. Iſt ſomit auch der Bau nicht aufgeführt worden, der urſprünglich und eigentlich beabſichtigt wurde, ſo hat doch jeder der beiden Bewerber ein iaroeio“„wxis errichtet, das nach Form und Inhalt auch ſeines Preiſes werth iſt. Darum ertheilen wir dieſen an Guſtav Scriba aus Meſſel und Ferdinand Dietzſch aus Wörrſtadt.
7) Die Bergſtraße, und zwar ſollten innerhalb dieſer allgemeinen Angabe Inhalt und Form der eignen Wahl überlaſſen bleiben. In einer darüber eingereichten Arbeit iſt nun das Ganze aufgefaſſt und in einem idylliſchen Lehr⸗ und Lobgedichte von 56 acht⸗ zeiligen Strophen dargeſtellt worden. Wer daſſelbe lieſt, wird unwillkührlich gefeſſelt und folgt gern durch anmuthige Gefilde dem jugendlichen für ſeinen Gegenſtand begeiſter⸗ ten Dichter; denn er verräth ein bedeutendes Talent für poetiſche Schilderung einer ſchönen Natur, anmuthiger Gegenden und glücklicher Menſchen, die in ihnen ein frohes und zufriedenes Stillleben in anſtändigem Genuſſe führen. Ihrer Form nach befriedigt und erfreut dieſe Leiſtung und gehört zu dem Beſten, was auf dieſem Gebiete von unſern Schülern producirt worden iſt. Der Verfaſſer beſitzt große Fertigkeit im poetiſchen Ausdruck und vorzügliche Gewandtheit in Behandlung des gewählten Versmaßes, worin er ſelbſt ſtrengeren Anforderungen Genüge leiſten kann. Er hat die achtzeilige Stanze in ihrer reinſten, kunſtgerechteſten und darum ſchwierigſten Form angewendet. Eine ziem⸗ liche Anzahl von Strophen iſt durchaus gelungen zu nennen und erinnert in ihrer Form an unſere beſten Muſter. Die Reime ſind leicht und gefällig und machen nirgends den Eindruck des Geſuchten; Wortſtellung und Satzbau ſind meiſtens wohlgelungen; Härten, Mißklänge, verfehlte Ausdrücke ſind für eine ſo umfangreiche Arbeit ſelten. Nach einer durch Gehalt und Form anſprechenden Einleitung führt uns der Dichter von Süden nach Norden an den Schönheiten der Bergſtraße vorüber von Heidelberg bis Darmſtadt. Iſt es nun die Natur ſelbſt, die in dieſer geraden Linie eine ziemlich gleichförmige Schön— heit darbietet, ſo war es freilich ſchwer zu vermeiden, daß auch die Schilderungen ſo ziemlich auf Eins ausgehen, überall Berg und Thal, Burgen und Waldung, Fruchtfelder und glückliche Menſchen. Zwar hat es der Verf. nicht an geſchichtlichen Beziehungen fehlen laſſen, die er vielmehr mit großer Sorgfalt geſucht und benutzt hat; doch ſind ſie meiſt nur notizenartig in ſchlichter Aufzählung eingewebt, ohne durch kunſtvolle Epiſoden aus der ſagenhaften Romantik dem poetiſchen Intereſſe zu Hülfe zu kommen. Iſt es nun nicht zu leugnen, daß hieraus eine gewiſſe Einförmigkeit und Gleichmäßigkeit ent— ſpringt, mit welcher ein Punkt an den andern angereiht, und Alles mit gleicher Ehre und in demſelben Tone behandelt wird, möchte man hierin auch eine größere Mannich⸗ faltigkeit des poetiſchen Wechſels mit entſprechenden Digreſſionen und Ruhepunkten wünſchen, ſo wird doch dieſer etwaige Mangel ſchon durch den einzigen und weſentlichen Vorzug überwogen, daß Alles, was der Dichter ſagt, vom Herzen kommt und darum auch zum Herzen geht. Hier aber iſt der Punkt, in welchem alle Tugenden eines dichteriſchen Werkes ſich concentriren, und nimmt man hinzu, daß der Verf. alle Strahlen, die von dieſem Punkte ausgehen, ſo richtig zu leiten und ſo paſſend zu miſchen wuſſte, daß nur wahrhaft ſchöne Formen in friſchen Farben durch ſie beleuchtet werden, ſo kann es nicht dem mindeſten Zweifel unterliegen, daß das ganze Werk eine vorzügliche Aner⸗ kennung, eine entſchiedene Auszeichnung durch Ertheilung des Preiſes verdient. Der Verf. iſt Georg Noack.
8) Ueber den ſegensreichen Einfluß einer religiöſen Geſinnung auf das wiſſen⸗ ſchaftliche Streben, Rede an Studirende.— Es iſt eine Rede der Art geliefert worden,


