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vom Gymnaſium, von Hermann Dannenberger aus Spachbrücken, 19) Was iſt des Deutſchen Vaterland? von Arndt, Chor und Soli von Reichard. Aus Nr. 16 und 18 wird hier Folgendes mitgetheilt.
V. A. Wer nur ſelten in den Fall kommt, vor einer hochachtbaren Verſammlung öffentlich zu reden, der mag um ſo mehr den Wunſch hegen, daß der Gehalt ſeiner Rede der Theilnahme würdig erfunden werde. Wohl möchte er dadurch veranlaſſt wer⸗ den, vorzugsweiſe neue, zeitgemäße, wichtige Intereſſen der Oeffentlichkeit zum Gegen⸗ ſtande ſeines Vortrags zu wählen, und wirklich in einer Zeit, wo dieſe ſich ſo mannich⸗ faltig geſtalten, wo das Streben nach Erkenntniß alle Schichten des Volkes durchdringt, wo wunderbare und weltgeſtaltende Erfindungen und Entdeckungen an der Tagesorduung ſind, wo tauſend und aber tauſend für das allgemeine Wohl und Wehe bedeutſame Ziel⸗ punkte hervorragen, in einer ſolchen Zeit kann es auch nicht an Gegenſtänden fehlen, deren öffentliche Verhandlung größere Gruppen von Theilnehmenden heranzuziehen und ſelbſt ein höher gebildetes Publicum zu feſſeln vermag. Aber ſelbſt wenn mir die reich⸗ ſten Schätze der Wiſſenſchaft dazu zu Gebote ſtänden, ſelbſt wenn ich hoffen dürfte, ſie durch eigene Kunſt geformt gleich goldenen Aepfeln in ſilbernen Schalen darzureichen, dennoch müſſte ich Bedenken tragen, einen ſolchen Verſuch zu wagen. Was mich berech⸗ tigt und verpflichtet, hier das Wort zu ergreifen, das nöthigt mich zugleich, das Neue und Wichtige innerhalb der engſten Schranken meines Berufes zu ſuchen; dieſer Beruf aber verweiſt mich auf das Jahr, was unſer Gymnaſium wiederum vollendet, auf die Errungenſchaften, die es abermals erlangt hat, und insbeſondere auf denjenigen Theil derſelben, der durch gewiſſenhafte Arbeit der Lehrer und durch ruhmwürdigen Eifer der Schüler in Geiſt und Empfindung unſerer Jugend erwachſen am heutigen Tage durch Schrift und Bericht, durch Rede und Geſang zu öffentlicher Darſtellung gelangt. Jeder Lehrer hat ſeine Saat dazu geſäet, aber die Aernte iſt der ganzen Schule, und wie jeder auf die Ausſcheidung ſeines Antheils Verzicht leiſtet, ſo muß auch ich Alles hin⸗ weglaſſen, was nur dazu dienen würde, Raum und Zeit für den Wetteifer unſerer Schüler zu verkürzen.
Freilich, wenn das für die Oeffentlichkeit Neue und Wichtige nur nach dem be— meſſen werden ſollte, was als außerordentlich und ungewöhnlich hervortritt und in wei— ten Kreiſen von ſich reden macht, dann dürfte es in dieſer beſcheidenen Sphäre überhaupt nicht gefunden werden, dann hätte wenigſtens das Jahr, was heute unſere Schule vol⸗ lendet, ohne hervorragende Momente ſeines äußeren Verlaufes auf die in einförmig regelmäßiger Tagesordnung ſich wiederholende Uebung der Berufspflichten beſchränkt, nichts aufzuweiſen, was jenes Maß erfüllen könnte. Aber ſelbſt angenommen, daß dieſer Maßſtab des Urtheils der richtige wäre, ſo ſind wir doch weit entfernt, darin den Aus⸗ druck irgend eines Mißgeſchicks zu ſinden. Vielmehr wie diejenigen Zeiten oft die glück⸗ lichſten waren, von denen die Geſchichte am wenigſten zu berichten hat, ſo iſt es oftmals auch mit der Schule an beſten beſtellt, wenn ſie am wenigſten zu rathen und zu reden Veranlaſſung bietet, wenn ſie nur jenes euopnuet“ erzielt, in deſſen Wohlredenheit die ſinnige Natur der Hellenen den ſchönſten Ausdruck des ehrfurchtsvollen Schweigens zu entdecken vermochte. Nur Eins wollen wir nicht verſchweigen, den Dank gegen den, der auch in dem verfloſſenen Jahre ſein Auge über unſeren Staat und unſeren Fürſten wach und offen gehalten, der unſerem Werke Gedeihen, unſerer Arbeit Frucht gegeben, der in ſchwierigen Verhältniſſen unſere Schule vor Unfällen bewahrt, ſie frei erhalten hat von Allem, was ihren Gang unterbrechen, ihre Wirkſamkeit lähmen, ihren Ruf gefährden konnte.


