Aufsatz 
De Bacchiadis Corinthiorum / scripsit Carolus Wagner
Entstehung
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Amt führt, daß aber auch ſie einen Herrn über ſich im Himmel hat, der einſt Rechen⸗ ſchaft von ihr fordern wird.

3) Ehret endlich auch eure Lehrerl Zwar löſt ſich nun bald das Ver⸗ hältniß, das euch mit euren ſeitherigen Lehrern verbunden hat. Aber damit iſt doch dieſes Verhältniß nicht völlig aufgehoben. Ihr ſcheidet; aber euch folgt auch in die Ferne der Lehrer herzliche Liebe und Theilnahme; ihr ſeid ja ein Stück von ihnen, ihr habt ja von ihnen das Beſte empfangen, was ſie zu geben hatten, ihr wart ja lange Jahre der Gegenſtand ihrer eifrigen Sorgen, Mühen und Arbeiten; und uns bleibt, ſo hoffen wir wenigſtens, eure Liebe, eure Anhänglichkeit, euer Dank. Wie könnte auch ein ſolch heiliges Verhältniß je völlig aufgehoben werden? Es reicht ja in die Ewigkeit hinauf: dort vor Gottes Richterſtuhle werden einſt Lehrer und Schüler ſich wieder begegnen!

Ehret eure Lehrer, aber nicht allein durch Wort und Geſinnung, ſondern auch durch die That, durch euer Leben; und wenn ihr auch von uns ſcheidet, ſo rufe ich euch dennoch mit dem Apoſtel zu: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen! Alle die Bilder des Wahren, Guten und Schönen, die hier in dieſer Anſtalt an eurem geiſtigen Auge vorübergeführt worden ſind, alle die tiefſittlichen Anregungen, die ihr hier empfangen, die Begeiſterung für alles Große, Hohe und Heilige und der Abſcheu vor allem Niedrigen und Gemeinen, die euch hier eingepflanzt worden ſind, laſſet ſie als ſichere Führer euch durchs Leben geleiten, euch Schutz und Schirm ſein in allen Gefahren, die eurer Seele drohen. Der Weg, der allein zum Leben und zur Seligkeit führet, er iſt euch hier gezeigt worden; gebe Gott, daß ihr allezeit auf ihm erfunden werdet! So ehret euere Lehrer und bedenket, daß ihr durch jeden Fehler, in den ihr fallet, durch jede Sünde, die ihr begehet, nicht allein euch ſelbſt, ſondern auch euere Lehrer entehret und beſchimpfet.

Gott aber der Allbarmherzige ſei mit euch und führe euch, er halte ſeine Hände über ench, er behüte und bewahre euch zum ewigen Leben!

Amen!

Am 28. September v. J. wurde in dem hieſigen Turnſaale der Actus gehalten, bei welchem folgende Stücke*) zum Vortrag kamen: 1) Chor von Mozart, 2) Prolog von Georg Noack, 3) Homer als Sittenlehrer von Ludwig Boßler, 4) die Capelle, Chor von Conradin Kreutzer, 5) Leichenrede des Antonius für Cäſar, lateiniſch von Theodor Maurer, 7) Rede zum Andenken an den Landgrafen Ludwig V., den Getreuen, von Guſtav Scriba aus Meſſel, 8) ein Traum von Ferdinand Dietzſch aus Wörrſtadt, 9) Schwertlied von Theodor Körner, Chor von Karl Maria von We⸗ ber, 10) die Liebe zur Heimath und der Trieb in die Ferne von Wilhelm Stamm aus Lauterbach, 11) Sonntags am Rhein, von Robert Reinick, Chor von K. A. Man⸗ gold, 12) die Verdienſte des Auguſtus um den römiſchen Staat, franzöſiſch, von Adolf Heyer, 13) Es muß doch Frühling werden, von Emanuel Geibel, Lied mit Chor von K. A. Mangold, 14) der Wald als Tempel der Religion und Poeſie von Adolf Hoffmaun aus Grünberg, 15) Abſchied vom Walde, Chor von Felix Mendelsſohn Bartholdy, 16) Verkündigung der Preisträger, Prämianden, Promorenden und Abitu⸗ rienten durch den Gymnaſialdirector, 17) zum Abſchied, von Hoffmann von Fallersleben, Chor von Felix Mendelsſohn Bartholdy, 18) Erinnerung und Hoffnung nebſt Abſchied

*) Die Geſänge eingeübt von Hrn. Hofmuſikdirector Karl Mangold, vorgetragen von 111 Schülern, aus I 10, II 16, III 23, IV 23, V 14, VI 12, VII 13.