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zu Fulda, dann ein Jahr in Münster i. W. Theologie, war nach Empfang der Priesterweihe ein Jahr als Kaplan in Schloßborn im Taunus tätig und wurde am 1. Dezember 1002 als Kaplan an die Boni- fatiuskirche zu Wiesbaden versetzt.
Am I. Mai fand durch Herrn Bauinspektor Grün die Übergabe des Gebäudes statt. An demselben Tage vollzog sich die Aufnahmeprüfung, am nächsten begann der Unterricht.
Da die Aula noch nicht vollständig fertig war, wurde die offizielle Einweihung der Schule und die Einführung des Direktors auf den 5. Juni festgesetzt. An diesem Tage fand die Feier statt in Gegenwart des Herrn Regierungspräsidenten von Hengstenberg, des Herrn Oberbürgermeisters Dr. von Ibell, des Herrn Prov.-Schulrats Dr. Kaiser, der Mitglieder des Kuratoriums unter ihrem Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Heß, des I. Stadtpfarrers, Herrn Dekan Bickel, der Mitglieder der Schuldeputation, zahlreicher Vertreter sonstiger städtischer Behörden, des Lehrerkollegiums der Oberrealschule, vieler Eltern und Angehöriger der Schüler sowie des Lehrerkollegiums und der Schüler der neuen Realschule i. E.
Mit dem Gesang: Lobet den Herren! wurde die Feier eröffnet. Herr Oberbürger- meister von Ibell nahm darauf das Wort und begrüßte alle, die erschienen waren, um der Weihe des neuen Hauses beizuwohnen und verknüpfte damit den Dank an alle, die dazu beigetragen, das Haus zu vollenden. Sodann, ausgehend von dem Worte: Nicht für die Schule, sondern für das Leben! sprach er die Hoffnung aus, daß es dem Direktor und den Lehrern gelingen möge, die ihnen anvertrauten Schüler zu erziehen zu tüchtigen Bürgern der Stadt und zu brauchbaren Söhnen des Vaterlandes. Weiter gedachte er der am nächsten Tage stattfindenden Hochzeit des preußischen Kronprinzen und ließ seine Rede ausklingen in ein Hoch auf die Kaiserliche Familie, in welches die Versamm- lung freudig einstimmte.
Herr Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser wies in seiner Rede zunächst auf die großen Schwierigkeiten hin, die vordem bestanden, da die lateinlose Oberrealschule schwer um ihre Existenz zu kämpfen hatte. Da aber habe der hochherzige Erlaß Seiner Majestät vom 26. November 1900 diese Verhältnisse geändert, der Oberrealschule freie Bahn ge- schaffen und sie im wesentlichen den gymnasialen Anstalten gleichgestellt. Er legte sodann dem neuen Direktor die Pflichten seines Amtes ans Herz und forderte ihn auf, dafür zu sorgen, daß seine Arbeit durchdrungen sei von dem rechten Geiste, von dem es in der Schrift heiße: Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Bei der Er- ziehung der Schüler zur Gottesfurcht, zu Fleiß und Gehorsam, zur Ordnung, Wahrheit, Sittlichkeit solle sein Wirken getragen sein von dem Geiste der Liebe, der auch in den- jenigen Fällen hervortreten müsse, wo er den Ernst und die Würde des ihm verliehenen Amtes hervorzukehren habe. Und wie es ihm um die Bildung seiner Schüler ein hoher, heiliger Ernst sein müsse, so möge er den Lehrern ein freundliches, wohlwollendes Ent- gegenkommen zeigen und die Pflege herzlicher, kollegialischer Gemeinschaft sich ange- legen sein lassen. Indem er wünschte, daß das Wirken des neuen Direktors ihm selber zur Befriedigung, der Anstalt zum Segen gereiche, übergab er ihm die Allerhöchste Bestätigungsurkunde.
Er gedachte sodann der Wichtigkeit des heutigen Tages für die Stadt Wiesbaden,
an dem nicht nur eine neue Schule, sondern auch eine neue Schulgattung, nämlich ein Reformrealgymnasium(aus der bisherigen Oberrealschule) ins Leben trete und überreichte


