7
Es bleibt mir nun noch übrig, über die Anlage der nachfolgenden Tabellen und ihren Gebrauch einige Worte zu ſagen. Dieſe Arbeit iſt, wie es bei dem Umfang des zu gewältigenden Stoffes und dem hier freiſtehenden Raum kaum anders ſein konnte, ein Fragment einer größeren. Denn von etwa 500 Gattungen(Phanerogamen und Gefäßkryptogamen) der naſſauiſchen Flora, deren Analyſe ich mir vor⸗ geſetzt habe, ſind nur etwa 150*) abſolvirt. Es würde alſo, ſelbſt wenn ich mich nur auf die Gattungen beſchränkt hätte, wohl nicht das Programm zur Aufnahme der ganzen Arbeit ausgereicht haben. Mag denn dieſer ſchwache Verſuch wenigſtens Zeugniß geben, wie ich die oben angedeuteten Ideen über den botaniſchen Unterricht auszuführen geſonnen bin.
Erſt bei dem Gebrauch ſelbſt wird es ſich zeigen, ob es ſich bisher der Mühe gelohnt hat. Eigne Erfahrung kann dabei nicht maßgebend ſein. Denn die Elternliebe iſt auch ſchuld an dem Verderben der Kinder. Ehe ich daher das begonnene Werk vollende und anderwärts zu veröffentlichen wage, harre ich der freundſchaftlichen Zurechtweiſungen der Berufenen, mögen ſie mir den Muth laſſen, auf der be⸗ tretenen Bahn vorwärts zu gehen, oder die Ueberzeugung verſchaffen, daß mein Plan wirklich ſo nicht durchzuführen ſei. Daß er auf irgend eine Art durchgeführt werden kann, glaubte ich um ſo weniger bezweifeln zu dürfen, als die von P. F. Cürie(Anleitung, die im mittleren und nördlichen Deutſch⸗ land wildwachſenden Pflanzen zu beſtimmen) in den früheren Auflagen angewendete analytiſche Methode ehedem mein eigner ſicherer Führer war, dem ich in ganz autodidaktiſcher Weiſe die erſten ſpeciellen botaniſchen Kenntniſſe verdanke. In der neueſten Auflage iſt von A. Lüben, dem gegenwärtigen Herausgeber dieſe Anleitung, der Schlüſſel des Linnéſchen Syſtems an die Stelle der früheren Beſtim⸗ mungstabelle der Gattungen geſetzt worden. Grade dadurch wurde ich veranlaßt, an eine ähnliche Methode nach den oben ausgeſprochenen Principien zu denken, und dabei die Flora Naſſau's als den ſpeciell zu bearbeitenden Stoff zu wählen, da mein Beruf mich fortwährend das Bedürfniß erkennen ließ, für die Schulen unſeres Landes ein ſolches Hülfsmittel zu beſitzen. Daß meine Tabellen weſentlich von denen Cürie's abweichen, iſt eben nicht ſowohl in dem geringeren ‚Umfang des von mir bearbeiteten Materials (Cürie hat nahe an 600 Gattungen aufgenommen) begründet, wie beſonders darin, daß meine Arbeit ganz beſonders der Schule gewidmet ſein ſollte. Aber die Form iſt ganz von dorther entlehnt.
Ueber die Anwendung noch ein Paar Worte. Bei der Beſtimmung einer Pflanze hat man ſich gewöhnlich 2(nur einige Mal mehr) ſcharf entgegengeſetzte Fragen vorzulegen, deren weſentlicher Inhalt in den mit laufenden Nummern bezeichneten Sätzen angegeben iſt. Eine jede Beſtimmung beginnt natürlich mit der Doppelfrage zu No. 1:„Iſt der bei weitem größere Theil der Pflanze holzig, auf dem Querſchnitt mit Jahresringen verſehen, oder krautig, ohne Jahresringe?“ Je nach⸗ dem nun das erſte oder zweite Glied der Doppelfrage bejaht wird, iſt, wie es die rechts am Ende des Satzes ſtehende Verweiſungsnummer anzeigt, No. 2 oder No. 62 in ähnlicher Weiſe in eine Doppel⸗ frage zu verwandeln. Dies Verfahren wird ſolang wiederholt, bis ſtatt der Verweiſungsnummer ein durch den Druck auffallender Gattungsname erſcheint, der nämlich, den man eben geſucht hat. In ähnlicher Weiſe würde dann— wenn die Tabellen vollſtändig vorlägen— die Art zu beſtimmen ſein. Grade wegen dieſer Unvollſtändigkeit muß noch bemerkt werden, daß, wenn man auf No. 64 kommt, nur dann noch die Tabellen weiter benutzt werden können, wenn die erſte der vier den Blüthenſtand betreffenden Fragen bejaht worden iſt. Denn alle krautartigen Pflanzengattungen mit doldenförmigem,
*) Nämlich die Holzgewächſe, ſowie die phanerogamiſchen krautartigen mit einfachem Blüthenſtand. Es iſt für den Unterricht zu empfehlen, mit erſteren zu beginnen. Auch iſt die Kenntniß derſelben ſchon wegen ihres maſſen⸗ haften Vorkommens und ihrer häufigen Cultur faſt unentbehrlich.


