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Jetzt kaltſtrömendes Waſſer der raſch hinſtürzenden Quelle:
Alſo ſchmolz auch die Arme, bezähmt von traurigem Grame,
Ob des geliebten Gemahls in bitterem Leid ſich verzehrend.
Und ſie begann zu ſich ſelber und ſprach lautjammernd die Worte: Wehe dem Wahn und wehe dem unglückſeligen Leben,
Daß ich den armen Gemahl ſo verehrt und der Hoffnung mich hingab, Ihm in Liebe vereint zur Schwelle des Lebens zu kommen,
Spät und von Alter gebeugt,— doch die Himmliſchen lenkten es anders! Wär' ich den dunkelen Keren doch gleich zum Opfer gefallen,
Als mich das Schreckensgeſchick losriß von der Seite des Gatten! Wenn er mich aber auch lebend verließ, ſo will ich doch furchtlos Mich im Tod ihm vereinen; denn widrig iſt jetzt mir das Tagslicht. Wie ſie ſo ſprach, da ſtürzte die Fluth herzbrechender Thränen
Ihr aus dem Aug', und als ſie des Gatten und ſeines Geſchickes Liebend gedacht, da zerſchmolz ſie wie Wachs bei der Hitze des Feuers, Doch nur geheim; ſie ſcheute die dienenden Frau'n und den Vater, Bis ſich die Nacht ausgoß von des weiten Okeanos Strömung
Ueber die Erd' und den Menſchen Erlöſung brachte von Mühſal. Aber ſobald ſich der Schlummer dem Vater genaht und den Mägden In dem Palaſt, da ſprengt ſie die hemmenden Pforten und ſtürzet Wild ſich hinaus, wie der Sturm, von den hurtigen Gliedern getragen; Und in geflügeltem Lauf durcheilt ſie die mächtigen Pfade,
Voller Begier, nur raſch auf die gräßlichen Scheiter zu ſteigen. Nimmer ermattet ihr Knie, ſtets werden der Eilenden Füße
Leichter im Lauf,— ſo jagen die furchtbare Ker und die Kypris Immer ſie fort; nicht bebt ſie zurück vor dem zottigen Wilde,
Das ihr im Dunkel ſich naht, wie ſehr ſie auch früher geſchaudert. Sämmtliche Klippen der waldigen Höh' und jeglichen Abhang
Wandelt ihr Fuß ruhlos und durcheilt auch ſämmtliche Klüfte.
Plötzlich traf ſie von oben der Blick der erhabnen Selene,
Und da die Göttin ſogleich an den ſchönen Endymion dachte, Sehnſuchtsvoll, ſo gewährt ſie der Eilenden inniges Mitleid
Und hellſtrahlend von oben enthüllt ſie die mächtigen Pfade.
So durchſtreift nun Jene die Berg' und kam zu der Stelle,
Wo noch andere Nymphen des Paris Leiche beweinten.
Dieſen umfing noch immer die mächtige Lohe; denn zahllos
Hatten von jeglichem Hang des Gebirgs hereilend die Hirten
Maſſen von Holz um den Todten gehäuft, damit ſie der Trauer Liebenden Zoll noch weihten dem Herrſcher zugleich und Genoſſen. Lautaufweinend umſtanden ſie ihn. Als aber der Gattin
Blick ihn gewahrt, da entfloh kein Laut dem zerriſſenen Buſen; Sondern ſie hüllt in den Mantel das reizende Haupt und im Sprunge


