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Und die, grollend dem frevelnden Hochmuth ſterblicher Menſchen, Stets auf dem Fuß nachſenden den Grimm und der grauſen Erinnys Jammer. Erhabenes Weib, o treibe die ſchrecklichen Keren Raſch mir hinweg, wenn ich auch mich in Thorheit früher verſündigt!
Sprach's, doch nimmer vermocht' er den finſteren Sinn ihr zu beugen; Sondern ſie rief dem Gequälten die höhnenden Worte dagegen: Ha, was kommſt du hieher zu mir, da du früher im Hauſe Mich ſo ſchmählich verließeſt in unausſprechlichem Jammer Wegen des Tyndaros Tochter, der gräßlichen, deren Umarmung So mit Luſt und mit Stolz dich erfüllt,— die beſſer gewiß iſt, Als dein rechtlich Gemahl; man ſagt ja, ſie altere niemals! Eile dich doch und umſchling' ihr die Knie; doch mich ſelber verſchone Jetzt mit dem Thränenerguß und dem kläglichen Jammergewinſel. O ich wollt', ich hätte der Löwin grimmige Stärke, Um dir den Leib zu zerfleiſchen und dann dein Blut noch zu ſchlürfen Für das unendliche Leid, das frevelnd du über mich brachteſt! Schändlicher, wo bleibt nun Kythereia, die reizende Göttin? Wo der unendliche Zeus, der gar nichts fragt nach dem Eidam? Suche bei denen das Heil, doch hier aus meiner Behauſung Hebe dich weg! Du biſt ja für Götter und Menſchen ein Unglück! Denn du, Sünder, erweckteſt auch Himmliſchen Kummer und Jammer Ob des Geſchicks, das ihnen die Söhn' und die Enkel geraubt hat. Doch jetzt gehe nur weg und wandre zur Helena weiter, Wo du gewiß ihr Lager ſofort mit zürnendem Unmuth Tag und Nacht umſtöhnſt, von ſchrecklichen Schmerzen zerriſſen, Ob ſie vielleicht dich heilt von deinen entſetzlichen Qualen!
Sprach's und ſchickte ſofort den Jammernden weg aus dem Hauſe. Thörichte! denn ſie vergaß ihr eignes Geſchick, und es ſollten Doch nach dem Tod des Gemahls ihr ſelbſt nacheilen die Keren Ohne Verzug; ſo wollt' es der Schickſalsſchluß des Kronion.
Geſang X, Vers 411—488. (Nach dem Tode des Paris bereut Oinone ihre Härte und verbrennt ſich mit der Leiche des Gatten.)
Nur in dem edeln Gemüth Oinone's wühlte der Kummer
Wahrhaft, aber ſie jammerte nicht mit den anderen Frauen,
Sondern, getrennt von ihnen, allein in ihrem Palaſte
Lag ſie mit ſchwerem Geſtöhn am Bette des Jugendgemahles.
Doch gleich wie in den Schluchten des höchſten Gebirgs ſich des Eiſes Feſter Kryſtall anſetzt und reich in den Spalten ſich anhäuft
Unter des Zephyros Stoß; wie dann die gewaltigen Höhen,
Ringsum wieder zerfließend, mit rinnendem Naß ſich befeuchten;
Und wie das Eis in den Schluchten ſich löſ't, obgleich es ſo ſtark war,
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