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nimmt; der Dichter muß zuweilen auf dieſe eigenthümliche Kraft und Wirkſamkeit der Poeſie verzichten, welche den Blick mit Allgewalt auf eine glänzende Mitte lockt, auf einen Haupthelden, der von der Welt getragen und die Idee der Menſchheit verherr⸗ lichend ſeine leuchtenden und erwärmenden Strahlen auf alles ihn Umgebende wirft. Warum aber hat Quintus, ſtatt Licht und Schatten nach Art eines Geſchichtſchreibers über Alle zu vertheilen, nicht etwa den Neoptolemos, oder, da Troja doch weſentlich durch Liſt gefallen iſt, noch beſſer den liſtigen Odyſſeus, das Werkzeug Athene's, als Hauptperſon hingeſtellt? Es war vielleicht nicht klug, jedoch kein Fehler. Weit wichtiger iſt der Umſtand, daß der Dichter uns ziemlich im Unklaren läßt über das Grundmotiv in ſeinem Werke; bei keinem einheitlichen organiſchen Epos darf das durchherrſchende Motiv fehlen, ſei es nun ein göttliches, oder menſchliches, oder göttlich⸗menſchliches, mag es alſo aus dem Olymp oder der Menſchenwelt kommen. Die Ilias entnimmt nach der Erklärung von Nitzſch ihr Grundmotiv der Menſchenwelt, indem ſie von dem gerechten Zorn des Achilleus ausgeht, der für den Helden zum eignen Leid wird, da Zeus die maßloſe Unverſöhnlichkeit nicht duldet; in der Odyſſee aber kommt das Motiv aus dem Olymp, indem der Götterwille verlangt, daß Odyſſeus heimkehre, den Uebermuth der Freier beſtrafe und ſein Königthum wieder gewinne. Es iſt unmöglich, in ähnlicher Art das Grundmotiv bei Quintus zu präciſiren, wahrſcheinlich deswegen, weil der er⸗ zählende Epiker ſelbſt überhaupt auf ein ſolches verzichtet hat. Hätte er vermocht, in der kaum zu bewältigenden Maſſe ſeines Sagenſtoffes ein ſolches Agens zu finden, welches die betheiligten Perſonen bewegt und in ihren Strebungen gelenkt hätte, ſo würde er vielleicht auch eher die breite Verkettung der Begebenheiten und Geſchicke und die künſt⸗ leriſch fortſchreitende Entwickelung gefunden haben, und ſeine Perſonen würden dann auch in ihrem gewaltigen Kampf mit den Verhältniſſen mehr ſchlichte und doch markige Zeichnung, möglicher Weiſe ſelbſt etwas von dem ſeeliſch Charaktervollen erhalten haben, wodurch die Homeriſchen Perſonen ſo ausgezeichnet ſind. Im Allgemeinen darf man aber mit Sicherheit annehmen, daß den Quintus ſeine dichteriſche Begabung nicht be⸗ fähigt hat, ein großartiges Weltbild zu entfalten, durch welches unſer Gemüth in den Zuſtand ſinnlich behaglicher Betrachtung verſetzt werden könnte; anders zu urtheilen wird man weder durch ſeine nicht zu verkennende Geſchicklichkeit in einzelnen Schilderungen berechtigt, noch durch ſeinen Redeſchmuck, noch durch einzelne beſſer gelungene Stellen, in denen er weniger abweicht von der Natur und der unmittelbaren Gegenwart des Lebens, wie bei dem Wettſtreit des Aias und des Odyſſeus, dem Wuthausbruch des Telamoniers, dem Geſchick der Oinone und dem Tode des jüngeren Aias. Manche Verehrer des Dichters haben ſich damit getröſtet, daß ſie enorme Verſtöße gegen die Compoſition durch große mit der Zeit im Text entſtandene Lücken ſogar von ganzen Ge⸗ ſängen entſchuldigten; oder auch viele Wiederholungen von gleichen Erſcheinungen, Thaten und Bildern, die ſo wenig an den ewig neuen Homer erinnern, als ſpätere Zuſätze dar⸗ ſtellten; auch wohl bezweifelten, daß der Dichter die letzte Feile an ſein Werk gelegt habe. Die Sache iſt aber klar: Quintus, geboren in der Gegend, in welche von der Sage die Wiege Homer's geſetzt wird, begeiſtert von den Werken des Meiſters und be⸗ gabt mit einigem poetiſchen Talent, hat eben nur ſeine Kräfte an einem großen Unter⸗


