Aufsatz 
Über deutsche Orthographie : 1. Teil
Entstehung
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lau 1657, iſt mir nicht tzu handen. In jenem Lübecker drucke, den Schottel one tzweifel kannte, wird ſchon vor Zeſens buch, neben der gewöͤnlichen ſitte des ſſ. ff, t, ch in ſchlieſſen, auff, offt, ſchmertz, werck, aine conſequente betzaich⸗ nung der langen und kurtzen vocale durchgefürt, gantz nach oberſechſiſcher ouzſprache, die hierin von der niderſechſiſchen nicht abweicht: wir finden ge⸗ ſchriben ann, mann, inn, binn, hinn, ümm, mier, dier, wier, gieng, quaal, Naath, Schlaaff, Spraache, waar(verus), geeben, erheebt, Keeben, pfleegen, ree- gen, Weeſen, blooſſer, Frooſt, Laab. Aine neuerung war diz, aber kaine ſo tief eingreifende; mer verdriezen und mit grözerem recht muſte wol die conſer⸗ vativen grammatiker die rückſichtsloſere einſprache des wichtigen, tonangebenden Schleſiens in jenem Leiptziger drucke der Andreas Gryphiusſchen gedichte. Und doch war ez auch hier wider ouf andere weiſe weder aigenſinn noch unwizen⸗ hait, ſondern lediglich aine gute berechtigung, die noch nicht wirkſam genug an⸗ gefochten war, wenn ain mann von diſer bedeutung, weil er ain Schleſier war eben ouch ſeine ſchleſiſche ouzſprache geltend macht und Blutt, gutt, Mutt, Ge⸗ mütt, Rötte, tretten ſchreibt, wie grüſſen und Füſſen im reim ouf küſſen, aine ouzſprache, die onehin nur conſequent durchfürt, waz ſeit jarhunderten in den alamanniſchen wie in den ſchwebiſchen mundarten mit ainzelnen wörtern wie RNitter, Mutter, müßen, laßen geſchehen. Daz mag er von Butſchky ange⸗ nommen haben, daz er kain ie leidet, in ſil, ging, Kibe, zihn, wie in diſer, ſihſt, ſpilen, Wiſe, Bir. Die üblen ff, c und tz hat er noch: Neiff, ſcharff, Krafft, rufft; Wolche, hinchen, Werch; Reitz, Schertz, Glantz; ſſ inloutend und ß ouzlou⸗ tend: vergeſſen, reiſſen, fliſſen(fliezen), Kreiß, miß, Preiß, Weißheit, reißt. Ouzerdem beſtürmbt, mwündſchen, Schwerdt, entbrandt, todt(im reime ouf Gott).

MNan ſiht: ain grammatiker, der in damaliger tzeit die orthographie feſt⸗ ſtellen wollte, hatte ainen harten ſtand, dreien widerſachern gegenüber: der un⸗ wizenheit und willkür, dann den beſtrebungen anderer, die ſich der oufgabe ouch gewachſen fülten, aber ſte unter anderen voronzſetzungen, ouf andere weiſe an⸗ griffen, und endlich den mundartlichen an⸗ und einſprüchen der oberdeutſchen, der niderſachſen, der ſchleſter und der preuſſen. Ez hat vil antziehendes tzu ſehen, wie ſich die conſervativen grammatiker beſonders in diſer letzteren be⸗ tziehung benamen. Denn daz lezt ſich nicht leugnen: ez war ain wolfaller ſig⸗ den in jener tzeit norddeutſchland errang, ain ſchmehlicher ſig, da die erſte, die vil bedeutungsvollere, gewaltigere bewegung, die ain jarhundert früher von dort ouzgegangen, die ſprache oberdeutſchlands geſchont hatte, die nun, bloz