16
weil allez ſo matt und müde war, weil kaine haimatliche poeſie in die literatur eintrat, um aine ſo leichte, aine ſo leicht überweltigende gegenwirkung zu üben, durch die gewalt der maſſe der ſchrift beraubt und tzu ainer öffentlich nicht mer berechtigten blozen mundart herabgedrückt ward. Cz iſt antziehend tzu ſehen, wie man mit ainander im aigenen houſe fertig ward.
Schottel ſtund der frage ſer unparteiiſch gegenüber; er war von geburt ain Hannoveraner und von ertziehung ſo gebildet, daz er nur ainige jare hette in Würtemberg tzu leben brouchen, um fortan ouf ainen durchouz anderen ſtandpunkt tzu treten, als tzu welchem er ouf gelertem wege gelangte. Er fazte oufs richtigſte die hochdeutſche ſprache als aine ſolche ouf, die aine innere, von jeder willkür unabhengige begründung habe, und wollte jede frage, auch die orthographiſche, lediglich ouz ſolchen innern gründen entſchiden wizen. Aber ſeine kenntnis des elteren hochdeutſch, daz er ouz Otfrid wie ouz den Nibelun⸗ gen anfürt, war nicht hinraichend, auch nicht durch vertrouthait mit der noch vorhandenen mundart vermittelt und belebt; noch weniger hatte er aine richtige einſicht in die verheltniſſe der ſchwebiſch⸗bairiſchen mundart, ainerſeits tzu jener alamanniſchen, andrerſeits tzu dem neuhochdeutſchen. Wo ez ſich darum han⸗ delt, in ainem gegebenen falle die richtige ouzſprache feſttzuſtellen, waiz er ſich daher kainen rat, ſo wenig wie mancher unter uns; daz die ſchwebiſche mund⸗ art daz maz ſei, wuſte er nicht; daz ez die tzu Meiſſen, der ainige die ere geben wollten, nicht ſei, davon war er übertzeugt und legte aine feierliche ver⸗ warung gegen die von dort lout gewordenen anmazungen ein:„Es iſt ſonſt faſt lächerlich“, ſagt er,„daß ein und ander, ſonderlich aus Meiſſen, jhnen einbilden dürfen, der Hochteutſchen Sprache, jhrer Mundart halber, Richter und Schlichter zu ſeyn, ja ſo gar ſich erkühnen, nach jhrem Hör instrument, und wie ſie nach beliebter Einbildung jhre Ausrede dehnen, ſchlenken, ſchöbelen und kneiffen, die Hochteutſche Sprache auch in jhrer natürlichen unſtreitigen Grund⸗ richtigkeit zuenderen, und ſolches als groſſe Meiſterſtücke öffentlich als was köſtliches und nötiges hervorzuheben, wodurch das rechte höchſt löbliche Sprach⸗ weſen(ſo viel die Ausrede, Bildung und Rechtſchreibung der Wörter betrifft) auf ein lauter ungewiſſes und Triebſand wolte geſetzet werden; Zumahl ſich immermehr neuſüchtige Lehrlinge anfinden, die vermeinen, was Beyſeitiges und Neues zukochen, jhnen frey ſtuͤnde. Es ſolte billig jede Obrigkeit acht geben laſſen, daß ſolche Schlungelgekke jhre Brüte für ſich vielmehr behalten, als durch öffentlichen Trukk, was fuͤr Spracherfahrne Helden ſie ſind, kuntmachen


