Aufsatz 
Über deutsche Orthographie : 1. Teil
Entstehung
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ſind. Daz er ai und ei rain unterſchaidet und kaine denungs⸗h tzulezt, darf in diſer tzeit und gegend nicht als aigenhait geltend gemacht werden; eher daz ſich nirgend v für anloutendez u findet und daz er noch alle ſubſtantiva, die göttlichen namen abgerechnet, mit klainen anfangsbuchſtaben ſchreibt. Er unter⸗ ſchaidet ſibenerlai e und viererlai a; alle u one ouzname haben überſchribenez c; ich glaube nicht, daz man dafür oufgelöſtes un ſetzen darf, weil diz gegen die mundart were. Der wirkliche diphthong ie wird i geſchriben: di, wi, ſt, lich,, tiffer, libt, auch ider, imal; dagegen ſtet ie in wiel(will), ziel(ſchisziel), viel, gewies; y in den pronominibus ym, yn, yr. In betziehung ouf ſ, ſſ und ſ tailt er die verwirrung der tzeit: ſeltene ß in rißig, flißig; maiſt blozes s oder ſ: gros, er mus, er wais, weſre(für wäßre); inlautend ſſ: freſſen, auſſen, haiſſen, gröſſe. Im ouzlout hinter vocalen nirgend doppelte conſonanten: glük, al, flam,

Got, auf, hinauf; auch vor und hinter conſonanten kein ch: glükt, gerükt, krank,

volk, ſtark; tz dagegen nach vocalen und 1, n, r: ſit, geitz, baltz, gant, hertz, aber lefzen, ſeufzen. Ainfachez f ouzloutend(nach jener regel) in auf, tif, hilf, ſcharf; auch inloutend nach kurtzen vocalen und bei voronzgehenden oder nachfolgenden

conſonanten: harfe, werfen, walf, apfer, tapfer, haft, heftig, hüfte, treflich, hof⸗

nung, lefze; ff nach langem vocal, wenn wider vocal folgt; hauffen, ſchwaiffen, ruffen, tiffer, ſtraffen, aber ſtreflich. 1 Auch bei Johann Fiſchart, deſſen Gargantua und tzwar die erſte ouzgabe

von 1575 ich vor mir habe, iſt ez nichts ouffallendes, daz er ai und ei genau

unterſchaidet, in der regel auch kain denungs⸗h ſetzt(es finden ſich aintzelne th und rh) und die ſubſtantiva bald mit grozen, bald mit klainen anfangsbuch⸗ ſtaben ſchreibt; doch walten die klainen vor. Aigen dagegen iſt im, daß er ſich aller ie enthelt: er ſchreibt tif, krig, ſpis, licht, vir, ſchiſen, ging, lik ſo gut wie

vil, zil, rigel, ſiben, diſer, glid, wigen, ſpilen, blib, ſchri; nur ainige ie im ouz⸗

lout: hie, ſte, die, aber viſelbige; anloutendez j in zde, itz, jgel, daz in den pronominibus jm, jn, ir auch ſonſt gewönlich iſt. Waz aber ſeine ſchreibart gantz

beſonders ouztzaichnet, iſt die vermeidung des c, ff und t nach conſonanten und

langen vocalen, mit mer ainſicht und conſequentz als bei Meliſſus, gantz in

unſerer heutigen weiſe; er ſchreibt volk, danken, ſtark; auf, ſchlaifen, ſaufen, hel⸗ fen, ſanft, werfen, kampf, luft; ſchweiz, kreuz, ganz, walzen, ſturz. Hier möchte

man wünſchen, daz ſeine tzeitgenozen an im ain muſter genommen hetten; allain noch biz in die mitte des XVIII. jarhunderts hinein ſchleppt ſich die entgegen⸗ geſetzte orthographie: nicht nur Chriſtian Wolff in ſeinenvernünfftigen Gedan⸗