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tzwaiten tail meiner abhandlung beſprechen, wo von den mizſtenden unſerer heutigen orthographie die rede ſein ſoll. Luther fand ferner ainen gebrouch des ff und c vor, der dem des mizverſtandenen tz enlich war: ainfachez f und k nur im anlout ainer ſylbe, ſonſt überall ff und c, in gaffen, hoffen, treffen wie n tieff, lauff, ſcharff, tapffer, in acker, wecken, trochen wie in volch, danck, werck.
Ez iſt begreiflich, wenn nun tzu diſen ſchon vorhandenen mizbreuchen neue irrtümer und willkürlichkaiten hintzukamen: die vermengung des i und ie(lieſt wie erkieſt, giebt wie liebt, ſpiel wie ſieh), in Oberſachſen die ſchreibung aines ainfachen s für ouzloutendez ß(gros, ſties), die einfürung des niderdeutſchen h tzur betzaichnung langer vocale, daz ſo die verwirrung groz werden muſte, und tzwar one etwaz für feinere mundartliche unterſchaidungen abtzuwerfen, da eben daz maiſte ouz mangel an feinerem gehör geſchah. Hette ſich die naigung, von der ich oben ſprach, in jeder provintz daz hochdeutſche nach der dort herrſchenden ouzſprache tzu ſchreiben, nicht maiſt bloz ouf die vocale beſchrenkt, ſo würden wir ſtatt jener gleichförmigen verwilderung der orthographie, ouz der ſo wenig tu lernen iſt, wenigſtens aine landſchaftlich verſchidene erhalten haben, die für die entwickelungsgeſchichte der mundarten und dadurch des hochdeutſchen, nament⸗ lich für gewiſſe punkte in der theorie der loutverſchiebung, von wert ſein könnte. Sprach man tz. b. damals ſchon tzwiſchen dem Taunus und dem Odenwald jedez ß wie ein mildez ouz, ſo daz reißen ganz wie raiſen klingt und die politzey an allen ecken in Darmſtadt daz wort ſtraze mit ſ ſchreiben darf? Gab ez auch damals in Nurnberg aſpirierte b und g, die deutlich tzwiſchen w und f, j und ch fallen und im anlout tonloſer ſylben geſprochen werden(lebhen, ſaghen), daz gh ſogar innerhalb fremder wörter auch vor betonten(Aughuſte, reghieren)? Gieng diz gh ſchon damals, je mer man ſich durch Franken hindurch dem Reine neherte, in die ſcherfere aſpirata kh(ch) über, wie man in Wisbaden und wei⸗ terhin ſteichen, neiche, auche, Chenitiv, Iphichenie, rechieren, rechiſter, Auchuſte ſpricht und keinen unterſchid zwiſchen zeigen und zaichen, raigen und raichen, taugen und tauchen hört, nach r und l aber in der regel j ſpricht: ſorjen, gebirje, galjen, foljen? Vor t verwandeln b und g ſich auch in der ſchriftſprache in f und ch: ſchrift, trift, gruft, macht, möchte, gewicht, bucht.
In oberdeutſchland geſchahen die erſten verſuche aintzelner ſchriftſteller, ſich ainer aigenen orthographie tzu bedienen. Hier ſind vor allem Paul Meliſſus und Johann Fiſchart tzu nennen. Jeuer in ſeinen Pſalmliedern(Haidelberg 1572. 8), ainem ſeltenen buch, von dem mir aber doch vier exemplare bekannt


