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buchſtaben, als man fordert, und lazen ſich, die nachgibigeren, um nicht antzu⸗ ſtozen, ire arbaiten von iren frauen corrigieren, falls inen diſe in orthographi⸗ ſcher bildung vorouz ſein ſollten. Waz dürfte auch den, der bedeutendez tzu ſchreiben waiz, hindern, tzu ſchreiben wie er will, ſo abwechſelnd, ſo heterogra⸗ phiſch, ſo perſpectiviſch wie möglich, wenn nur ain guter taichendeuter ſeine handſchrift tzu ſetzen bekommt.
Die orthographie verhelt ſich in der tat höchſt euzerlich zu dem inhalt des geſchribenen, ſie ſcheint erſt in tzwaiter inſtantz als form deſſelben betrachtet werden tzu dürfen. Unſere heutige orthographie namentlich offenbart wenig gaiſtige betziehungen, waz nicht hindert, daz ſie in der ſchule aines der erſten bildungsmittel iſt, da ire erlernung groze oufmerkſamkait und beharrlichkait fordert und der vornemere lerer, der überhaupt kaine blozen fertigkaiten beab⸗ ſichtigt, tzur bildung des orthographiſchen bewuztſeins gelegentlich allerlai kategorien entwickeln kann, die den verſtand ſcherfen, wenn ez auch nur diejenige abart deſſelben ſein ſollte, die man misverſtand nennt. Allein ez iſt alles ern⸗ ſtes tzu bedouern, daz ez daz verwerfliche, daz geradezu falſche und ſinnloſe an unſerer orthographie iſt, waz den grozen oufwand von tzeit und mühe in an⸗ ſpruch nimmt. Ez were möglich, daz nach tzurückfürung der orthographie ouf ire urſprüngliche warhait der gantze unterrichtsgegenſtand vilen lerern tzu ainfach erſcheinen dürfte; an ain rennen mit doppelten hinderniſſen gewönt, nemlich mit hinderniſſen an ſich und mit hinderniſſen an inen, mit hinderniſſen, die in der ſache ligen, und mit hinderniſſen, welche die in gedanken dabei ſtehen blei⸗ bende betrachtung gewert, würden ſie ez für ainen raub halten, wenn ſie jetzt diſer übungen entberen ſollten, und ſie könnten ſich geradetzu entſchliezen, die verlorene tzeit ouf waz bezeres tzu verwenden.
Andererſeits aber iſt ez gewis: ſo klain und geringfügig, ſo euzerlich, ſo unnütz mit ſchwirigkaiten überladen der gegenſtand uns erſcheinen mag, ſo beachtenswert müzen wir in finden, wenn wir in ouz dem geſichtspunct der ſitte betrachten. Die in ainer gegebenen tzeit herrſchende orthographie übt daſ⸗ ſelbe recht, wie jeder andere allgemain gewordene gebrouch. Die hauptregel der orthographie, die wir ſo ſcharf in kainer grammatik ouzgeſprochen finden, haizt ganz ainfach; ſchreib wie die andern. Cz lezt ſich dagegen wenig ainwendenz klalden wir uns doch auch wie die andern, beachten wir doch auch ſonſt alle formen, die daz geſellige leben euzerlich regeln, ja vor allem, ſprechen wir doch auch wie die andern. Die hochachtung vor den andern, die liebe zu inen, for⸗


