Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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wähnt. Die Handschriften stimmen aus dem Grunde, weil Sellisternien sonst nicht bekannt waren, auch keineswegs überein: es finden sich die Varianten sellist., selist. lectist. das letztere leicht erklärlich als willkürliche Correctur eines nicht hinlänglich unterrichteten Abschreibers. Lipsius wurde zu einer auf den ersten Blick bestechenden Conjectur geführt: non nefas suspicari solisternia, ut feminae receptissimo tunc ritu corpora abiecerint in humum et ad aras deorum repserint; und er beruft sich dabei auf Stellen wie Lucan. II 30, Stat. silv. V 1 162, Juv. 6 526, Tib. I 2 85, Sen. de vita beata 27, so dass an eine Form der supplicatio(eig.= kniefälliges Bitten) zu denken wäre, die der orientalischen roοονiνo entspräche. Das Wort solisternium scheint übrigens eine andere Bedeutung gehabt zu haben. Bei Festus s. solla steht: solla(1. solia) appellantur sedilia, in quibus non plures singulis sedere possunt ideoque soliar sternere dicuntur, qui sollisternium(bei Paulus dafür sellisternium) habent; soliar ist der Teppich über das solium(von deorum solium, dem erhabenen Sessel für die Götter in den Tempeln, spricht Cic. de har. resp. 27 57),wie toral über den torus. Tertullian ad nat. I 10 sagt: regibus quidem etiam sacerdotia adscripta sunt sacrique apparatus et tensae et currus et solisternia et lectisternia, laetitiae et ludi. Trotz dieser Zeugnisse ist kein Grund der bestbezeugten, jetzt von den Herausgebern allgemein aufge- nommenen Lesart sellisternium in der oben angeführten Stelle des Tacitus zu misstrauen. Oehler zu der angegebenen Stelle aus Tertullian erwähnt als Cyrillische Glosse:OεμQ⁴αςοεοσοοσ sellisternium und Tiron. Noten p. 164:sella, sellarius, sellisternium. Kein Zweifel, dass sellisternium als Wort und als Sache vorkam. Der Unterschied von lectisternium liegt klar zu Tage: statt eines Ruhebettes wurde ein Sessel durch Überdecken mit kostbaren Tüchern herge- richtet und auf diesen das Attribut oder Bild der Gottheit gesetzt; es ist eine Göttin, der in dieser Weise die Cärimonie vollzogen wird, während der Gott stets auf einem lectus ruht. Wir be- sitzen aber für diese Anderung des heiligen Brauches ein unmittelbares Zeugnis in dem in gleicher Weise sich an die nationale Sitte anlehnenden epulum Jovis in Capitolio, das wir oben besprochen haben. Val. Max. II 1 2 sagt: feminae cum viris cubantibus sedentes caenitabant quae consuetudo ex hominum convictu ad divina penetravit; nam Jovis epulo ipse in lectulum, Juno et Minerva in sellas ad caenam invitabantur(der Epitomator Nepotianus bemerkt hierzu: hinc illa pictura, discumbens Jupiter, sedentes Juno et Minerva), und fügt bitter hinzu: quod genus severi- tatis aetas nostra diligentius in Capitolio dquam in suis domibus conservat, videlicet quia magis ad rem pertinet dearum quam mulierum disciplinam contineri. Wir haben gesehen, dass das epulum Jovis, so verschieden es in seinem Ursprunge und seiner Bedeutung war, doch in seinem Cärimoniell viel Ahnlichkeit mit dem Lect. hat. Wenn wir nun bedenken, dass in jenem der heilige Brauch die in der Gewohnheit der Menschen vor sich gehende Wandlung mitgemacht hat, ¹²⁰) So

¹²⁰) Die älteste römische Sitte war, bei Tische zu sitzen, wie die Griechen thaten zur Zeit Homers. Maiores nostri sedentes epulabantur, sagt Serv. zu Verg. A. VII 176; ebenso Isid. orig. XX 11 9; apud veteres Romanos non erat usus accumbendi, unde et considere dicebantur. Postea, ut ait Varro de vita populi Romani, viri discumbere coeperunt, mulieres sedere. quia turpis visus est in muliere accubitus. Wann die Sitte des Liegens, das accubare, ein- gedrungen ist, lässt sich mit Bestimmtheit nicht feststellen, und aus so allgemeinen Hinweisen wiemaiores nostri ist eine Zeitgrenze schwer abzuleiten. Zur Zeit des älteren Cato war es längst das gewöhnliche; ja es kam damals sogar schon vor, dass man bei schwelgerischen Gastmählern Buhlerinnen auf dem nächsten Lectus ruhen liess(Liv. XXXIX 43: illam infra eum accubantem). Doch forderte die gute Sitte immer, dass Frauen, wenn sie überhaupt zum Gastmahle zugezogen wurden, am Tische sassen.