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mächtig vorgenommene Weihe wurde daher vom Collegium der Pontifices für ungültig erklärt. ¹¹¹)„ Mit- unter wurde einem Gotte ein Polster geweiht in der Nähe des Tempels eines andern Gottes. ¹¹²½) Fast in jedem Tempel aber wurde schliesslich das pulvinar geradezu ein so erforderliches, aber auch so wichtiges Stück der Ausstattung, dass der vulgäre Sprachgebrauch pulvinar und templum ver- wechselte. ¹¹³⁴) Und so ist denn gewiss die nicht selten erscheinende Angabe, dass Buss- und Dankfeste— denn beides bedeutet supplicatio— circa omnia pulvinaria veranstaltet wurden, so zu verstehen, dass ad omnia templa von der betenden Menge gewallfahrt wurde. ¹¹⁴)
So wurde das Lect. eine im römischen Cult gewöhnliche Cärimonie. Nach dem griechischen Ursprunge muss man auch ohne besondere Versicherung der Quellen annehmen, dass es Graeco ritu von den Teilnehmern begangen wurde. Die musikalische Begleitung der Festfeier wurde mit der Leier gegeben, ¹¹⁵) dem Instrument, das besonders im delphischen Culte reiche Verwendung fand. Und das Leierspiel galt im römischen Ritual, trotz seines häufigen Gebrauches, als etwas Fremdes,. ja oft Unschickliches. ¹¹⁶) Dennoch war die Feier des Lect. in der Kaiserzeit so eingebürgert, dass man es auch Romano ritu beging; indessen war dies noch in dem 2. nachchristlichen Jahrhundert keineswegs selbstverständlich, wie sich daraus ergibt., dass M. Aurelius Antoninus der Philosoph im Marko- mannenkriege zur Abwehr der drohenden Gefahr, während gleichzeitig eine Pest wütete, bei sieben- tägigem Lect. den Romanus ritus besonders anordnete. ¹*) Eine andre Anlehnung an die nationale Sitte zeigt sich ein Jahrhundert früher in einer eigentümlichen Form des Lect. Tacitus ¹¹⁸) erzählt nemlich von einem sellisternium. Nach dem Brande Roms unter Nero im Jahre 64 wurden- nachdem man für den Wiederaufbau Anordnungen und Vorkehrungen getroffen hatte, auch zur Besänftigung der erzürnten Götter Sühnmittel gesucht: man befragte die sibyllinischen Bücher, ex quibus supplicatum Vulcano et Cereri Proserpinaeque ac propitiata Juno per matronas, primum in Capitolio, deinde apud proximum mare, unde hausta aqua templum et simulacrum deae perspersum est; et sellisternia ac pervigilia celebravere feminae, quibus mariti erant. Wir haben hier also eine Sühnung, ausschliesslich durch Matronen bewirkt, und Cärimonien, die haupt- sächlich der Juno, deren Standbild in der einen der drei cellae des capitolinischen Tempels stand. galten; ihr wurden sellisternia ac pervigilia dargebracht. Die Pervigilien waren griechische Sitte (aergideg oder marruri), Frauen eigentlich nur gestattet bei der alljährlichen nächtlichen Opfer- feier der Bona dea. ¹¹⁹) Die Sellisternien, die hier zu Ehren der Juno mit ihnen verbunden wurden, werden, wie es scheint, an dieser Stelle das einzige Mal als historisches Ereignis er-
¹1¹¹) Cic. de dom. 53 136.
¹¹²) Quint. I 7 12: pulvinar Solis, qui colitur iuxta aedem Quirini.
¹¹3) Serv. Verg. G. III 533:(abusive) pulvinaria pro templis ponimus, cum sint proprie lectuli, qui sterni in templis— consuerunt.
114) z. B. Cic. Cat. III 10 33. Liv. XXII 1. XXX 21. Tac. ann. XIV 12.
¹¹5) Cic. Tusc. IV 2 4: et deorum pulvinaribus et epulis magistratuum fides praecinunt.
1¹6) Mommsen röm. Gesch. I5 230 Anm.
¹¹7) Jul. Capit. M. Ant. 13: tantus terror belli Marcomannici fuit, ut undique sacerdotes Antoninus acciverit, peregrinos ritus impleverit, Romam omni genere lustraverit retardatusque a bellica profectione sit. Celebravit et Romano ritu lectisternia per septem dies. Tanta autem pestilentia fuit, ut vehiculis cadaverasint exportata serracisque.
11s) ann. XV 44.
¹45) Cic. de leg. II 9 21.


