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bei der capitolinischen Festfeier im Circus die Attribute, nicht die Götterbilder auf dem pulvi- nar niedergelegt wurden und unter diesem Symbol die Götter an ihrem Feste sich beteiligend gedacht wurden, so ist nicht ausgeschlossen, dass ähnliches auch bei den Lectisternien, namentlich der älteren Zeit wird stattgefunden haben.— Hatten nun die Bilder, Büsten oder Attribute ihren Platz auf dem Pfühle gefunden, dann wurden ihnen auf den Tischen Schüsseln mit den ihnen zugedachten Stücken des Opfertieres sowie Früchte¹⁰³⁴) vorgesetzt und diese Zurüstung der Mahlzeit, wenn die Feier mehrere Tage dauerte, mehrfach erneut. Die Opfertiere, welche beim Lect. geschlachtet wurden, scheinen maiores hostiae, nicht lactentes gewesen zu sein; wenigstens werden jene gewöhnlich angegeben, wenn überhaupt das Opfertier erwähnt oder wenn desselben bei den sonstigen mit dem Lect. verbundenen Peierlichkeiten gedacht wird. ¹½) War doch auch das Lect. ein Fest von ausserordentlicher Bedeutung, mit dem ein grosser Festschmaus, ein convivium publicum, überhaupt eine Feier weitester Kreise verbunden war: bei dem ersten der- artigen Feste fand zugleich eine Art Versöhnungs- und Verbrüderungsfest im ganzen Volke statt, bei dem zur Verherrlichung der nach Rom eingeholten Magna Mater veranstalteten wurden die Megalensischen Spiele eingesetzt und dgl. Wenn nun, was bei den meisten ausserordentlichen Lectisternien der Fall war, der Tempel des Gottes nicht zu der Festfeier ausreichte, namentlich wenn im Lect. mehrere Götter vereinigt waren, so wurden die Polster auf den zu diesem Zwecke besonders geweihten Stellen der öffentlichen Plätze, in foris publicis¹*⁸) aufgestellt. Hier nahte sich dann das Volk in grossen Massen, in einer allgemeinen supplicatio— die oft ausdrücklich in Verbindung mit dem Lect. erwähnt wird—; es war kein Fest für einzelne Bevorzugte, für einen Stand oder eine Gens, sondern das römische Volk in seiner Gesamtheit, insonderheit die Plebs, nahm daran teil, verrichtete seine Andacht und flehte für Rettung des Vaterlandes. Sehr bald wurde das Lect. eine so allgemeine gottesdienstliche Sitte, dass in manchen Tempeln den grössten Teil des Jahres hindurch die Bewirtung der Götter veranstaltet wurde, wie wir es schon aus dem Jahre 191 erfahren. ¹⁰ ⁸*) Ja schon zur Zeit des 2. punischen Krieges, wo, wie wir gesehen haben, durch das Lect. noch die Einführung griechischer Culte gefeiert wurde, gab es eine ganze Anzahl Tempel, in denen den Göttern ein pulvinar geweiht war und wo dem Herkommen nach Lect. stattfinden konnten und auf Anordnung auch unter grosser Beteiligung begangen wurden. Bei dem Lect. des Jahres 218, als die Juventas-Hebe in den Cult aufgenommen wurde, fand ein Bitt- gang des gesamten Volkes statt circa omnia pulvinaria, an allen für Lectisternien bestimmten Stellen;¹) also müssen damals schon eine ganze Reihe von Göttern mit dieser Cärimonie bedacht und diese selbst etwas Gebräuchliches gewesen sein. Wenn ein Gott erst ein pulvinar besass, d. h. mit einem Lect. gefeiert wurde, so weihten auch Einzelne ein heil. Polster. Doch bedurfte es hierbei wie überall strenger ritueller Formen; und wenn an einem öffentlichen Orte, nicht in einem schon stehenden Tempel, ein neues pulvinar geweiht werden sollte, so konnte das nur auf Beschluss des Volkes geschehen. Eine von der Vestalin Licinia im Jahre 123 eigen-
¹06) z. B. oleae Liv. XIL 59.
10) z. B. Liv. XXII 10. XXXVI 1. XLII 30. 108) PLiv. XL 59.
109) Liv. XXXVI 1. XLII 30.
110) Liv. XXI 62.


