Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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behandelt und bedient werden,**) eine von den ältesten Gottheiten völlig verschiedene Natur der drei capitolinischen Götter erkennen lässt: so liegt die Annahme nahe, dass das epulum Jovis erst unter dem Einfluss des mehr und mehr gewöhnlich werdenden Lectisterniums eine diesem ähnliche Form angenommen hat, ohne je als solches betrachtet zu werden. Ursprünglich war es, wie überhaupt der öffentliche Gottesdienst ein Abbild der Verehrung der Familien- götter ist, eine auf den Staat übertragene oder wenn man will von diesem aufgenommene Verehrung des Jupiter Dapalis, den in seinem Hause der fromme Hausvater mit einem Mahle, einer daps, bedachte.*)

Wenden wir uns nun zur Besprechung des Ritus der Lectisternien, wobei wir eine all- mähliche Entwicklung und Verbreitung der Cärimonie kennen lernen werden. Von dem Vor- gange im einzelnen haben wir zwar nicht eine solche eingehende und anschauliche Kenntnis wie von manchen andern recht vielseitigen feierlichen Akten, z. B. von dem Opfer des bei den Schrift- stellern nicht viel genannten Collegiums der Arvalbrüder, das in umständlicher Ausführlichkeit bis in die kleinsten Einzelheiten in den uns erhaltenen acta fratrum arvalium be- schrieben ist.¹²) Dennoch kann man versuchen ein einigermassen anschauliches Bild zu gewinnen.

Hatten die duumviri, später decemviri oder quindecimviri sacris faciundis, die Orakelbe- wahrer, aus den sibyllinischen Büchern die Notwendigkeit eines Lectisterniums ersehen und auf ihre Meldung hiervon der Senat ein solches befohlen, so wurde unter ihrer Aufsicht die heilige Cärimonie vorgenommen; denn wie sie die Pfleger des Cultes der aus der Fremde einwandernden Götter waren, so hatten sie auch diese durch die sibyllinischen Bücher eingeführten Feiern zu leiten. Es wird ausdrücklich bezeugt, dass die durch die heiligen Bücher angeordneten Lect. von den Orakelbewahrern ausgerichtet wurden: gleich beim ersten erzählt Livius(V 13): Duumviri sacris faciundis lectisternio tunc primum... facto... Apollinem... atque Ne- ptunum tribus... stratis lectis pPlacavere; ebenso beim Lect. des Jahres 217(XXII 10): lecti- sternium per triduum habitum decemviris sacrorum curantibus. Eine ausserordent- liche Massnahme war es, dass bei einem der Lect., welche im ersten Jahre des Hannibalischen Krieges angeordnet wurden, der Senat die Ausstattung übernahm. ²*) Mit der Anordnung des eigentlichen Lect. hing übrigens die Ausrichtung der damit verbundenen Bewirtung des Volkes zusammen. Dass in der Folgezeit, als die Cärimonie eine in vielen Tempeln regelmässige, ja oft ununterbrochen stattfindende Feier geworden war, die Unterhaltung des Lect. den besonderen Priestern oder Dienern des Tempels zukam, ist wohl anzunehmen. Mitunter wurden mit einer besonders reichlichen Ausstattung solcher regelmässigen Lect. die Consuln ausdrücklich vom Senat beauftragt, und dann fand jedesmal ein Opfer maioribus hostiis statt.*³) Die bei dem Lect. zunächst erforderlichen Gegenstände gehörten zum Tempelinventar: es waren die feststehende ara und ein pulvinar, wenn dem einzelnen Gotte in seinem Heiligtum das Lect. galt, statt der ara eine bewegliche mensa, wenn es ausserhalb des Tempels veranstaltet wurde. Schon der Ausdruck

*³) Vergl. besonders die eingehende Darstellung bei Augustin. de civ. dei VI 10. 5°) Marquardt a.. O0. *¹) C. J. L. I 28. Orelli 2265. Zell, Handb. d. röm. Epigr., delectus 383. ⁵²) Liv. XXII 1: lectisternium imperatum et eum lectum senatores straverunt. 53) Liv. XXXVI 1. XLII 30. 3*