Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

wissermassen zu Gaste gebeten waren; man stellte für die Laren Speisen auf den Herd,*) dem Jupiter bereitete nach Catos Weisung der Landmann im Frühjahr und im Herbst ein Mahl (daps daher Jupiter dapalis oder dapilis, auch Jupiter epulo*)), auch dem Feldgotte Faunus stellte der Landmann Erstlinge seiner Frucht hin,**) ein Brauch, der auch in anderen Religionen Analogien zeigt'e). Wenn sich somit Berührungspunkte mit vorhandenem Gult boten, konnte das Lect. um so eher Verbreitung finden. Am meisten Ahnlichkeit nun hat dasselbe mit einem der am reichsten gefeierten Feste, dem epulum Jovis in Capitolio, und beide sind daher gar näufig mit einander verwechselt worden. Das Opfermahl des Jupiter nahm in dem durch die Tarquinier eingeführten capitolinischen Gottesdienst eine Hauptstelle ein. Ausdrücklich aber wird be- zeugt: Jovis epulum ftuit ludorum causa:¹) das Fest wird ludorum epulare sacrificium genannt.*²) Die Ausführung, die zuerst zu den Amtshandlungen der pontifices gehörte, wurde mit dem wachsenden Reichtum des Cultes und der steigenden prachtliebe ein Hauptteil des Fest- programmes; die Feste wurden auch näufiger nötig und in ähnlicher Weise andern Göttern zu Ehren veranstaltet, so dass die pontifices für die vielseitige Beschäftigung nicht mehr aus- reichten. Zu ihrer Entlastung wurden im Jahre 196 triumviri epulones eingesetztꝰ*), deren Zahl später auf 7, zur Zeit Cäsars auf 10, ja unter den Kaisern noch höher stieg. Immer aber plieben sie in engstem Zusammenhange mit dem Cult des Jupiter, sie stehen in Abhängigkeit von den pontifices, den Hütern des nationalen Gottesdienstes.*) Mit dem Lect. haben sie so wenig etwas zu thun, wie das epulum Jovis mit demselben identisch ist; nur wenn man letztere beide ver- wechselt, kann man die epulones mit dem Lect. zusammenbringen.³) Dass diese Verwechslung möglich war, erklärt sich daraus, dass die Cärimonie des epulum Jovis in der historisch be- glaubigten Zeit Xhnlichkeit zeigt mit dem Ritus des Lect.: es wurde den drei capitolinischen Gottheiten ein Mahl bereitet und ihre sorgfältig ausgeputzten Statuen auf Polstern niedergelegt. die des Jupiter auf einem lectus, die der Juno und Minerva auf sellaesé6), und es gehörte zu den Vorrechten der Senatoren bei diesen Gelegenheiten auf dem Capitol ein von staatswegen veran- staltetes Festmahl einzunehmen.*) Da aber das epulum Jovis erst in der Zeit des 2. punischen Krieges die Ausbildung seines Ritus, in Verbindung mit den ludi plebeii, bekommen zu- haben scheint,**) dieser Ritus, in welchem die Gottheiten ganz als menschliche Personen gedacht und

*) Klausen, Aeneas und die Pen. II 632.

¹³) Cato r. r. 50 131. 132.

2*) Tib. I 1 13.

so) Vergleichen lässt sich hiermit das der germanischen Holda nach der Ernte dargebrachte Opfer: das für die Göttin auf dem Felde zurückbleibende Bündel Flachs.

) Liv. XXV 2. 10. XXVII 36. XXX 39. XXXI 4 und sonst.

³²) Cic. de or. III 19 73.

83) Liv. XXXI 42 und Cic. a. a. O.

34) Cic. de har. resp. 10 21: vosque pontifices, ad quos epulones Jovis O0. M., si quid est praetermissum aut commissum, affernnt.

s5) So halten beide für identisch: Billerbeck zu Cic. de or. III 19 73, Fabri zu Liv. XXI 62, überhaupt die Herausgeber vielfach, auch Baumstark in Pauly Realencycl. unter Lect.(nach den Stellen zu schliessen). Vor der Verwechslung warnt schon Drakenb. zu Liv. XXII 10 9; auch Marquardt scheidet.

36) Val. Max. II 12: Jovis epulo ipse in lectulum, Juno et Minerva in sellas ad cenam invitabantur.

s*) Epulandi publice ius Suet. Aug. 35.

ss) Marquardt röm. Staatsverw. III 334 f.