Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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griechischen Ursprungs sind und demzufolge nur griechischen Cult überliefern können; gegen die hier vorgetragene Vermutung wendet er aber noch ein: dass es eine willkürliche Annahme sei unter den dargestellten Figuren Selige, nicht Menschen, zu erblicken; dass ein Schluss von jenen auf Götter nicht zulässig sei; dass gleiche Darstellungen auch auf griechischen Vasen vorkommen. Den griechischen Ursprung möchte auch Preller**) nicht anerkennen, der die Lect. aus altem und volkstümlichem Brauche herzuleiten sucht; er hält die Vergegenwärtigung der Götter durch pulvinaria mit ihren Attributen und die Sitte, die Götter in dieser Weise zu speisen, für sicher altitalisch. Er erinnert, dabei an Stellen, die allerdings auf den ersten Blick Beweis- kraft zu enthalten scheinen: Plin. h. n. XXXII 20, wo in einer Verordnung des Numa steht: ut convivia publica et privata ad pulvinaria facilius compararentur; Serv. Verg. A. X 76: Varro Pilumnum et Picumnum infantium deos ait eisque pro puerpera lectum in atrio sterni, dum exploretur an vitalis sit qui natus est; Serv. Verg. ecl. 4 62: nobilibus pueris editis in atrio domus Junoni lectus, Herculi mensa ponebatur; Tertull. de an. 39: in partu per totam heb- domadem Junoni mensa proponitur(womit zu vergleichen ist, was Macr. Sat. III 11 6 mitteilt). Zweifellos aber muss die Überlieferung des Livius für uns massgebend sein; es ist einfach unthunlich an den Worten desselben, mit denen er in ganz bestimmter Weise an vier verschiedenen Stellen der ersten Anwendungen des Lect. in Rom ausdrücklich gedenkt, zu zweifeln; vielmehr ist zu versuchen, ob nicht scheinbar widersprechende andere Berichte auf irgend eine Weise damit in Einklang zu bringen sind. Die Erklärung, die solchen Widerspruch hebt, gibt Marquardt*), welcher ebenfalls anerkennt, dass mit den Einwendungen Prellers der klare und unzweideutige Bericht des Livius nicht aus der Welt geschafft wird.In einer Zeit, sagt er,wo die Lectisternien in Rom etwas Gewöhnliches geworden waren, konnte das altrömische Speis- opfer mit ihnen sehr wohl identificiert und namentlich der Ausdruck pulvinar auf Zeiten über- tragen werden, in welchen derselbe wirklich noch nicht existierte. Auch steht nichts der An- nahme entgegen, dass man, nachdem einmal das Lect. Aufnahme gefunden hatte, dieselben für vorübergehende Zwecke, z. B. während der Geburt eines Kindes, im Hause anwendete. Das Lect. war aber im Laufe der Zeit eine so gewöhnliche Cärimonie geworden, dass man der ersten Einführung und des fremden Ursprunges desselben sich nicht mehr bewusst war und dass man es auf Zeiten und Verhältnisse übertrug, die davon schlechterdings nichts wussten. Wie könnte sonst z. B. Ovid**) dem Romulus bei seiner Apotheose pulvinaria alta zuschreiben? Wie könnte Valerius Maximus**) in der sagenhaften Erzählung von dem Ursprunge der Säcularspiele den sabinischen Landmann Valesius in der Königszeit dem Dis pater und der Proserpina, deren unterirdischen Altar auf dem Marsfelde er entdeckte, ein Lect. darbringen lassen? ⁷⁴)

So sehen wir, dass alles dafür spricht, dass die Lect. nicht ursprünglich römisch gewesen sind. Indessen konnte sich der neue Cult wohl an vorhandenen römischen Brauch anlehnen. Bei jeder Mahlzeit pflegte man den Göôttern von den Speisen einen Teil zu opfern, so dass jene ge-

¹²) Röm. Myth. IL 150 Anm. 1.

*³) Röm. Staatsverwaltung III 47 Aum. 1.

7⁴) Met. XIV 827.*⁸³) II 4 5.

*) Und bezeichnend genug die beglaubigte Überlieferung führt die Anordnung der Säcularspiele auf die sibyll. Bücher zurück. Varro bei Censorin. 17 8; schol. Cruq. ad Hor. carm. saec.(Vvgl. H. Schütz zum carm. saec.). Liv. ep. 49.