Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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Tradition von Hercules, den Evander auf dem Palatin bewirtete;**) und die Potitii und Pinarii, die Priesterschaften des Hercules, lernten damals griechischen Opferdienst. Eine auffallende Aehn- lichkeit tritt also zwischen dem griechischen Theoxenium und dem römischen Lectisternium unver- kennbar hervor. Aber es sind beim griechischen Götterdienst wirkliche Lectisternien, wie Mar- quardt**) erinnert und zuerst eingehend begründet hat, viel allgemeiner in Gebrauch gewesen, als man gewöhnlich annimmt: wir erfahren gelegentlich teils aus Inschriften teils aus wenig beachteten Bemerkungen der Schriftsteller, dass einzelnen Göttern rhivai, pulvinaria, geweiht wurden, dass das Qnινεανεα ⸗i drαενςα ri irng v vis v00 l1oso Tijc reuiεει oder rij Aivn derd roνοεας 10&,, zu Ehren des Zeus Soter und der Athene Soteira, des Pluton, der Eirene, des Heros Aias in Athen vorkam, dass in Rhodus dem Harmodios und Aristogeiton, in Alexandria der Aphrodite und dem Adonis Lectisternien bereitet wurden. Zu den von Marquardt gebrachten Beispielen liesse sich noch hinzufügen, dass auch im ägyptischen Cult, wohl durch Einfluss und Verbindung des griechischen Brauches, ein Lect. erwähnt wird bei Juven. 15 42 ff.: positis ad templa et compita mensis pervigilique toro, quem nocte ac luce iacentem septimus interdum sol invenit.*¹*) Wir finden somit im griechischen Cult Vorbild und Beispiel für die Lectisternien. Die in Griechenland treilich meist übliche Form der Theoxenien, wobei eigentlich der Gott der bewirtende war, ahmte man nicht nach. Die Veränderung der Cärimonie charakterisiert den Römer. Wenn es schon an sich der römischen Auffassung nicht entspricht, den Gott sich als den gastlichen Wohlthäter vorzu- stellen, so waren überdies die Anlässe, die zur Aufnahme des neuen Cultgebrauches führten, der Art, dass man auf neue Mittel aus sein musste, Aussöhnung und Wohlwollen der Götter zu er- kaufen, dass man dem Gotte reichlich und mehr als bisher gab, kurz dass man den Gott mit festlichem Mahle bewirtete, nicht sich von ihm bewirten liess. Die einmal aufgenommene Form aber musste für alle Zeiten beibehalten werden, damit den Göttern später nichts vorenthalten werde, was ihnen früher gewidmet war.

Wie nun der vereinzelte Versuch gemacht ist den sibyllinischen Büchern die griechische Herkunft abzusprechen, so hat das Bestreben, in den römischen Mythen oder religiösen Einrich- tungen etruskischen Einfluss zu suchen, dazu verleitet, auch das Lectisternium auf etruskischen Ursprung zurückzuführen. Ein französischer Gelehrter, F. Robiou(rech. sur P'origine des lecti- sternes, Revue archéol. Juin 1867 S. 403 f.) sucht den Beweis zu bringen, dass das Lect., wenn auch durch die sibyllinischen Bücher eingeführt, doch nicht unmittelbar griechischen, sondern etruskischen Ursprungs sei; der Gebrauch sei in der Blütezeit des etruskischen Stammes auch nach Campanien, nach Cumae, gekommen und von da durch Vermittlung der sibyllinischen Bücher erst nach Rom eingeführt. Als Beweis für seine Ansicht gibt er an, dass in etrusk. Gräbern sich Gastmähler dargestellt finden, bei denen die Gäste auf Betten liegen; dies, meint er, seien Gastmähler der Seligen, der vergötterten Seelen der Gestorbenen, den Mählern der Götter nach- gebildet. Diese Annahme weist treffend zurück Petersen, das Zwölfgöttersystem der Gr. und Röm. 1I 55(Hamb. 1868). Auch ihm ist das durchschlagende Moment, dass die sibyll. Bücher

69) Dionys. I 40 p. 102 Reiske.

) Röm. Staatsverwaltung III 46.

*¹) Auch Hertzberg zu dieser Stelle erblickt darin ein Lectisternium.(Juv. Sat. übers. von Hertzberg und Teuffel, Stuttg. 1867, S. 338.)