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Die decreta Sibyllae gelten geradezu als Apollinis beneficiaé). Dem Collegium, dem die Obhut der sibyllinischen Bücher übertragen war, standen zwei der griechischen Sprache mächtige Dol- metsche zur Verfügung. Als im Jahre 83 in Sullas Kampfe gegen die Marianer das Capitol niederbrannte und dabei der kostbare Schatz von Götterratschlägen zu grunde ging, liess man in griechischen Städten und Gebieten vorhandene Sprüche sammeln, um einen Ersat⸗ zu ge- winnen— in Samos, Ilium, Erythrae an der ionischen Küste Kleinasiens, auch in Afrika. Sicilien und den italischen Colonien wurde nachgespürt. ⁵⁴) Kurz, dass die sibyllinischen Orakel griechischen Ursprungs waren, ist nicht zu bezweifeln; und mit der von Ihneës) vorgetragenen Vermutung, dass ihr ältester Grundbestand bei Einführung durch die Tarquinier die Sprüche der wenig bekannten etruskischen Nymphe Begoë gewesen seien, werden die Gründe, welche für griechische Abkunft sprechen, nicht entkräftet werden; wie wir denn auch gesehen haben, dass es griechische oder griechisch-asiatische Götter waren, deren Cult durch sie geboten wurde: Apollo, Latona, Aesculap, die Göttermutter u. a. Dann steht aber ebenso fest, dass sie griechischen Cult oder wenigstens Anlehnung an solchen anordnen müssen; und in der That ist kein italischer Brauch in den sibyll. Büchern mit Bestimmtheit nachzuweisen. Wirklich aber finden wir in dem griechischen Cult eine ganz ähnliche Worm der Götterverehrung wie das Lect.; allerdings wird sie nicht so oft erwähnt, namentlich nicht so oft im Zusammenhang mit der politischen Geschichte genannt— natürlich, denn dem Griechen war die Religion überhaupt nicht so eng mit Staats- und Rechtsleben verwachsen wie dem Römer: es sind die sogenannten Theoxenien, Bewirtungen der Götter, die bei bestimmten heiligen Ver- anlassungen in eigentümlicher Form vorgenommen wurden. ⁵⁰) Gastgeber waren dem einzelnen Gott seine Verehrer, der Gott selbst aber lud andre Götter zu seinem reich besetzten Tische; in dieser Weise wurden z. B. die Theoxenien des Apollo zu Delphi begangen, wo der gastliche Gott auch einzelnen um seinen Dienst verdienten Menschen, Pindar und seinen Nachkommen, als Zeichen besonderer Begnadigung eine„a μεες an Speise und Wein zuerteilte— der feierliche Spruch lautete: IIiν⁴ασςσοςσ d 1εοοπισ Qχαάααιριι τς το deinvo 1 9ε½.6) Aehnlich wurden Theoxenien des Apollo gefeiert zu Pellene in Achaja, auf Tenus und Parus; besonders berühmt aber waren die Theoxenien der Dioskuren, die in Agrigent alljährlich zur Zeit der längsten Tage abgehalten wurden, wo die Turdaoida pdεειιι) die Erde durchwandelten und ihre Freunde besuchten.
Wir haben in diesen griechischen Festfeiern entschieden ein Vorbild für die Lectisternien zu erblicken. Mit der griechischen Anschauung, dass der Gott die ihn verehrenden Menschen zu seinem Mahle ladet, konnten die Römer schon früh durch Verkehr mit den Griechen Unteritaliens bekannt werden; diesen waren gewiss die Theoxenien von Agrigent ebenso wenig fremd, wie sie es, nach Pind. Ol. 3, im Mutterlande waren. Und nichts Anderes als ein wirkliches Theoxenium bietet die
¹u2) Flav. Vopisc. Aurelian. 19 4.
³³) Tac. ann. VI 12. Dionys. IV 62 p. 793 Reiske.
²³) Röm. Geschichte I 67 Anm. 6.
²³) Preller zu Polem. Perieg. p. 67: Parabantur hoc festo epulae sacrae, quibus peculiariter uteretur is deus, cui templum aliquod et oppidum sacrum erat; sed accubabant etiam alii dei, qui ab illo tamquam invitabantur eiusque Sevot erant, unde Hesychius: 9*οεςενια ουm⁹Ʒοτ mναοοι rolg εο⁷g.
²) K. F. Hermann. gottesdienstl. Altert. d. Gr. 2. Aufl. S. 447.
⁴³) Pind. Ol. 3 1; dazu Schol.: pdoseoug Leyer αodg did 10 guατνωάα-τ εοοτι rd Oννα, eig)„ r0.10 Ser uεO ν xνα T⁴⁴οσνοννσεςα επμ̈ν ντο.


