Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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geborenen als die Grosse Mutter galt und den man durch Vermittlung des Königs Attalus von Pergamum, des Freundes Roms, ausgehändigt erhielt, feierlich eingeholt, mit grossem Gepränge und allseitiger Teilnahme der Bürgerschaft, namentlich der vornehmsten Matronen, in die Stadt und zum Tempel der Victoria auf dem Palatinus hinauf geleitet(der Göttin, deren Hilfe man gerade jetzt in so hohem Masse bedurfte) und der Göttin ein Lect. dargebracht, zugleich auch die Spiele eingesetzt, die zu Ehren der Merα⅜νν AMijrye fortan die Megalensia hiessen.*) Der Bau eines eigenen Tempels der Göttin wurde noch in demselben Jahre in Angriff genommen, 13 Jahre später 191 geweiht.*³) Es ist einer der fremdartigsten Culte, der hier in Rom ein- geführt wird; denn nichts war dem römischen Charakter weniger angemessen, als die orgiastische- Verehrung, welche der Göttermutter von den Gallen, ihren verschnittenen Priestern, dargebracht wurde und welche alle Gefühle in zügelloser Raserei aufgehen liess. Bei allem Ansehen, welches die Göttin genoss, wurde ihr Cult von den Römern stets mit einem gewissen Schauder betrachtet ²), kein Bürger durfte sich unter ihre priesterschar aufnehmen lassen. Und doch muteten die si- vyllinischen Bücher dem Römer einen seiner Natur so antipathischen Cult zu,*) und dieser Cult wurde durch ein Lect. eingeweiht. Mit der Einführung dieser phrygischen Religion war jedenfalls in Rom der grösste, der entscheidende Schritt gethan in der Aufnahme fremder Götterverehrung, und nicht zum wenigsten hat dieser Umstand zu der von da an eindringenden Verweichlichung der Sitten beigetragen.

Die Besprechung der Einzelfälle von Lectisternien, die wir bis hierher gegeben haben, schien notwendig; denn die Lect. von 399 bis 204 lassen sich als die Periode der Einführung dieser Cärimonie ansehen: sie sind sämtlich entweder für die Aufnahme eines oder mehrerer neuer Gottheiten oder wenigstens für die Erweiterung des Cultes einer schon vorher verehrten Gottheit(Hercules) von Bedeutung. Wir haben aber zugleich gesehen, dass die sämmtlichen Lect. auf Weisung der sibyllinischen Bücher gefeiert worden sind. Nun stehen die sibyllinischen Bücher durchaus unter apollinischer Einwirkung bringt doch gleich das erste Lect. dem Apollo und seiner Trias eine Culterweiterung, ihr griechischer Einfluss, ja ihre griechische Herkunft ist nicht anzuzweifeln. Im ganzen Altertum wird die Erzählung von ihrem Ursprunge mit den eingewanderten Tarquiniern(Superbus oder Priscus) in Verbindung gebracht, den Nachkommen des Demaratus von Corinth; und wenn eine vereinzelte Überlieferung*) sie unter den Consuln nach Rom gelangen lässt, so ist doch ihre Herkunft aus dem griechischen Cumae fast nirgends zweifel- haft, wird entweder z. B. von Vergil vorausgesetzt oder ausdrücklich angegeben*).

5) Liv. XXIX 10. 11. 14.

¹8) Liv. XXIX 37. XXXVI 36.

5*) Catull. 63 91 ff.:

Dea magna, dea Cybele, Dindymi dea domina, Procul a mea tuus sit furor omnis, hera, domo. Alios age incitatos, alios age rabidos.

60) Bouché-Leclerq, hist. de la divination dans l'antiquité, IV 298: la Sibylle infligea méme aux Romains, sans doute pour leur donner un nouveau trait de ressemblance avec les Athéniens, une des superstitions les plus antipa- thiques au génie national, le culte orgiastique de la Grande-Mère Phrygienne.

) Suidas s. 4ορέαα.

¹²) Vgl. Lange, röm. Altertümer I 387 f.