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von staatswegen ein Lect. in Caere veranstaltet, jedenfalls zu Ehren der Fortuna, der auch eine supplicatio, ein Buss- und Bittfest angeordnet wurde. In Rom aber wurde ausser anderen aus- gesuchten Festlichkeiten, an denen sich das ganze Volk ohne Unterschied des Standes oder Ge- schlechts beteiligte, der Juventas ein Lect. gefeiert. Diese hatte schon zur Königszeit einen Tempel auf dem Capitol; jetzt aber erscheint sie in neuer Bedeutung: wenn wir erfahren, dass unter den übrigen damals veranstalteten Cärimonien eine supplicatio nach dem Tempel des Hercules eine Hauptstelle einnimmt, so werden wir in der mit einem Lect. bedachten Juventas die Gemahlin des Hercules, die griechische Hebe, zu erblicken haben. ¹³)
Bald erneuerten sich die Gefahren des Staates in dem grossen Kriege; wieder waren es prodigia ex pluribus locis nuntiata, zu deren Abwendung die sibyllinischen Bücher im Jahre 217 zusser andern Cärimonien ein Lect. anordneten. Die Götter, deren Verehrung und Versöhnung mit reichen Geschenken beschlossen wurde, waren Jupiter, Juno und Minerva;*) insbesondere wurde der bei den Matronen in hohen Ehren stehenden Juno regina geopfert, die auf dem Aventin seit ihrer Uberführung von Veji ihr Heiligtum hatte; ihr galt auch das Lectisternium. Schon im Monat Dezember 218 hatte ein solches stattgefunden ad aedem Saturni, verbunden mit einer Speisung des ganzen Volkes(convivium publicum). Dies Saturnusfest wurde Tag und Nacht unter lautem Schalle, mit dem immer wiederholten, zu ausgelassener Freude entfesselnden Rufe: io Saturnalia! begangen und der Tag für alle Zeit als Festtag beibehalten. So wurde damals in der schweren Zeit des Krieges das Fest der Saturnalien infolge von Prodigien neu ge- ordnet und namentlich durch ein Lect. erweitert.5¹) Saturnus ist einer der ältesten und popu- lärsten einheimischen Götter; wenn mit seiner Feier das Lectisternium verbunden wurde, so ist daraus zu erkennen, wie allgemein die Cärimonie damals bereits geworden war. Ausserdem aber erinnert der Umstand, dass die unter dem Einflusse der griechischen Culte stehenden sibyllinischen Bücher mitwirkten, daran, dass der alte italische Gott des Ackerbaues und seiner Segnungen schon eins war mit dem griechischen Kronos, den nun die von Griechen und Römern oft wieder- holte Dichtung nach seinem Sturze durch Jupiter-Zeus und nach langem Umherirren endlich in Latium einwandern und dort ein goldnes Zeitalter heraufführen liess, an das die Saturnalien mit ihrer ausgelassenen Fröhlichkeit und selbst den Sklaven gegönnten Freude für alle Zeit erinnerten.
Das Unglück am Trasimenischen See liess bei dem offenbaren Zorn der Götter neue Sühn- mittel nötig erscheinen, und man nahm seine Zuflucht wieder zu den sibyllinischen Büchern. Altitalische und griechische Gottheiten waren es, auf die in so schwerer Zeit die Blicke sich richteten: dem Mars wurde ein Ver sacrum gelobt, der von den Griechen Italiens und Siciliens besonders hoch verehrten Venus Erucina ein Tempel in Rom gestiftet und ihr Dienst in Ver-
4*) Liv. XXI 62.
²⁰) Liv. XXII 1. Dies Lect. meint wohl auch Macrob. Sat. I 6 13.
6¹) Ich kann nur so, dass Liv. XXII 1 zwei Lectisternien erwähnt, die Worte des Schriftstellers fassen. Petersen, das Zwölfgöttersystem der Griechen und Römer II 37(Hamb. 1868) nimmt an:„nach den sibyll. Büchern ein Lect. dem Jupiter, der Juno und der Minerva gefeiert beim Tempel des Saturn.“ Das ergibt sich aus den Worten des Livius nicht. Auch Drakenborch führt im Register das lectisternium Junonis Reginae und dasjenige ad aedem Saturni gesondert auf.— In Livius Worten: postremo Decembri iam mense ad aedem Saturni immolatum est lectisterniumque imperatum— hat iam keinen Sinn, wenn es nicht auf den Dezember des Vorjahres sich bezieht- Vielleicht liegt aber in der gewöhnlichen Lesart Decembri iam ein Verderbnis, das nicht so leicht zu heben ist.
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