Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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der griechische Herakles³); und so konnte man auch in ihm bei nationalem Ungemach, bei schweren Heimsuchungen des Volkes eine wirksame Hilfe erwarten. Hercules Defensor und Salu- taris fand in der Folgezeit vielfache Verehrung*). Weniger deutlich ist die Beziehung des Mercurius und des Neptunus zu der Abwehr gegen die Leiden einer Pest; aber immerhin lässt sich eine weitere Beziehung erkennen. Mercur war zunächst zwar als Schutzgott der mercatores aufgenommen; aber sehr bald musste sich diese Funktion erweitern: unter seiner Obhut stand über- haupt Handel und Verkehr, und nicht bloss der geschäftliche, sondern der Verkehr der Bevölkerung onter sich. Wenn nun Stadt und Land von einer verheerenden Krankheit heimgesucht ist, der alle wehrlos gegenüberstehen und alle ohne Unterschied zum Opfer fallen, wo der Einzelne aus Be- sorgnis um das eigene Leben sich scheu vor dem anderen zurückzieht, wo der Freund, der Nach- bar seine Hilfe versagt, wo Familien aussterben und Häuser veröden: da vermag auch der Gott, der den Verkehr der Menschen unter einander vermittelt, Rettung und Hilfe in der Not zu bringen und geordnete Beziehungen der Menschen mit Menschen wiederherzustellen. Neptun endlich war nicht nurder gewaltige, trotzige, wie ihn die Dichter gern schildern, sondern auch der beruhigende, wie er in den Häfen an der Seite der Tranquillitas, der griechischen Galene, und der sanften Winde verehrt wurde.⁴⁴⁵) In diesem Sinne mag er von den römischen Bürgern zu ihrer Rettung aus Pestgefahr beim ersten Lect. angerufen sein. T'berdies lag die Beziehung von mercatura und navigatio nahe.*) Besonderer Heilsgott blieb übrigens fortan der jetzt als solcher eingeführte Apollo. ¹⁰)

Die nächstfolgenden Fälle von Lectisternien, über die wir unterrichtet sind, finden sich in der Zeit des zweiten punischen Krieges. Im Winter des Jahres 218*), nach den ersten überraschenden Erfolgen Hannibals, wurde das Volk durch Wundererscheinungen der absonder- lichsten Art in Schrecken gesetzt; von allen Seiten wurden Prodigien gemeldet, von allen Hörern wurden sie geglaubt quod evenire solet motis semel in religionem animis, sagt Livius. Insbe- sondere wurde von der abergläubischen Menge als ein Vorzeichen öffentlichen Unglücks betrachtet, dass in der alten Etruskerstadt Caere(im Tempel der Fortuna) die sortes, die Loostäfelchen aus Eichenholz, mit alten Sprüchen beschrieben, zusammengeschrumpft(attenuatae) seien.*) Daher wurde

*³) Eustath. 786 62: 0t 1ενq οιηο⁴εεμααον εεmμο‿ia zxdi dSer⁴α zx Hoazliv.

*) Preller röm. Myth. II 296 Anm. 4.

*⁵⁴) Preller II' 123.

¹5a) b. die Verbindung des Mere. und Nept. Zeyss, Jen. Gratulationsschrift Reval 1858, de ritu Romano 23 f.

*) Neben ihn gesellte sich später, als man sich bei einer Pest wiederum nach neuer Hilfe umsah, ebenfalls auf Veranlassung der sibyllinischen Bücher aufgenommen, ein anderer Heilsgott: 292 wurde Aesculapius aus Epidaurus nach Rom geholt, und der Gott wählte sich selbst die Stätte seines Heiligtums auf der Tiberinsel(Liv. X 47. Val. Max. I 8 2).

¹) Dass aus einem ganzen Jahrhundert(von 326 218) kein Fall eines Lect. bekannt ist, hat seinen Grund in der Lückenhaftigkeit unserer Quellen. Sicherlich ist in der Zwischenzeit die Cärimonie angewandt, gewiss hat Livius auch in der verleren gegangenen zweiten Dekade davon zu erzählen gewusst. Die einzelnen Fälle werden übrigens nicht mehr, wie die ersten fünf, gezählt.

*) Die sortes waren die einzige in Italien heimische Art von Orakeln; sie wurden vermutlich zusammen- gebunden aufbewahrt, und durch Eintrocknen fiel wohl dann und wann ein Täfelchen heraus. Es gab deren noch in Falerii und Patavium, hauptsächlich aber in Praeneste. Die Entstehung der sortes Praenestinae bei Cic. de div. II 41

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