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bereits durch die Tarquinier unter anderen von ihnen mitgebrachten griechischen Sitten und Ge- bräuchen eingeführt sein*²), so hat doch sicherlich eine staatliche Anerkennung des Gottes und seine Aufnahme in den öffentlichen Cult nicht vor 433 stattgefunden; drei Jahrzehnte später wird ihm an erster Stelle von staatswegen die Rettung des Volkes ans Herz gelegt durch eine bis dahin nicht geübte Opferfeier. Wenn in unmittelbarer Verbindung neben ihm Latona und Diana erscheinen, so sind auch hierunter nur Leto und Artemis, nach dem griechischen Mythus die Mutter und Schwester des Apollo, zu erkennen. Die erstere“¹) scheint vor der allgemeiner werdenden Verehrung des Apollo nicht in Rom heimisch gewesen zu sein, die sichere Datierung der Einführung ihres Cultes gibt das erste Lectisternium. Was Diana betrifft, so hat neben Apollo und Latona die altitalische, den Sabinern und Römern gleich heilige Göttin der Natur und des weiblichen Geschlechtes keinen Platz; es ist die die apollinische Trias schliessende, freilich mit der römischen Diana manche Berührungspunkte bietende Artemis, die von nun an identifiziert mit Diana erscheint.
Hercules war allerdings lange vor dem ersten Lect. in Rom heimisch; die nationale Überlieferung lässt ihn mit dem mythischen Bewohner des Palatinus, dem guten Evander, auf seiner Rückkehr von Erythia, wo er den Riesen Geryon getötet und seine Rinder entführt hatte, zusammentreffen, und hierbei wird ihm auf seine Anordnung durch eben jenen Evander ein besonderer Gottesdienst eingerichtet; jedenfalls galt der letztere jedem Römer als so alt, dass man ihn, wie er in historischer Zeit geübt wurde, auf Romulus zurückführtest). Aber dieser früh aufgenommene, man kann sagen römisch gewordene Hercules erfuhr doch immerhin eine andere Verehrung als der im Jahre 399 im ersten Lectisternium gefeierte. Das besondere Heiligtum jenes, eine der ältesten Cultstätten der alten Stadt überhaupt, war die Ara maxima (oder magna) am Westende des Forum boarium, wo einst die Rinder des Hercules geweidet hatten (in der achten der augusteischen Regionen, nicht weit von dem Circus maximus gelegen). Hier hatte Hercules seinen Tempel selber gestiftet, ein bleibendes Denkmal seiner Gegenwart in Roms). Aber wie der Cult des Hercules überhaupt mancherlei Beschränkungen unterworfen war ³⁶), So durfte insbesondere in seinem Heiligtume ein Lectisternium nicht stattfinden. Bei Einrichtung seines Cultes lässt Vergil**) den Hercules ausdrücklich die Anordnung treffen: gramineo viros locat ipse sedili; und wie seine Verehrer fortan das Opfermahl sitzend einnehmen mussten, so war
³²¹) Cic. de rep. II 19 34: influxit non tenuis quidam e Graecia rivulus in hanc urbem, sed abundantissimus amnis illarum disciplinarum et artium. ²³) Der Name Latona ist die erst spät allgemein übſich gewordene latinisierte Form für Lato(= ur dor. Arα⁴⁶, äol. Hardr), welche noch Varro sat. Men. 83 1 hat und nach der die den Dichtern geläufigen Ableitungen Latois, Latoides, Latoius gebildet sind. ³⁴) Liv. I 7: Romulus sacra diis aliis Albano ritu, Graeco Herculi, ut ab Evandro instituta erant, facit. Auch später opferte man dem Hercules nur Graeco ritu, d. h. bekränzt, aber nicht— wie es altrömische Sitte war— verhüllten, sondern unbedeckten Hanptes. Nam Italici auctore Aenea velant capita. Festus s. Saturnia. ²) Verg. A. VIII 271 f.: hanc aram luco statuit, quae maxuma semper dicetur nobis, et erit quae maxuma semper. ²*) Von seinem Opfer waren Sklaven, Freigelassene und Frauen ausgeschlossen. Serv. zu Verg. A. VIII 179- Gell. XI 6; den Grund der Ausschliessung der Frauen s. bei Prop. V 9 und Macrob. Sat. I 12 28. ³⁷) àA. VIII 176.


