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und Neptun wurden vor drei überaus kostbar gedeckten Polsterlagern, auf denen ihre Bilder ruhten, acht Tage lang auf Opfertischen Speisen vorgesetzt und so durch öffentliche Feier die Götter von staatswegen bewirtet. Zugleich fand eine Bewirtung aller Bürger unter einander während derselben Dauer statt; man stellte in den geöffneten Hausthüren reichlich besetzte Tafeln auf, für jedermanns Gebrauch bestimmt, Bekannte und Unbekannte waren geladen und wurden mit gleicher Freundlichkeit aufgenommen; selbst Feinden begegnete man versöhnlich, verbannte allen Zank und Streit; wo alles sich in Liebe vereinigte, sollten auch Gefangene nicht schmachten, man nahm ihnen die Fesseln ab und scheute sich nachher sie ihnen wieder anzulegen, als hätte der Götter Wohlwollen ihnen Befreiung gebracht; kurz, es fand bei dem ersten Lectisternium ein allgemeines Ver- söhnungs- und Verbrüderungsfest statt, mit Göttern und Menschen sollte der Friede hergestellt werden.— So berichtet über die Einführung und die Feier des ersten Lect. Livius(V 13), im wesentlichen mit ihm übereinstimmend(teilweise sich berufend auf einen der bedeutendsten unter den älteren Geschichtschreibern, L. Calpurnius Piso Censorius Frugi, den bekannten Gegner der Gracchen) Dionysius Halic.(exc. XII 9. 10) ²³), der noch hinzufügt, dass bei so schrankenloser Ungebundenheit im Verkehr der Bürger niemand sich über Missbrauch der Freiheit und über Unbilden beschwerte. Über die Anordnung der gefeierten Gottheiten auf den drei lecti macht Livius keine ausdrückliche Angabe(Apollinem Latonamque et Dianam, Herculem, Mercurium atque Neptunum tribus stratis lectis placavere); Dionysius verteilt die 6 Götter paarweise(νοσιν oroserde rOeic, ds éxeeror oi Zo*οιμοi, ulαeν αμννᷣνιμνιι αά‿ uroi,&rεᷣαν ϑ ᷣůσœe ui dord⁶e, roirsn de Eναmõrͥ́e̅¶wvm TIooe⁴νν); in ähnlicher Anordnung— paarweise— erscheinen zwar die Gott- heiten, wie wir sehen werden, bei einem späteren wichtigen Lect., nämlich da, wo wir zum ersten Male die 12 dii maiores im römischen Culte beisammen finden; aber da ist je ein Gott mit einer Göttin regelmässig auf einem lectus vereinigt, so dass dies nicht als Analogie für unser erstes Lect. gelten kann. Livius scheint in der That mit der von ihm gegebenen Aufzählung die Ver- teilung auf die drei lecti angedeutet zu haben, so dass einer der Apollinischen Trias, der zweite dem Hercules, der dritte dem Mercur und Neptun zugewiesen war, eine Anordnung, die auch innerlich bedingt scheinen möchte(E. über das Wesen der gefeierten Gottheiten unten). Willkür ist es, wenn Doujat(nach Drakenborch zu Liv. V 13) ohne nähere Begründung annimmt, der erste lectus sei dem Apollo, der Latona und Diana, der zweite dem Herkules und Merkur, den Söhnen des Jupiter, der dritte dem Neptun, dem Bruder desselben, geweiht worden.
Welchen Erfolg nun das Volk von seinem zur Versöhnung der Götter angewandten ausser- ordentlichen Mittel sah, wird uns von den Historikern nicht ausdrücklich berichtet(vgl. jedoch die Worte Augustins unter Anm. 23); Livius kommt nur in der Weise noch einmal auf die letzt- vergangenen Ereignisse des Jahres zurück, dass er erzählt, wie die Plebs durch die mörderische Pest und alles Ungemach so erschüttert sei, dass sie sich der Auffassung der Patricier anschloss. als sei an dem Zorne der Götter, der die Pest heraufgeführt, die Zuerteilung des höchsten Amtes (damals des Militärtribunats) an die Plebejer schuld gewesen(indignum dis visum honores volgari
²³) Auch Augustin. de civ. dei III 17, in dem Kapitel, wo er— in langer chronologischer Aufzählung der einzelnen Fälle— darthut, post initia consularis imperii quibus malis vexata fuerit Romana resp. diis non opitulan- tibus, quos colebat, bezieht sich auf dieses Ereignis: ubi erant(sc. illi Romanorum dii), ruft er aus, quando pesti- lentia maxima exorta diis inutilibus populus diu multumque fatigatus nova lectisternia, quod numquam antea fecerat, exhibenda arbitratus est?


