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treffen.— Ob das Wort ursprünglich Substantiv oder Adjectiv gewesen ist, kann kaum zweifelhaft erscheinen; zwar hat man mitunter an adjectivische Form gedacht und dann epulum dazu ergänzt(eine Adjectivbildung auf ius vom Präsensstamme, die z. B. in exim-ius eine Analogie fände); aber der Gebrauch, den das Wort gefunden hat, spricht nur dafür, dass es Substantiv ge- wesen ist*¹¹), entsprechend den zahlreichen gleichfalls von Präsensstämmen abgeleiteten Neutris auf ium(desider-ium, imper-ium, gaud-ium, stud-ium, obsequ-ium). Weitere Bildungen und Ab- leitungen von lectisternium, sei es nominaler oder verbaler Art, gibt es überhaupt nicht. Dagegen wird eine andere Bezeichnung für dieselbe Sache angegeben; Festus s. sistere sagt: sistere fana cum in urbe condenda dicitur, significat loca in oppido futurorum templorum constituere, quamquam (So Huschke in iurisprud. anteiustin. v. 45 statt quam) Antistius Labeo in commentario quintodecimo iuris pontificii fana sistere esse lectisternia certis locis et diis habere. Der Epitomator Paulus gibt nur die letztere Erklärung: sistere fana cum dicerent, significabatur lectisternia certis in fano locis componere. Wenn der namhafteste Jurist der augusteischen Zeit die Bezeichnung fana sistere für lectisternium gibt(worauf wir später noch einmal Gelegenheit haben werden zurück- zukommen), so ist der Ausdruck zweifellos im Sacralrecht üblich gewesen, bei den Geschicht- schreibern wie überhaupt in unserer ganzen profanen Literatur erscheint er nicht.
Gehen wir nun zur geschichtlichen Betrachtung des Lectisternium über, so wird es er- spriesslich sein, die einzelnen Fälle der Cärimonie von ihrer Einführung an, soweit dieselben für den Göttercult im allgemeinen von Bedeutung waren, in chronologischer Ordnung zu besprechen.
Es war in einer Zeit, wo Rom vor einer wichtigen Entscheidung stand, wo es mit der etruskischen Macht um den Vorrang in Mittelitalien stritt und mit den Vororten derselben, namentlich ihrem festesten Bollwerke Veji, in schwerem, wechselvollem Kampfe lag, wo zum ersten Male, wie Mommsen sagt**), römische Heere Sommer und Winter, Jahr aus Jahr ein im Felde blieben, bis das vorgesteckte Ziel erreicht war, wo Rom zum ersten Male versuchte eine stammfremde Nation zu unterwerfen und seine Waffen über die alten Grenzen der latinischen Landschaft hinübertrug, eine Zeit also, wo die Bürgerschaft durch gewaltige Aufgaben in An- spannung gehalten, die Gemüter durch grosse Hoffnungen und Gefahren in Anspruch genommen waren, als man bei der Umschau nach Hilfe und dem allgemeinen Bedürfnis nach Frieden mit den Göttern zum ersten Male die eigentümliche, bis dahin unbekannte Sitte, die Götter durch Ladung zu feierlichem Opfermahle zu gewinnen und zu besänftigen, in Anwendung brachte. Im Jahre 399, inmitten der von allen Seiten anstürmenden Kriegsgefahren, folgte auf einen harten und strengen Winter, der für das milde Klima Mittelitaliens durchaus ungewöhnlich war, in schroffem Wechsel ein heisser, drückender Sommer, der eine furchtbare Pest im Gefolge hatte. Zahllose Opfer forderte die verheerende Krankheit, alle Menschenkunst erwies sich als fruchtlos, ein Grund solches Zornes der Götter oder eine natürliche Ursache der Seuche war nicht zu er- kennen, ein Ende nicht abzusehen: da gab der Senat den Hütern der sibyllinischen Orakel, den duumviri sacris faciundis, den Befehl, die heiligen Bücher, welche die gesammelten Sprüche der cumäischen Sibylla enthielten, einzusehen, und diese gaben die Weisung, ein Lectisternium zu veran- stalten: der Apollinischen Trias, dem Apollo nebst der Latona und Diana, dem Herkules, dem Mercur
²¹²) Die Griechen übersetzten es mit rοωνν(eig.= pulvinar), Dionys. exc. XII 9. ²²) Röm. Gesch. I6 333.


