Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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regelmässiges Mittel der Verehrung geworden. Es ist nicht möglich eine ununterbrochene ge- schichtliche Entwicklung dieses eigentümlichen Brauches bis zum Ende des römischen Heiden- tums zu erkennen; aber durch lange Zeiträume lässt er sich doch verfolgen und an der wachsen- den Verbreitung ermessen, dass er eine nicht unwesentliche Bedeutung, sogar für die römische Religionsgeschichte gehabt hat.

Um das Wesen des Lectisternium uns klar zu machen. haben wir die verschiedenen Gelegenheiten, bei denen es in der Überlieferung uns entgegentritt, sowie die Form, unter der es erscheint, uns zu vergegenwärtigen. Bei dem Fehlen einer Speziallitteratur in den Quellen selbst gilt es daher aus gelegentlichen Mitteilungen oder Andeutungen, die sich bei den Alten zerstreut finden, ein notdürftiges Gesamtbild wieder herzustellen, das indessen interessant genug ist, um zu einer Sonderbetrachtung anzuregen.

Was zunächst den Namen betrifft, so bezeichnet derselbe augenscheinlich die bei der Cärimonie vorgenommene äusserliche Handlung: lecti sternebantur in honorem deorum, sagt August. de civ. dei III 17, unde hoc sacrum vel potius sacrilegium nomen accepit. Lecti sind die Polster- bänke, auf denen beim Mahle die Speisenden in der Stellung der accubatio, den Körper auf den linken Arm gestützt, ruhten; lectum sternere heist zunächst: über die Bänke die Decken(stragulae) und Kissen(pulvini), die teils zur Zierde teils zur Bequemlichkeit der Ruhenden aufgelegt wurden, ausbreiten; in weiterem Sinne und das ist der gewöhnliche Sprachgebrauch umfasst das lectum sternere auch die Thätigkeit des Tischordnens und was damit zusammenhängt*¹). Ein von lectisternium abgeleitetes Wort findet sich einmal bei Plaut. Pseud. I 2 29; dort wird der Diener, der bei der Zubereitung zu einem Gastmahl das, was wirTisch decken nennen, zu besorgen hat, lectisterniator genannt; wie es scheint, ein willkürlich abgeleitetes Verbalnomen von einem sonst nicht vorkommenden lectisterniare. Dies letztere würde ein richtig gebildetes Verbum denominativum sein, ein factitivum wie alle denominativa auf are, also das lectisternium besorgen; wir fänden demnach hierin den Begriff lectisternium in profaner Bedeutung; ob das Wort in diesem Gebrauche aber sonst vielleicht in der Vulgärsprache üblich gewesen ist, darauf lässt eine einmalige Anwendung bei einem Komiker keinen Schluss zu; denn das Wort lectisternium wird sonst ausschliesslich in sakraler Beziehung gebraucht und zwar in bestimmtem technischen Sinne als heilige Handlung. Nur ein einziges Mal wird eine andere Erklärung für das Wort gegeben: Serv. zu Verg. A. XII 199 bezeichnet es als den Ort, ubi homines in templo sedere consuerunt, im Gegensatz zu sacrarium= proprie locus in templo, in quo sacra reponuntur, und donarium, ubi ponuntur oblata. Wie man sich das zu denken hat, ist nicht klar; denn eigentlich war für die Besucher des Tempels, wenn er behufs irgend welcher heiligen Handlung betreten wurde, für gewöhnlich keine Veranlassung zum Niedersitzen. Allerdings pflegten manche Collegien sich in Tempeln zu versammeln, in den grösseren, wie denen der Concordia, des Castor, des Jupiter hielt der Senat häufig seine Sitzungen ab. Nach der an jener Stelle gegebenen Erklärung muss das sacrarium ein abgesonderter, verschlossener Raum gewesen sein(ähnlich auch Ulpian. Dig. I 8. 9§ 2); über den Zweck aber und die Lage des hier als lectisternium bezeichneten Raumes lässt sich schwerlich eine bestimmte Entscheidung

) Plaut. Stich. V 3, 5: lectis sternendis studuimus munditiisque apparandis. Ter. Adelph. II 4, 21: lectulos iube sterni nobis.