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wie Macrobius(Sat. III 9) sagt, aut aliter urbem capi posse non crederent aut etiam, si posset. nefas aestimarent deos habere captivos.—
Eine religiöse Anschauung nun, die darauf ausgeht, bei jeder Unternehmung, mag sie ge- ringerer oder bedeutenderer Art sein, die Gottheit sich geneigt zu machen, musste naturgemäss im Laufe der Zeit ein immer reicheres Cärimoniell, immer reichere Cultformen hervorbringen;— wird doch schon jeder durch die evocatio gewonnenen Gottheit ein besonderes Fest versprochen¹*); eine solche Anschauung drängte aber auch bei ausserordentlichen Anlässen, bei plötzlichen Ge- fahren und grossen Nöten des Staates und Volkes, wo man auf allen Seiten nach Hilfe umschaute, pei wunderbaren Naturerscheinungen und erschreckenden Vorzeichen, deren ja in drohenden Zeiten das geängstete Gemüt um so mehr zu sehen glaubte, zu der Anwendung ausserordentlicher Mittel, um den Zorn der Götter zu besänftigen und ihre Gnade wieder zu gewinnen; denn wie der Gott jede Vernachlässigung schwer rächt, so ist er demütig dargebrachter Gabe stets zugäng- lich²e). Solche Mittel waren überreiche Opfer und Widmungen, wie z. B. eines Ver sacrum im Anfange des 2. punischen Krieges, die Einführung neuer Feste, wie der scenischen Spiele 364 aus Veranlassung einer Pest, die Einholung einer vorher in Rom nicht verehrten Gottheit, wie der Magna Mater. Eine der merkwürdigsten Cärimonien aber, die zu gleichem Zwecke als aussergewöhnliches Mittel angewandt wurde, eine Cärimonie, deren Einführung eine Epoche in der Entwicklung des römischen Göttercultes bezeichnet, ist die Sitte, die Götter, welchen jedes Opfer, blutiges wie unblutiges, gleichsam zugesandt wird, zu dem Opfer persönlich zu laden, an dem Mahle selbst teil nehmen zu lassen: das Göttermahl oder Lectisternium.
Das Lectisternium ist eine verhältnismässig späte Einrichtung des römischen Cultes, hat nichts mit den uralten, auf Numa zurückgeführten nationalen Einrichtungen zu thun, ist aber doch schnell in Aufnahme gekommen und schliesslich ein nicht seltenes, ja bei manchen Gottheiten
¹0) Si ita feceritis— so schliesst die Evocationsformel bei Macrob. a. a. O)— voveo vobis templa ludosque facturum. Lehrreich für diese Erweiterung des römischen Cultes ist Prudent. adv. Symm. II 342 ff.: Sed quia Romanis loquimur de cultibus, ipsum Sanguinis Hectorei populum probo tempore longo Non multos coluisse deos rarisque sacellis Contentum paucas posuisse in collibns aras. Innumeros post deinde deos, virtute subactis Urbibus, ex claris peperit sibi Roma- triumphis; Inter fumantes templorum armata ruinas Dextera victoris simulacra hostilia cepit, Et captiva domum venerans ceu numina vexit. Roma triumphantis quotiens ducis inclita currum Plausibus excepit, totiens altaria divum Addidit et spoliis sibimet nova numina fecit:— Numina, quae patriis cum moenibus eruta nullum Praesidium potuere suis afferre sacellis. 25) Ov. a. a. III 653 f.: Munera, crede mihi, capiunt hominesque deosque: Placatur donis Juppiter ipse datis. Dagegen Hor. od. III 6 7 f.: Di multa neglecti dederunt Hesperiae mala luctuosae.


