Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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oft wilde und rohe Tätigkeit gepaart ist mit prunkvoll zur Schau getragener äusserer Frömmi

keit, ist schon früher angedeutet. Aber durch das ganze Volk giengen solche uns fast unenchin dünkende Widersprüche, in den verschiedensten Lagen lassen sie sich erkennen: man em ſen wenn möglich, alltäglich das Abendmahl, daneben war die gröbste Unsittlichkeit lis 7ur Sodomite 3 etwas gewöhnliches; wir sehen das eine Mal auf dem Schlachtfelde die Krieger in ein Founnsr Tedeum ihrer Geistlichen einstimmen, ein andres Mal werden wehrlose Gefangene von den Vden Siegern entmannt. In einer Zeit, wo solche Gegensätze neben einander ergeim können, ist aucl ein Charakter wie Burchard erklärlich: wir müssen den Charakter verdammen, jedoch nur weil den des Zeitalters verdammen müssen. Was aber Fürsten wie Bischof Barshard II. von Hal berstadt so überaus verhängnissvoll wirken liess, das war ich muss es zum Schlusso noch em. mal betonen der Umstand, dass der Kaiser in der Tat nicht anerkanntes Oberhaupt des. n war, dass er als Partei den Fürsten gegenüberstand; der deutsche Kaiser ist Partei geblieben bald schwächere, bald stärkere, bis zum Untergange des alten Reiches; mehr und mane lnt en 3 herziger Partikularismus und selbstsüchtiger Fürstenstolz von der Macht und Würde des eine Nation umfassenden Reiches losgerissen, bis es als wesenloses Schattenbild verschwand. Es hat lange 5. dauert, bis die deutschen Fürsten aufhörten, in einem Kaiser die Partei, den Premdling oder höchstens den Nachbar zu erblicken; schwere, schwere Stürme sind über Aas deutsche Vaterladd dahingezogen, bis seine Fürsten wieder einen Kaiser koren, den sie als Landsmann betrachteten dem sie in ihren Landen glaubten Rechte einräumen zu dürfen. ¹1¹⁵) 23

Anmerkungen.

11) Bruno c. 91; dazu die Bemerkung Wattenbachs in der Uebersetzung, Geschichtschr. d. deutschen Vor- zeit XI. 8. p. 107. 5 3 ²) Durand. et Marten. Thesaur. V. lib. III. c. 11. 3) Zum Jahre 1085; an der betr. Stelle, wie sonst oft, wörtlich übereinsti 1; deburger Annalen, da beide aus gleicher Quelle schöpfen.. einstimmend mit dem Schreiber der Mag- *) Lib. III. c. 33. ) Augsburger Annalen 1088.

6) Bernold 1088. ¹) Diesem Geschlecht wird Burchards Oheim Wezel vom Chron. Magdeb. bei Meibom. rer. Germ. II. p. 313

(de castro, quod Stutzlinge nominatur) zugeschrieben, und es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Angabe auf 8

älterer Quelle beruht. 8) Bei Goldast, apologia pro Henrico IV. imp. p. 148. 9) An dem Tage, wo er seine Todeswunde empfieng, i. J. 1088, nennt er sich selbst einen sexagenarius 10) Jaffé Regesta Rom. pontif. 3193. 5 1 ¹1) S. Sudendorf Registrum III. p. 9. Note a. ¹²) S. Gfrörer, Gregorius VII. und sein Zeitalter II. p. 12. ¹3) Lambert 1066. 3 ¹14) Lambert 1067. ¹15) Lambert 1071. ¹6) Lambert 1075. ¹17) Lambert 1076. ¹8) III. 34.