Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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Gesellen fanden den unglücklichen Bischof am Boden liegen, in Kreuzesform die Arme vom Körper weggestreckt¹¹⁶) und inbrünstig betend. Standhaft hielt er ihre Stösse und Schläge aus, Steinwürfe und Fusstritte trafen seinen Körper, er verharrte in seiner Stellung und in seinem Gebete. Da stiess einer seiner Verfolger ihm die Lanze mit aller Macht in den Körper, dass die Spitze ab- brach und in der Brust stecken blieb; der Unglückliche war dem Tode nahe. Inzwischen hatten sich Burchards Vasallen, die bei dem plötzlichen Auflauf und Ueberfall aus der Stadt geflüchtet waren, wieder gesammelt und kehrten nun zurück, um ihren Bischof wo möglich den Händen der wütenden Volksmenge zu entreissen, und an mehreren Stellen Feuer anlegend, gelang es ihnen, unter die Bürger selber Verwirrung zu bringen. Der Feuerlärm rief die Aufrührerischen von dem Schauplatz ihrer Untat hinweg, und ohne grossen Widerstand zu finden, konnten Burchards Dienst- mannen zur Wohnung ihres unglücklichen Bischofs vordringen. Sie fanden das Opfer des fana- tisierten Volkshasses halb entseelt und im Blute schwimmend; die Leiche wenigstens wollten sie in Sicherheit bringen. Sie legten den tödtlich Verwundeten auf eine Sänfte und trugen ihn noch dieselbe Nacht aus der Stadt hinaus zu dem wenige Stunden entfernten Kloster Jlsenburg Bur- chard hatte die stets mit Vorliebe gehegte Stiftung schon lange als Begräbnissplatz für sich aus- ersehen; mit tiefem Schmerze empfieng Herrand den traurigen Zug nebst der erschütternden Botschaft. Unterwegs war Burchard wieder zu sich gekommen, und beim Eintritte in das Kloster begann er mit kräftiger Stimme einen Hymnus auf den heil. Petrus. Im Kloster selber, auf ein Ruhebett niedergelegt, sprach er laut und vernehmlich das Glaubensbekenntniss. Darauf liessen die Schmerzen etwas nach, und den ganzen Tag über konnte er sich mit seinen Freunden in er- baulichen Gesprächen und gegenseitigen Tröstungen unterhalten. Nach der im Körper zurückge- pliebenen Lanzenspitze forschte man vergeblich; einer frommen Matrone, die ihn im Vertrauen fragte, ob er nicht wüste, wo das abgebrochene Eisen hingekommen sei, erwiederte er:Gott, dem nichts verborgen ist, weiss auch das. Gegen Abend nahmen die Schmerzen wieder zu und be- gannen die edleren Teile zu ergreifen; das heilige Abendmahl wurde ihm gereicht, indem er kaum noch schlucken und reden konnte vor den Wunden am Halse. Während der Nacht, wo man jeden Augenblick das Ende erwartete, traten eine grosse Anzahl Mönche, Geistliche und Laien zu ihm an sein Schmerzenslager, deren Fürbitte er sich empfahl, mit weinender Stimme legte er dann die Beichte ab und verschied in grosser Fassung in der Frühe des 7. April, des Freitags vor Palmarum. Die im Körper zurückgebliebene Lanzenspitze fand man beim Waschen des Leichnams; seinem Wunsche zufolge wurde dieselbe ihm ins Grab mitgegeben. Im Kloster Jlsenburg, wie er es be- stimmt hatte, wurde er beigesetzt, in der Mitte des Chors; eine grosse Schar Leidtragender geist- liches wie weltliches Standes elte zu der Trauerfeier herbei. 1¹⁷)

Ein vielbewegtes, tatenreiches Leben hat geendet, einer der bedeutungsvollsten Männer seines Jahrhunderts ist zu Grabe gegangen. Wohl hatten die Papisten Recht, über den Hintritt dieses Gottesmannes Wehe! zu rufen, des in der Sache des heiligen Petrus zuverlässigsten Menschen. Der Widerstand der Sachsen war gebrochen; nach Burchards Hinscheiden besass keiner ihrer Führer mehr Energie und Einfluss genug, um ferner ausharrende Treue gegen den Papst, mutigen Widerstand gegen den unter dem Kirchenfluche stehenden Kaiser zu predigen und ins Werk zu setzen. Die sächsischen Bischöfe suchten Versöhnung mit Heinrich, Hartwig von Magdeburg und Werner von Merseburg unterwarfen sich ihrem bisherigen Feinde; der Gegenkönig Hermann hatte fürder keine Stätte im Sachsenlande, er gab die ihm aufgesetzte Krone, die er mit wenig Ehren getragen, preis und starb eines unrühmlichen Todes. Als Heinrich jetzt nach anderthalb